Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

09. November 2010

Das Projekt Keltengrab liegt auf Eis

Die Eigentümerin will das benötige Grundstück nicht verkaufen oder tauschen / Bürgermeister Jochen Paleit ist enttäuscht .

  1. So könnte das Keltengrab ausgesehen haben. Eine Rekonstruktion an der Fundstelle in Kappel scheitert aber bisher an der Grundstückseigentümerin. Foto: Repro: Hagen Späth

KAPPEL-GRAFENHAUSEN. Bei seinen Bemühungen, das Stück Land in Kappel zu erwerben, auf dem einstmals das keltische Fürstengrab angelegt worden war, beißt Bürgermeister Jochen Paleit auf Granit. Die Grundstückseigentümerin will weder verkaufen noch das Land tauschen. "Das Projekt liegt auf Eis", sagt auf Nachfrage der Badischen Zeitung der enttäuschte Bürgermeister.

Jochen Paleit hätte auf dem Grundstück südlich des Ellenbogenwaldes gerne eine maßstabsgetreue Rekonstruktion des Hügelgrabes errichtet, begehbar und mit Infotafeln zur Erklärung bestückt (die BZ berichtete am 10. April). Der Bürgermeister weiß, dass die Grabstätte mit ihren Beigaben, die heute im Colombischlössle in Freiburg ausgestellt sind, zu den wertvollsten keltischen Fundstätten in ganz Mitteleuropa gehört. Jetzt gebe es noch die Möglichkeit und die Chance, die Grabstätte mit der Hilfe und der Beratung ihres Entdeckers Josef Naudascher einzurichten. Der hoch betagte Hobbyarchäologe könnte noch sein ganzes Wissen bei der Einrichtung des fünf Meter hohen Hügelgrabes einbringen. Ob dies in ein paar Jahren noch der Fall sein wird, weiß heute niemand zu sagen.

Werbung


Es war Josef Naudascher – vielen bekannt als Heimatforscher und treibende Kraft des Mahlberger Tabakmuseums –, der das Grab 1976 entdeckt hatte nach vielen Jahren des Forschens und Suchens. Nachdem bereits im Jahr 1880 ein erstes und 1973 dann ein zweites Grab – Letzteres auch von Naudascher – entdeckt worden war, war der Fund des dritten Fürstengrabs für ihn die Bestätigung dessen, was er schon lange vermutete: Dass es sich bei den keltischen Fürstengräbern von Kappel um eine ganz außerordentliche archäologische Besonderheit handelt. "Eine Nekropole" mit 30 bis 40 Bestattungen, wie er sagt, also eine Art Begräbnishalle der Regierenden jener Zeit vor 2600 Jahren in unserer Region.

Dass das Grab an dieser Stelle nicht rekonstruiert werden kann, weil die Gemeinde das Grundstück nicht bekommt, findet Naudascher "jammerschade". Auch er hat der Grundstückseigentümerin schon einen Brief geschrieben. Ohne Erfolg: "Sie lässt sich nicht erweichen." Das Grab versetzen und ein paar Meter weiter errichten? "Das geht nicht", sagt Naudascher. "Die drei Gräber liegen alle genau auf einer Linie in West-Ost-Richtung, genau auf das Schloss Mahlberg ausgerichtet."

Dieser Argumentation will sich auch Bürgermeister Paleit nicht verschließen. Aus den genannten Gründen sei die Rekonstruktion des Fürstengrabes nur an dieser Stelle möglich, "genau da und nicht zehn Meter weiter rechts oder links". Dafür komme nur dieses eine Grundstück in Frage und deshalb habe er mehrmals verhandelt, auch einen Tausch hochwertigen Ackerlandes oder die Erbpacht angeboten. Alles ohne Erfolg. Inzwischen sei der Kontakt abgebrochen, nach mehreren Einladungen und Briefen habe er keine Rückmeldung mehr erhalten.

Autor: Hagen Späth