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13. Februar 2010
Kalkutta-Einsatz war ganz spontan
Interplast Germany reagierte auf einen Hilferuf aus Indien.
SCHOPFHEIM. Der Einsatz in Kalkutta für Interplast Germany war nicht geplant. Als das fünfköpfige Team mit Dr. Günter Zabel an der Spitze vom dortigen Krankenhaus angefordert wurde, war die Vorbereitungsphase denkbar knapp. "Am Donnerstagmorgen kam das benötigte Visum, am Freitag war Abflug," erzählten Günter und Marianne Zabel.
Knapp war es deshalb, weil ein in Kalkutta angemeldetes Hilfsteam kurzfristig abgesagt hatte. Als der Hilferuf via Mails Interplast Germany erreichte, kam der Indien-Aufenthalt vom 10. bis 25. Januar ins Rollen. Das fünfköpfige Team setzte sich aus zwei Ärzten aus Freiburg, mit dem Chirurg Stefan Piry aus Lörrach sowie Dr. Günter und Marianne Zabel aus Schopfheim zusammen. Es werde immer schwieriger, die Formalitäten mit den Fluggesellschaften und dem Zoll zu klären, erzählte Marianne Zabel. Nicht zuletzt das Übergepäck mache Probleme. Allein die Instrumentenkiste wiege 25 Kilo, 50 Kilo insgesamt kommen da schnell zusammen.Zum ersten Mal waren die Zabels in Indien im Interplast-Einsatz. "Kalkutta ist eine unglaublich schmutzige Stadt": Das war der erste Eindruck. Gearbeitet hat das Team im Shree-Jain-Hospital Kalkuttas, einem relativ großen Krankenhaus. Marianne und Günter Zabel staunten nicht schlecht, als sie beobachteten, dass vom OP-Besteck bis hin zur Wäsche alles auf den Boden geworfen wurde. Das Aufsammeln und Reinigen – übrigens einmal pro Woche – werde von einer "unteren" Kaste geleistet. Das Ärzteteam aus Deutschland änderte was an diesem Zustand, indem sie demonstrierten und erklärten, wie wichtig die Hygiene in OP-Sälen ist und auch selbst Hand anlegte. "Schon in der zweiten Woche wurde nichts mehr auf den Boden geworfen", erzählte Marianne Zabel. Es mache Spaß zu sehen, wenn etwas vermittelt werden kann.
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Der Andrang der Hilfesuchenden sei enorm gewesen, schildert Günter Zabel. Insgesamt seien 250 Menschen dagewesen. Da es sich fast ausschließlich um größere Eingriffe handelte, blieben 63 Patienten übrig. Da des öfteren an einem Patienten mehrere Eingriffe nötig waren, wurden insgesamt 94 Operationen bewältigt.
In erster Linie bekamen die Chirurgen ganz schlimme Folgen von Verbrennungen, überwiegend bei Frauen und Kindern, zu sehen. "Im medizinischen Sinne war das einer für uns alle bislang belastenste und intensivste Aufenthalte," sagte Günter Zabel. Es habe viele Fälle gegeben, bei denen die Gliedmaßen nach den schlimmen Verbrennungen zusammengewachsen sind. Zur Verfügung standen zwei OP-Räume, von denen die Gruppe einen als Lager für die Instrumente und Ausrüstung nutzte. Die Anästhesisten kamen von einem anderen Krankenhaus und mussten finanziert werden. Gesponsert worden sei der Einsatz in Kalkutta von einem dortigen Stahl-Magnaten. Woher stammt der Name Shree-Jain-Hospital? Jain, so viel habe er in Erfahrung gebracht, sei eine Gruppierung, die sich vom Buddhismus abgespalten habe. Die Mitglieder seien nicht Vegetarier, sondern Veganer (sie essen nichts, was von Tieren stammt, auch keinen Fisch, keinen Käse, keine Eier). "Ich war gespannt auf die Küche", meinte Günter Zabel. Das Gemüse habe ihm jedenfalls geschmeckt.
Da Veganer keine Tiere töten dürfen, stellte sich die Frage, was mit der lästigen Fliege passieren würde, die während einer Operation störte. Irgendwann habe es seltsam im OP gerochen, lachte Marianne Zabel bei der Erinnerung. Einer vom Personal habe versucht, die Fliege mit Äther zu betäuben. Die Fliege sei fort gewesen, dafür das OP-Team halb betäubt. Anfangs sei alles etwas gewöhnungsbedürftig gewesen, das Personal ausgesprochen zurückhaltend. In der zweiten Woche dann sei das Eis getaut und es habe zwischenmenschlich wunderbar geklappt, erzählten Günter und Marianne Zabel. Der Abschied sei herzlich gewesen, es flossen beim Krankenhauspersonal sogar Tränen. Das Ärzteteam war in einem einfachen, aber sauberen Gästehaus untergebracht worden. Der Einsatz vom Interplast-Team Germany wurde von Zeitungen und Radio bekannt gemacht, Rikshas fuhren mit Plakaten durch die Stadtteile. Im Zentrum Kalkuttas fahren nur richtige Taxis. Beeindruckend seien die Hektik und der Lärm in der Stadt gewesen.
Ein Ausflug führte zum Ganges-Delta mit Nationalpark, in dem es die einzigen weißen bengalischen Tiger geben soll. "Wir haben keinen gesehen," meinte Günter Zabel.
In Schopfheim machte das Interplast-Team einen kurzen Zwischenstopp und ist mittlerweile bereits weiter nach Guatemala geflogen. Wenn die Zabels von dort zurück sind, geht es schon bald weiter nach Süd-Vietnam.
Autor: Marlies Jung-Knoblich


