Regio-S-Bahn muss möglich bleiben

Ulrich Senf

Von Ulrich Senf

Fr, 19. Oktober 2012

Kandern

Rümminger Umfahrung darf nichts blockieren / Zwischen Binzen und Kandern gilt der Nahverkehr als gemeinsames Anliegen.

KANDERTAL. "Wir wollen den Ausbau des Nahverkehrs im Kandertal nicht blockieren", erklärte gestern Bürgermeisterin Daniela Meier auf Nachfrage der BZ – und befindet sich mit dieser Haltung ganz auf der Linie ihrer Amtskollegen zwischen Binzen und Kandern. Die jüngste Zuspitzung, die nach einer Erklärung des Verkehrsministeriums darauf hinausläuft, dass die Umfahrung Rümmingens die Regio-S-Bahn unmöglich machen würde, komme allerdings für Meier völlig überraschend.

"Wir waren an allen Planungen in Rümmingen beteiligt, und wussten auch, dass für einen neuen schienengleichen Übergang im Gegenzug ein anderer Übergang geschlossen werden muss. Davon, dass mit einer Rümminger Umfahrung die Regio-S-Bahn unterbleiben müsste, war aber nie die Rede. Bisher stand in Aussicht, dass die Planung zugelassen wird", erklärt Reiner Pach, Geschäftsführer des Zweckverbands Kandertalbahn den Stand der Diskussion aus seiner Sicht. Wie Meier wurde auch er von der neuen Einschätzung überrascht.

Über die Wendung, die die Frage der Rümminger Umfahrung genommen hat, wundert sich auch Wittlingens Bürgermeister Michael Herr. Dass gerade eine Landesbehörde, die angekündigt habe, den Nahverkehr zu fördern, die Kommunen vor diese Alternative stelle, sei für ihn nicht nachvollziehbar. Würde die Umfahrung am Ende die Regio-S-Bahn unmöglich machen, wäre deren Bau aber ein Fehler. "Wir müssen uns die Option offen halten", unterstreicht er, wobei Herr allerdings auch daran erinnert, dass sich die Verhältnisse bei der Beurteilung von Sachverhalten auch schon in der Vergangenheit immer wieder verändert hätten und er auch auf der Kandertalstrecke Möglichkeiten zur Verhandlung sieht. Totschlagargumente auf der einen oder anderen Seite könne er schon angesichts der vielen existierenden schienengleichen Übergänge nicht gelten lassen.

Verständnis für die Forderung der Rümminger Bürger hat grundsätzlich auch Bürgermeister Bernhard Winterhalter. Allerdings sei die Frage des Nahverkehrs eben eine, die das gesamte Kandertal angehe. Der Kanderner Gemeinderat werde sich daher zeitnah mit dem Thema beschäftigen und Stellung beziehen. Klar sei dabei aus seiner Sicht jetzt schon, dass Kandern keiner Variante der Rümminger Umfahrung gutheißen könne, die die Möglichkeiten der Regio-S-Bahn dauerhaft verbaue. Eine entsprechende Stellungnahme habe er auch bereits an die Landrätin und in Richtung des Regierungspräsidiums abgeschickt.

Keinesfalls gegeneinander ausspielen lassen, sollten sich die Gemeinden im Kandertal über der Frage der Rümminger Umfahrung und des Nahverkehrs, empfiehlt Binzens neuer Bürgermeister Andreas Schneucker. Ziel müsse es vielmehr sein, beides zu verbinden – zumal seines Erachtens auch Binzen von einer Umfahrung und einer entsprechend bequemen Zufahrt zur Autobahn profitieren würde. Er könne die Argumentation der Freien Wähler und der CDU im Umweltausschuss des Kreistags nachvollziehen, die darauf setzen, dass die vom Ministerium in Aussicht gestellte Ausnahmegenehmigung die Verbindung beider Forderungen möglich macht.

Dem widerspricht allerdings der in Kandern wohnende Landtagsabgeordnete der Grünen Josha Frey. Als "egoistische Planung", die die "S-Bahn-Pläne torpediert", bezeichnet er die Rümminger Umfahrung. Seines Erachtens sei die Gesetzeslage eindeutig, das Landratsamt traue sich aber nicht, "klar und deutlich darauf hinzuweisen". Im Übrigen sei der Bau der Umfahrung wegen des geringen Kosten-Nutzen-Effekts "mindestens in den nächsten acht Jahren völlig ausgeschlossen", erklärt er.