Verbinden, was zusammen gehört

Reinhard Cremer

Von Reinhard Cremer

Sa, 08. September 2018

Kandern

Peter Völker hat sich zum Ziel gesetzt, Kandern und Sacramento zu Partnerstädten zu machen / Andenken an August Sutter.

KANDERN (cre). In ihrer Sommerserie berichtet die BZ über Leute von hier, die sich beruflich oder privat auf Dauer oder vorübergehend im Ausland aufhalten. Zwei- bis dreimal im Jahr fliegt der Kanderner Peter Völker nach Sacramento im US-Bundesstaat Kalifornien. Sein Ziel: die Verwirklichung einer Städtepartnerschaft zwischen Kandern und Sacramento.

Warum gerade Sacramento? Die Antwort liegt fast schon auf der Hand, wenn man sich Völkers Wohnadresse in Kandern anschaut: die Johann-August-Sutter-Straße. Dieser im Jahre 1803 in Kandern geborene Sutter war es, der 1834 den Entschluss fasste, in die Neue Welt auszuwandern. Fuß fasste er 1839 letztendlich im Tal des Sacramento Rivers in Kalifornien und war dort maßgeblich verantwortlich für die Gründung der Stadt Sacramento.

Nachdem Völker sich mit der Lebensgeschichte Sutters befasst hatte, war es für den gebürtigen Berliner, der Jugend und Berufsleben in Hamburg verbracht hat, klar, dass Sutters alte und neue Heimaten zu Partnern – oder wie es im Englischen heißt: zu "sister-cities" – werden müssen. Obwohl Peter Völker mit seiner Frau Friederike erst im Jahre 2001 ein Haus in Kandern erwarb, war es für ihn selbstverständlich, sich hier im Gemeinwesen zu engagieren – was er etwa als Präsident des hiesigen Lion Clubs tat.

Im Alter von 50 Jahren hatte Völker seine Anteile an einem von ihm gegründeten Logistik-Unternehmen in Hamburg verkauft. Doch war Ruhestand nicht sein Ding. Er suchte neue Herausforderungen. Zunächst hatte Florida als Altersruhesitz zur Debatte gestanden. Aber dann entschied sich das Ehepaar dazu, in Deutschland zu bleiben. Nur warm sollte es sein. So wurde man in Kandern fündig. Und mit dem Umzug nach Kandern in die Johann-August-Sutter-Straße fand Völker auch seine neue Herausforderung.

Doch wie sollte er seine Idee von einer Städtepartnerschaft verwirklichen? Da er vor zehn Jahren in Amerika eine Fluglizenz erworben hatte, plante er, mit einem eigenen Flugzeug einmal rund um die Welt nach Sacramento zu fliegen. Über Russland sollte es von St. Petersburg nach Anadyr und von dort über die Beringstraße in die USA zurückgehen. Doch leider fand das Unterfangen bereits in Tallinn sein Ende – und damit auch der Werbefeldzug für die Städtepartnerschaft.

Zuvor hatte Völker erstmals mit einem Lions Club namens "Fort Sutter" in Sacramento Kontakt aufgenommen: "Ich habe ein Projekt, das ich unbedingt mit Euch besprechen will." Die Amerikaner fanden die Idee toll, doch Sacramentos Bürgermeister winkte ab: "No money – no interest!" Das schreckte Völker aber nicht ab: "Ich kenne das aus Kandern. Immer gibt es erst mal Widerspruch." Widerstand aber ist dazu da, überwunden zu werden, lautet eine der Lebensweisheiten Völkers. Bereits 2008 war Kanderns Altbürgermeister mit seiner Idee einer Partnerschaft an fehlender Unterstützung gescheitert.

Da der Flug über Russland nicht genehmigt worden war, entschloss Völker sich ein Jahr später, mit einer geliehenen Cessna von seiner "zweiten Heimat Florida" aus nach Sacramento zu fliegen.

Begleitet wurde er dabei von Mirko Sylla, einem deutschen Flugschüler, als Co-Pilot. Dieser Flug und der Besuch bei dem Club "Fort Sutter" fand großes Echo in der örtlichen Presse. In einem Zeitungsartikel in Kalifornien wurde hierüber unter der Überschrift "Die Reise eines Mannes, um Sutters Heimatstadt zu einer Partnerstadt Sacramentos zu machen" berichtet.

Voraussetzung für eine Partnerschaft ist allerdings ein Förderverein auf beiden Seiten. Der Verein auf Kanderner Seite führt den Namen "Förderverein Städtepartnerschaft Kandern/Sacramento". Bürgermeister Christian Renkert gehört zu den Gründungsmitgliedern. Auch in Sacramento besteht bereits ein solcher Förderverein.

Unabhängig davon soll mit dem Abschluss einer Partnerschaft "auf höherer politischer Ebene" in Kürze der durch Johann-August-Sutter untrennbaren Geschichte zwischen Kalifornien und Baden-Württemberg Rechnung getragen werden. Dem Vernehmen nach soll dies bereits Mitte dieses Monats der Fall sein, wenn Winfried Kretschmann sich nach seiner Teilnahme an einer internationalen Konferenz in San Francisco mit Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown trifft.

Peter Völker reist zur selben Zeit wie Kretschmann wieder nach Kalifornien. Dort wird er Sacramentos Bürgermeister Darrell Steinberg eine Einladung von Bürgermeister Renkert nach Kandern überbringen. Aber auch privat wird Völker weiterhin jede Gelegenheit nutzen, Kalifornien und Florida Besuche abzustatten.