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15. August 2017 12:18 Uhr

Obst

Wegen Frostschäden: Äpfel werden bis zu 18 Prozent teurer

Der Spätfrost im April wirft seinen Schatten: Beim Kernobst rechnen Obstbauern in Kandern mit bis zu 80 Prozent Ernteausfall. Die Folge: Äpfel werden wohl teurer werden.

  1. Beim Kernobst rechnet Karlfrieder Fischer (rechts) mit bis zu 80 Prozent Ernteausfall. Wesentlich besser sieht es in den Reben von Markus Ernst (links) aus. Foto: Reinhard Cremer

KANDERN-WOLLBACH/WITTLINGEN. Je nach Lage und Standort hat der Spätfrost im April das Obst und die Reben unterschiedlich geschädigt. Davon konnten sich die Besucher des Rüttehofs jetzt überzeugen. Bei einem Rundgang durch die Apfelplantage und durch die Reben erläuterten und demonstrierten Obstbauer Karlfrieder Fischer und Winzer Markus Ernst die Auswirkungen des Frostes.

Oberflächlich betrachtet hat der Besucher den Eindruck, als hingen die Bäume voller Äpfel und die Reben voller Trauben. Erst bei näherem Hinsehen werden die teils katastrophalen Lücken deutlich. "Wir rechnen beim Kernobst mit bis zu 80 Prozent Ernteausfall", klärte Plantagenbesitzer Fischer auf. Obwohl der Standort in Wollbach beste Voraussetzungen biete, sei der Schaden immens. Bis zu einer Höhe von einem Meter seien die Apfelblüten, die in diesem Jahr statt im Mai bereits im April aufgebrochen waren, erfroren. Demzufolge konnten auch keine Früchte ausgebildet werden. Oberhalb dessen bieten die niedrig gezogenen Plantagenbäume mit den reifenden Äpfeln jedoch ein Bild, als sei nichts geschehen. Die Sorte Delbarestivale sei jetzt bereits erntereif, in einer Woche folge Elstar, sagte Fischer. Insgesamt liege die Reife 14 Tage vor dem langjährigen Mittel.

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Frostschäden im Weinbau zeigen sich erst im Folgejahr

Wesentlich zufriedener zeigte sich der Wittlinger Winzer Markus Ernst. Seine zwischen Wittlingen und Wollbach stehenden Reben hätten den Frost wesentlich besser überstanden. Er rechne hier mit einem Maximalausfall von rund 15 Prozent. Anders sehe es in Fischingen oder Ötlingen, wo er auch noch Weinanbau betreibe, aus. In Ötlingen sei mit bis zu 80 Prozent Ausfall zu rechnen. Im Betriebsschnitt betrage der Ausfall jedoch nicht mehr als 30 Prozent und sei daher "als erträglich" zu bezeichnen.

Ernst wies darauf hin, dass sich die Schäden im Weinbau erst im Folgejahr zeigen. Schon jetzt weisen die Reben einen verstärkten Austrieb auf, der teilweise mit nachgewachsenen und kümmerlichen Trauben besetzt ist. "Das wird uns eine erhebliche Mehrarbeit bei den Pflegemaßnahmen bescheren", so Ernst. Der Ausfall sei über einen höheren Weinpreis, zumindest in der erforderlichen Höhe, nicht wieder herein zu holen. Ernst selber versucht, den finanziellen Verlust aus eigener Kraft durch Veranstaltungen auf seinem Weingut aufzufangen.

Steuerfreiheit für Rücklagen?

Fischer rechnete mit einer Preissteigerung bei den Äpfeln mit 15 bis 18 Prozent, so dass die Verbraucher bis zu 30 Cent pro Kilo mehr bezahlen müssen. Fischer hat aber auch seine zehn rumänischen Saisonarbeitskräfte im Blick. Die könne und wolle er nach den nunmehr verkürzten Erntetagen nicht sofort wieder nach Hause schicken. In der Zeit, die sie bei ihm tätig sind, verdienten sie etwa ein ganzes Jahresgehalt im Vergleich mit dem Lohn in ihrer Heimat. Um sie zu beschäftigen, werden sie auf dem Rüttehof auch für Renovierungsarbeiten eingesetzt. Eine Möglichkeit, Ausfällen wie in diesem Jahr, finanziell vorzubeugen, sei es, dass die Betriebe einen bestimmten Betrag steuerfrei zurücklegen könnten. Derzeit greife das Finanzamt, bedauerten Fischer und Ernst, "noch voll auf jeden Cent, der in die Rücklage fließt, zu". Aber in der Politik gebe es Bestrebungen, für diese Rücklagen, bis sie eingesetzt würden, Steuerfreiheit zu erreichen.

Viel ausrichten gegen solche Naturereignisse könne man indes nicht, so Fischer und Ernst. Indes kämen Schäden dieser Art sehr selten vor. Der letzte Frost dieses Kalibers war 1991 zu verzeichnen.

Autor: Reinhard Cremer