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29. Oktober 2009

Junge Menschen zieht es "weltwärts"

Das Badische Rote Kreuz hat über neuen Freiwilligendienst 16 junge Leute in Entwicklungsländer entsandt

  1. Sie nahmen am Projekt „weltwärts“ teil: Gregor Merkle (links) aus Hinterzarten und Sören Hildebrand aus Ettenheimmünster Foto: Scherfling

FREIBURG. Immer mehr junge Menschen in Deutschland wollen nach der Schule oder Ausbildung einen Freiwilligendienst in Afrika, Lateinamerika, Asien oder Osteuropa absolvieren. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat den neuen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst "weltwärts" geschaffen. Eine der Entsendeorganisationen ist das Badische Rote Kreuz. In den vergangenen zwölf Monaten hatte sie zwei junge Männer als "Piloten" für das Projekt nach Indonesien geschickt.

Während Gregor Merkle aus Hinterzarten und Sören Hildebrand aus Ettenheimmünster in der DRK-Landesgeschäftsstelle in Freiburg von ihren Erlebnissen erzählen, sind bereits 16 junge Leute auf der Reise zu einem Freiwilligendienst in Mexiko. Die Erfahrungen der beiden jungen Männer in Indonesien habe das Rote Kreuz bestärkt, in das "Weltwärts"-Projekt in größerem Rahmen einzusteigen, sagt die Landesgeschäftsführerin Birgit Wiloth-Sacherer.

Die Nachfrage nach dem Freiwilligen sozialen Jahr in Entwicklungsländern übersteigt derzeit die Zahl der Einsatzplätze bei weitem. Und für viele junge Menschen ist die notwendige Kostenbeteiligung eine hohe Hürde. Daher hat das Entwicklungshilfeministerium das Förderprogramm "weltwärts" ins Leben gerufen.

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Mit einem jährlichen mittelfristigen Finanzvolumen von 70 Millionen Euro werden jährlich bis zu 10 000 Einsatzplätze ermöglicht. Diese finden sich in sozialen Einrichtungen, in Landwirtschafts- und Umweltprojekten oder in Bildungseinrichtungen. Für die Teilnehmer entstehen keine Kosten, sie erhalten sogar ein monatliches Taschengeld.

Sowohl für das Rote Kreuz als auch für die beiden jungen Südbadener war der einjährige Aufenthalt in Indonesien ein Experiment. Zwar konnte das Rote Kreuz auf Partnerorganisationen in Fernost zurückgreifen, und auch vor Ort fanden die jungen Leute ein Netzwerk von deutschen Hilfsorganisationen vor. Aber zunächst mussten sie sich in der neuen Umgebung zurechtfinden. Fünf Wochen lang lernten sie in einem Kurs die Landessprache. Aber am meisten konnten sie sich die Alltagssprache aneignen, wenn sie bei einheimischen Gastfamilien wohnten.

Dort lernten sie auch die Lebensweise der Indonesier kennen, die einheimische Küche, bei der dreimal am Tag Reis auf den Tisch kommt. Das sei schon gewöhnungsbedürftig gewesen, erzählt Sören, und sie seien schon froh gewesen, wenn es wieder einmal etwas Westliches zu essen gab.

Bei ihren Einsätzen hatte sie viel mit jungen Menschen zu tun. Sie besuchten zum Beispiel Schulen, um über Katastrophenfürsorge zu informieren oder über Deutschland zu erzählen, berichtet Gregor. Wichtig sei dabei der Gedankenaustausch zwischen den Kulturen gewesen. Es habe ein sehr großes Interesse an Deutschland und Europa gegeben. Katastrophenhilfe in der Regenzeit war auch eine Aufgabe, bei der unter anderem Hygieneartikel an die Bevölkerung verteilt wurden.

Die beiden, deren "Weltwärts"-Einsatz übrigens als Zivildienstersatz gewertet wird, würden sofort wieder zu einem solchen Einsatz aufbrechen. Aber zunächst geht es um die eigen Ausbildung. Sören Hildebrand wird beim CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Weiß in Berlin ein Praktikum absolvieren, um danach Politikwissenschaften und Geschichte zu studieren – um vielleicht einmal in der Dritten Welt zu arbeiten. Gregor Merkle wird sich jetzt den Wirtschaftswissenschaften widmen.

Sören, der jungen Leuten solch einen Einsatz unbedingt empfiehlt, meint, ihm sei klar geworden, dass die Erfahrungen, die man selbst im Ausland gewonnen hat, den eigenen Blick verändern. "Es bringt ganz viel", so sein Fazit.

Wer sich für einen Freiwilligendienst im Ausland interessiert, sollte zwischen 18 und 27 Jahre sein, über Fremdsprachenkenntnisse verfügen und selbstverständlich eine hohe Motivation mitbringen.

Mehr Informationen gibt es auf http://www.drk-baden.de oder bei Silva Clemens per Telefon 0761/88336-255 oder per E-Mail silva.clemens@drk-baden.de .

Autor: Karlheinz Scherfling