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02. Februar 2012

Jäger brauchen nicht immer Erfolg

Auch ohne einen einzigen Abschuss gibt es bei der Wollbacher Drückjagd einiges zu erleben.

  1. Am Bienenhüsli bewirtete der Jagdherr Reinhard Blank (Mitte) die Jagdgesellschaft. Foto: Reinhard Cremer

KANDERN-WOLLBACH. Nicht jede Jagd ist von jagdlichem Erfolg gekrönt. Dennoch kann eine Jagd auch ohne das Erlegen von Wild erfolgreich sein. Das galt zumindest für die jüngste Drückjagd in Wollbach.

Zu der hatte Jagdpächter Reinhard Blank in sein Wollbacher Revier geladen. Freigegeben waren Sauen (Nach dem Motto "Jung vor alt"), Füchse und Rehkitze. Treffpunkt war am Baselblick. Fünf Jäger, eine Treiberin und zwei Hunde fanden sich pünktlich ein. Nachdem der Jagdherr die Jagdscheine kontrolliert und notiert hatte, stimmte man sich erst einmal mit Weckle und Kaffee auf die bevorstehenden Jagden ein. Anschließend wies Reinhard Blank den Jägern ihre Stände im Revier zu.

Bei einer Drückjagd nehmen die Jäger feste Plätze ("Stände" genannt) im Wald ein, während der oder die Treiber mit Hunden sich möglichst geräuschvoll durch das Unterholz bewegen, um das zu jagende Wild auf die Läufe zu bringen.

Da der Waldanteil des 700 Hektar großen Reviers immerhin stolze 150 Hektar beträgt, hatte der Jagdherr für den Vormittag zwei Jagden und für den Nachmittag noch einmal eine Jagd angesetzt.

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Nachdem die Jagdgesellschaft sich eingerichtet hatte, konnte die Treiberin zum vereinbarten Zeitpunkt mit ihrem Hund, einer Brandlbracke, starten. Mal nah, mal fern war der Laut des streifenden Hundes zu hören. Mit der Büchse auf den Knien wartete Blank an einer übersichtlichen Stelle im Wald auf den "Anlauf", wie es in er Fachsprache der Jäger heißt. Mal knackte es hier, mal da. Zwischendurch hämmerte ein Specht an einem Baumstamm; Krähen beschwerten sich lauthals über die ungebetenen Besucher. Unversehens hoppelte ein Langohr ohne große Eile in Schussweite am Stand vorbei. Doch er wusste wohl, dass das grüne, in diesem Fall mit roten Signaljacken und -westen bekleidete Aufgebot nicht ihm galt. Als nächster Gast erschien ein gut ausgestatteter Bock. Doch da für Böcke derzeit Schonzeit gilt, hatte auch hier der Finger am Abzug gerade zu bleiben. "Außerdem", so erklärte der Jäger flüsternd, "wird nur geschossen, wenn wir wirklich freies Schussfeld haben und kein Gesträuch die Kugel ablenken kann." Schließlich soll das Wild nicht waidwund geschossen, sondern mit einem sauberen Schuss erlegt werden. Das erspart dem Tier zum einen unnötiges Leid, zum anderen soll das Wildbret natürlich noch verwertbar sein.

Nachdem auch in der Umgebung kein Schuss gefallen war, wurde diese Jagd abgeblasen, wobei das Signal von den übrigen Jägern wiederholt und weitergegeben wurde. Damit galt: "Hahn in Ruh’", was bedeutete, dass nun kein Schuss mehr fallen durfte. Nach kurzer Lagebesprechung ging es weiter zu den nächsten Ständen. Zwischendurch kam die Sonne etwas hervor, Wild aber ließ sich zumindest an diesem Stand nicht blicken.

Bei der anschließenden Vesper am Grill mit allem, was der "Aser", des Jägers Rucksack, hergab, wurde Bericht erstattet. Auch die anderen Jäger hatten wohl Wild in Anblick bekommen, jedoch hatten auch sie die Finger gerade gelassen. Schwarzwild hatte sich gar nicht erst blicken lassen. Dennoch hatte es auf Wiesen und in den Reben die Spuren seines zumeist nächtlichen Treibens hinterlassen.

Ausdrücklich verwahrte der Jagdherr sich dagegen, als "Stammtischjäger" angesehen zu werden: "Auch wenn wir zum Teil schon über Jahrzehnte im Besitz eines Jagdscheines sind, bedeutet das nicht, dass wir uns nicht ständig fortbilden und den immer wieder geänderten Gesetzen anpassen müssen."

Auch die sich anschließende nachmittägliche, im Regen stattfindende Jagd, brachte zwar reichlich Wild in Anblick, jedoch blieb die Strecke am Abend leer. Dennoch, so das Fazit der Jagdteilnehmer, war es wieder ein interessanter und erlebnisreicher Tag in der Natur.

Autor: Reinhard Cremer