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08. August 2008
Als sogar der Dorfpfarrer zum engagierten Schatzgräber wurde
BZ-Serie: Der sagenhafte Schatz von Greifenweiler / Auf der Suche nach der versunkenen Stadt im Wollbachtal (Teil 1)
KANDERN-WOLLBACH. Vor 170 Jahren geschahen seltsame Dinge im Wollbachtal. Gerüchte über den Schatz eines versunkenen Klosters lösten eine wilde Schatzgräberei aus. Die Geldgier trieb die Schatzsucher zu den kuriosesten Ideen: Sie versetzten ein 13-jähriges Mädchen aus Egerten in einen Tiefschlaf. Von dem Mädchen hofften sie zu erfahren, wo sich der sagenumwobene Schatz von Greifenweiler befindet.
Heute ahnt der Spaziergänger, der durch das beschauliche Wollbachtal wandert, nichts mehr vom einstigen Goldfieber, dem sogar ein Pfarrer erlag. Die versunkene Stadt mit Namen Greifenweiler und ihr Schatz ruhen weiter im Dunkeln der Geschichte. Doch liegt nicht jeder Sage ein wahrer Kern zu Grunde?
Folgt man dem Planetenweg vom Waldparkplatz in Egerten aus, sind nach rund 1200 Metern die Gebiete mit den Flurnamen "Chilchhof", "Brandstatt" und "Griffenwiler" erreicht. Wohl jener Ort also, wo sich das untergegangene Greifenweiler und der Schatz befinden sollen.
Urkundlich belegt ist "Gryffenwyler" im Jahr 1394 mit "Schekkers hus, garten, matten und reben" , was bedeuten könnte, dass dieses "Gryffenwyler" damals noch bewohnt und bewirtschaftet wurde. Auch lässt der Name Weiler vermuten, dass es sich um mehrere Höfe gehandelt haben könnte. Im Jahr 1569 sind nur noch Garten und Matten verzeichnet. Seltsamerweise identifizierte Fürstabt Gerbert von St. Blasien in seiner Chronik 1783 den in der St. Denis-Urkunde von 767 neben Wollbach genannten Ort "Gotones vilare", den Weiler der Goten, mit Greifenweiler. Warum Gerbert diese Vermutung hegte, darüber lässt er uns im Dunkeln. Häufig ist von mündlichen Überlieferungen eines untergegangenen reichen Klosters die Rede. Angeblich wurden während des 30-Jährigen Krieges Schätze von St. Blasien nach Greifenweiler geschafft, was die Sage von einem reichen Kloster untermauert haben dürfte. Im "Lexikon des Großherzogtums Baden" wird vom Untergang des Dorfes beim großen Erdbeben am Lukastag 1356 berichtet. Ob sich darunter ein Kloster oder gar eine Abtei befunden hat, ist nicht zu erfahren.
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Fasziniert von der Sage machte sich der Wollbacher Pfarrer Ernst Wilhelm Hitzig, der von 1779 bis 1817 dort das Pfarramt ausübte, auf die Suche. In der Nähe von "Brandstatt" und "Chilchhof" befindet sich noch heute eine auffallende Baumgruppe – das so genannte "Geldhürstli" – wahrscheinlich wurde hier der Schatz vermutet. Hier dürfte Pfarrer Hitzig etliche Stunden grabend zugebracht haben. Fest steht, dass der Pfarrer 1816 schriftlich vermerkte, er habe Steine, Ruinen und Mauerreste von Gebäuden und einer Kirche zu Greifenweiler entdeckt. Vier Jahre zuvor, im Jahr 1812, will er Überreste einer Burg im Grünenberger Wald über Nebenau gefunden haben, die er dem ehemaligen Herrensitz der Edelfreien von Grünenberg zuordnete. Pfarrer Hitzig vermutete im übrigen auch, dass die Siedlung Egerten aus den Resten einer untergegangenen Stadt gebaut wurde, die sich von Nebenau im Tal aus hanghoch ausgedehnt habe.
Chronist Himmelheber bezeichnete diesen Ort als Ebenau. Genau diese Gegend suchte die russische Armee auf ihrem Marsch 1813, weil auf ihrer Generalstabskarte eine Stadt Ebenau verzeichnet war. Man kann sich die Gesichter der Russen nur allzu gut vorstellen, als sich die angebliche Stadt als kleines Dorf entpuppte.
In der nächsten Folge: Wie angebliche Urkunden über das Kloster eine ungeheuerliche Schatzsuche auslösten.
Autor: Birgit-Cathrin Duval
