Kampf und Krampf auf Kunstrasen

Hannes Selz

Von Hannes Selz

Mo, 03. Dezember 2018

Landesliga Staffel 2

LANDESLIGASPIEL DES TAGES:Kirchzarten legt sich mit dem 2:0 in Emmendingen drei Big Points unter den Weihnachtsbaum.

FUSSBALL. Landesliga, Staffel II: FC Emmendingen – SV Kirchzarten 0:2 (0:0). Die Anhänger des FC Emmendingen haben es momentan nicht leicht. Das Team von Trainer Mark Costa überwintert nach einer schwachen Leistung und einem insgesamt zähen Spiel gegen den SV Kirchzarten mit gerade einmal sieben Punkten am Tabellenende. Das einzig Positive: Im neuen Jahr kann es spielerisch bei beiden Teams wohl nur aufwärts gehen.

Abriss des Spiels
Es gab sicherlich schönere Beschäftigungen an diesem kalten Samstagnachmittag als an den Emmendinger Kunstrasen zu pilgern. Denn was die beiden Teams den knapp 50 Zuschauern boten, war fußballerische Magerkost. Kaum einmal lief der Ball mit kurzen Pässen über mehrere Stationen, die wenigen Torchancen waren allesamt Zufallsprodukte. "Es war klar, dass es heute nur Kampf und Krampf geben würde", sagte der Kirchzartener Trainer Tobias Göbel nach dem Spiel.

Sven Althauser fiel der Ball nach 20 Minuten vor die Füße, der Kirchzartener Stürmer scheiterte jedoch völlig freistehend an der Querlatte. Kurz vor der Pause verpassten es gleich mehrere Kirchzartener, aus dem Getümmel heraus den Emmendinger Torwart Stefan Lohrer zu überwinden. Im Gegenzug kam Emmendingen zu seiner einzigen Chance im gesamten Spiel, diese hatte es aber in sich: Nach einem Fehler der Gäste im Spielaufbau lief Kazbek Ulubiev völlig allein aufs Tor zu, scheiterte aber am stark reagierenden SVK-Keeper Fabian Schneider.

Das 1:0 für die Gäste nach der Pause fiel nach dem einzigen gelungenen Spielzug der gesamten Begegnung: Steffen Weiß brachte von der rechten Seite eine mustergültige Flanke in die Mitte. Colin Kanwischer stand goldrichtig und bugsierte den nicht einfach zu nehmenden Ball aus sieben Metern gekonnt mit dem Fuß über die Torlinie. Für die Entscheidung sorgte in der Nachspielzeit erneut Kanwischer, der mit einem Schuss von der Mittellinie den aufgerückten und dadurch weit vor seinem Tor stehenden Lohrer überwand.

Situationsbedingtes Pressing
Während beide Mannschaften mit dem Ball nicht viel anzufangen wussten, funktionierte das Spiel gegen den Ball aber durchaus. Die gestaffelten Defensivreihen ließen auf beiden Seiten nicht viel zu, situationsbedingt pressten beide Teams ab und an tief in der gegnerischen Hälfte und sorgten dadurch zumindest phasenweise für etwas Action. "Vor dem Spiel war klar: Emmendingen musste gewinnen, wir sollten. Deshalb wollten wir lediglich hinten dicht machen. Ich denke, das hat ganz gut geklappt", bilanzierte Göbel nach dem fünften Saisonsieg für die Dreisamtäler.
Not gegen Elend
Die Redewendung "Not gegen Elend" ist fast etwas abgelutscht, wird sie doch andauernd benutzt, um für den Zuschauer zähe und langweilige Spiele zu beschreiben. Doch auf diese Partie passt sie nun mal wie die Faust aufs Auge. "Spielerisch hat es bei uns überall gefehlt", haderte der nach dem Spiel sichtlich geknickte Costa. "Das Bittere war, dass Kirchzarten schon nicht gut war. Aber wir waren noch schlechter." Tobias Göbel, der vor seinem Wechsel nach Kirchzarten zwei Jahre lang im Emmendinger Elzstadion gespielt hatte, sah das ähnlich: "Aber wir pfiffen personell auf dem letzten Loch und sind jetzt einfach froh, dass Winterpause ist."
Emmendinger Tristesse
Mit gerade einmal sieben Punkten steht der FCE abgeschlagen am Tabellenende – nur ein Wunder scheint den ehemaligen Oberligisten vor dem Absturz in die Bezirksliga retten zu können. "Direkt nach dem Spiel bin ich jetzt natürlich sehr emotional und enttäuscht. In den nächsten Tagen werden der Vorstand und ich die Lage analysieren", erzählte Costa. "Stand jetzt geht es normal weiter mit mir als Trainer. Dann werden wir nach einer guten Wintervorbereitung versuchen anzugreifen, auch wenn sich das jetzt gerade vielleicht etwas komisch anhört."

Beim SVK herrschte dagegen Erleichterung nach dem Sieg, durch den die Kirchzartener die Abstiegsplätze kurz vor dem ersten Advent doch noch verlassen konnten. "Der Dreier war unglaublich wichtig für uns", sagte Göbel, der mit seinem Trainerkollegen mitfühlt: "Ich weiß, dass die Situation nach den vielen Abgängen im Sommer für Mark keine leichte war. Ich wünsche ihm alles Gute." Kirchzarten habe nach der Hinrunde im letzten Jahr auch nur neun Punkte gehabt und am Ende den Klassenerhalt noch gepackt. "Es ist noch alles möglich, aber der FCE braucht auch viel Glück", sagte Göbel.

Tore: 0:1, 0:2 beide Kanwischer (52., 90.+5). Schiedsrichter: Gander (Colmar). Zuschauer: 60.