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21. Oktober 2017

Ein Himbeerfeld im Baugebiet? Die Räte sagen: "Das geht"

Der Wollbacher Landwirtschaftsbetrieb Probst kann seine Pläne verwirklichen / Zwei Enthaltungen im Ortschaftsrat, drei Gegenstimmen im Technischen Auschuss.

  1. Genehmigungsfähig: das geplante Himbeerfeld im Wollbacher Baugebiet „Niedere Hofrütte“. Foto: Markus Maier

KANDERN-WOLLBACH (cre/mm). Ein Himbeerfeld mitten im Wohngebiet? Möglich ist das schon, wenngleich es dazu einer Ausnahmegenehmigung für den Betreiber bedarf. Diese hat der Technische Ausschuss (TA) des Kanderner Gemeinderates am Donnerstag – wenngleich mit knapper Mehrheit – erteilt. Zuvor hatte am Dienstag der Wollbacher Ortschaftsrat das Vorhaben im Baugebiet "Niedere Hofrütte" mit acht Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen durchgewunken. Im achtköpfigen TA stimmten Johann Albrecht, Bernd Brohammer und Martin Greiner (bei vier Ja-Stimmen und einer Enthaltung) gegen den Antrag des Wollbacher Landwirtschaftsbetriebs Probst.

Wie Jens Probst dazu auf Anfrage der Badischen Zeitung am Freitag erläuterte, sei das besagte Grundstück an der Straße "Niedere Hofrütte" immer schon im Besitz des Familienbetriebs gewesen. Daran, die rund sechs Ar große Fläche zu bebauen, habe man zu keiner Zeit gedacht, zumal man schon seit langem dort Gemüse oder beispielsweise Erdbeeren anbaut. Neu sei nun lediglich, dass man einen Teil der Fläche für den Himbeeranbau in Töpfen mit einem nicht weiter genehmigungspflichtigen mobilen Witterungsschutz überziehen kann, der unter anderem auch die Pflanzen vor der Kirschessigfliege schützen soll. Ein weiterer Vorteil des Schutzes sei, dass man – übers Jahr gesehen – mit lediglich zwei schonenden Behandlungen auskommen könne – einmal gegen Pilz-, das andere Mal gegen Milbenbefall.

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In diesem Zusammenhang hatte ein Besucher der Ausschussitzung von der Verwaltung wissen wollen, wie man zum Einsatz von Pestizien stehe. Hierauf entgegnete Bürgermeister Christian Renkert, dass hier – bei etwaigen Verstößen – das Gesundheitsamt der richtige Ansprechpartner sei. Die Bedenken von Johann Albrecht, Martin Greiner und Bernd Brohammer richteten sich indes eher in eine andere Richtung. Sie befürchteten, dass die geplante Nutzung irgendwann einmal darauf hinauslaufen könnte, dass aus dem Regenschutz ein massives Gewächshaus werden könnte. Brohammer sprach sich zudem grundsätzlich gegen landwirtschaftliche Nutzungsformen im Wohngebiet aus. An den Bau eines Gewächshauses sei nicht gedacht, erläuterte Jens Probest am Tag nach der TA-Sitzung gegenüber der Badischen Zeitung. Denn der Witterungsschutz mit dem sogenannten Brühwiler Regendach sei eine durchaus adäquate und nicht zuletzt auch am Kaiserstuhl erprobte Alternative zum herkömmlichen Gewächshaus.

Ortsvorsteher Max Sütterlin betonte im Wollbacher Dorfparlament, dass es nur um die Nutzungsänderung gehe, nicht um baurechtliche Entscheidungen. Auch wenn das Grundstück in der Niederen Hofrütte in einem Wohngebiet liege, müsse eine gartenbauliche Nutzung möglich sein. Zudem sei es besser, ein derartiges Grundstück sinnvoll zu nutzen, als es brach liegen zu lassen, legte Sütterlin als TA-Mitglied nach. Seine Ortschaftsratskolegin Elisabeth Kurtenbach-Sepp allerdings sah das Vorhaben aufgrund seiner Lage in einem Wohngebiet kritisch. Sie befürchtete Auswirkungen infolge des Einsatzes von Spritzmitteln auf die Umgebung. Unterstützt wurde sie in ihrer Meinung von Franziska Serazio. Hans Rudolf Jakobi und Alexander van Linn hingegen waren der Meinung, dass das Spritzen der Büsche allein nicht ausschlaggebend sein könne. Schon früher sei dort Landwirtschaft unter Einsatz von Spritzmitteln betrieben worden – und das habe niemanden gestört, ergänzte van Linn. Werner Brugger äußerte sein Bedauern, dass das Grundstück nicht zur Wohnbebauung Verwendung finde.

Die Stadtverwaltung hatte gegenüber dem TA die Beschlussempfehlung gegeben, der beantragten Nutzung in der vorgelegten Form zuzustimmen. Dies zumal das Vorhaben zulässig und der Anspruch des Unternehmens zudem gerechtfertigt sei. Bürgermeister Renkert verwies in der TA-Sitzung zudem noch auf einen anderen Sachverhalt: "In diesem Gebiet ist keine Bebauungspflicht gegeben".

Autor: cre,mm