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21. März 2017

Café International wird zum Treffpunkt

Einrichtung des Roten Kreuzes etabliert sich / Derzeit bietet Kandern 60 Flüchtlingen ein Zuhause.

  1. Sichtlich wohl fühlen sich die Gäste im Café International des Deutschen Roten Kreuzes und der Flüchtlingshilfe in Kandern. Foto: Ounas-Kräusel

KANDERN (ouk). Das Internationale Café des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und der Flüchtlingshilfe Kandern entwickelt sich mehr und mehr zum Treffpunkt für geflohene Menschen. Am Samstag hatten die Ehrenamtlichen im Rotkreuzhaus für die Besucher wieder die Tische bunt gedeckt, Kinderspiele, Getränke und ein reiches Kuchenbüfett vorbereitet. Bis vier Uhr kamen fünf oder sechs Familien vorbei.

Schon bald saßen die Erwachsenen lebhaft plaudernd zusammen. Die Kinder malten und spielten an zwei Tischen mit mehreren Helferinnen.

"Ich habe in Syrien als Fahrzeuglackierer gearbeitet", erzählte ein junger Familienvater mit seinem dreimonatigen Söhnchen auf dem Arm. Auch in Deutschland würde er gerne in diesem Beruf arbeiten. Außerdem erzählten er und seine Frau, dass sie mit ihren drei Kindern in einem einzigen Zimmer lebten und daher ein Haus suchten. Doch das ist schwierig. Zum einen sind bezahlbare Wohnungen und Häuser rar. Zum anderen haben sich die Bestimmungen für Flüchtlinge verschärft, wie Sozialarbeiter Mathias Winzer berichtete. Wer seine Anerkennung erst im Jahr 2016 erhalten hat, muss drei Jahre am bisherigen Wohnort bleiben und darf gar nicht von Kandern ins begehrte Lörrach oder nach Weil am Rhein ziehen. In der Töpferstadt leben derzeit 60 Flüchtlinge in Anschlussunterbringung. Manche haben das Recht, ein Jahr in Deutschland zu leben, andere dürfen drei Jahre bleiben. Eine Chance auf unbefristeten Aufenthalt hat nur, wer in dieser Zeit Deutsch lernt und eine Arbeit findet. Sozialarbeiter Mathias Winzer, der für die Diakonie arbeitet, unterstützt die Menschen in der Anschlussunterbringung in Kandern, Binzen und dem übrigen Kandertal ein Jahr lang.

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Auch die Gemeinschaftsunterkunft ist nach wie vor bewohnt. Erst kürzlich seien junge Männer aus Syrien, dem Iran und aus Afrika neu angekommen, berichteten Angela Schellhorn und Ursula Uhl von der Flüchtlingshilfe. Man unterrichte in der Unterkunft nach wie vor Deutsch, da die Menschen erst nach ihrer Anerkennung Deutschkurse besuchen dürften, erzählten die beiden Frauen. Neu eingerichtet habe man einen Nähtreff, der auch von Frauen, die in Kandern bereits eine Wohnung haben, besucht werde. Wenig Verständnis haben Ursula Uhl und Angela Schellhorn für Überlegungen des Kreises, die Unterkunft wieder zu schließen. "Wo sollten die Menschen denn nach der Schließung unterkommen, wenn bezahlbare Wohnungen so schwer zu bekommen sind?", fragen sie sich.

Autor: ouk