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17. Februar 2017 14:57 Uhr

Das Tor in den Polder Elzmündung

Das Einlassbauwerk nahe der Rheinfähre Kappel/Rhinau ist das Herzstück des Polders Elzmündung. Noch in diesem Jahr soll es fertig sein. Ein Besuch auf der Baustelle.

  1. Noch eine Computeranimation, das Einlassbauwerk Polder Elz. Foto: FOTOMONTAGE: ARCHITEKTURBÜRO HESS-VOLK/QUELLE: REGIERUNGSPRÄSIDIUM

  2. Der Polderbeirat an der Baustelle Foto: Olaf Michel

  3. Foto: Olaf Michel

KAPPEL-GRAFENHAUSEN. Wenn sich einmal die Schützen öffnen, dann werden 75 Kubikmeter Wasser pro Sekunden über zwei Betonrinnen durch den Rheindamm schießen und sich in der Überflutungsfläche verteilen. Über dieses sogenannte Einlassbauwerk nahe der Anlegestelle der Fähre Rhinau wird im Hochwasserfall das Rheinwasser in den Polder Elzmündung eingelassen. 5,3 Millionen Kubikmeter Wasser kann er fassen, verteilt auf einer Fläche von 469 Hektar rechts des Rheines zwischen Kappel und Nonnenweier.

Das Bauwerk selbst steht auf Gemarkung Rhinau, weshalb bei der Baustellenbesichtigung mit Projektleiter Harald Klumpp vom Regierungspräsidium, Polderbeirat und Medienvertretern auch Vertreter aus Rhinau gekommen waren. Das letzte Treffen dieses Gremiums – dem Polderbeirat gehören neben Kommunalpolitikern aus Kappel-Grafenhausen und Vertrete der BI Trockene Keller auch Landwirte, Förster, Jäger und Fischer an – war schon ein paar Tage her. Im November 2015, ein paar Monate nach dem Spatenstich für das Einlassbauwerk, wurden Ausgleichsmaßnahmen zwischen Kappel und Nonnenweier besichtigt.

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Am Donnerstag lag der Fokus ganz auf dem Einlassbauwerk, dessen erster Bauabschnitt bis Ende des Jahres fertiggestellt sein soll. Dann wird übrigens auch der Radweg entlang des Rheindamms wieder freigegeben. Welcher Aufwand notwendig wurde, um die beiden Durchlassrinnen zu betonieren, erläuterte vor Ort Bauingenieurin Andrea Rosenfelder. Bevor es mit dem Bau überhaupt losgehen konnte, war der Kampfmittelräumungsdienst vor Ort. Hochexplosives wurde zwar nicht gefunden, aber einige Handgranaten, Stacheldraht, Munition und drei Panzerfäuste der einstigen deutschen Verteidigungslinie wurden auf dem Baugelände rund 150 Meter nördlich des Fähranlegers von den Experten freigelegt und "entsorgt".

Holzbalken im Erdreich verzögerten den Bau

Die kleinen Hindernisse am Bau hatten damit allerdings noch kein Ende. Als die Spundwand in der Dammmitte auf der Länge des Baukörpers eingebracht wurde, mit ihr soll während der Bauphase die Dammsicherheit gewährleistet bleiben und ein Dammbruch verhindert werden, konnten einige Pfähle nicht tiefer als neun Meter ins Erdreich gerammt werden. Holzbalken, die seit Jahrhunderten unentdeckt tief unten lagerten und bestens konserviert waren, versperrten den Weg in die Tiefe. Die Konsequenz: Die Spundwand musste um einige Meter rheinwärts verrückt werden. Erst dann wurde ausgehoben, verschalt, das dann frei gelegt Holz gehoben, mehr als 60 Anker und Pfähle zur Stabilisierung von Betonwänden und Fundamenten gesetzt, damit die Bauteile einmal dem Druck der Wassermassen standhalten. An die 100 LKW-Ladungen Beton wurden dafür herangekarrt. Um die Bodenplatte des Einlassbauwerkers zu betonieren, wurde sogar mit Tauchern unter Wasser gearbeitet. Im Bauwerk integriert ist auch eine Fischtreppe, über die bei geflutetem Polder die Fische stromaufwärts wieder in den Rhein gelangen können.

Zur Anlage zählt nicht nur der Betonbau mit den Schützen, die einmal bei Hochwasser und bei den sogenannten ökologischen Flutungen "die Türen" zum Polder sein werden, sondern auf der Landseite auch ein sogenannter Kolksee unterhalb des Einlassbauwerks. In ihm wird die hohe Strömungsenergie, die bei einströmendem Wasser entsteht, gewissermaßen "entschärft". Wellenbrechern gleich werden Betonteile und Steinburgen die Fluten brechen, wodurch Erosionsschäden im Polder vermieden werden.

Baubeginn der Brunnenim Ort im Sommer

Zum Komplex gehört auch eine Steuereinheit vor Ort, die auch im Handbetrieb bedient werden kann. Gesteuert werden die Einlass und Auslassbauwerke des Elz-Polders und nahegelegene nördlich davon von einer zentralen Steuerreinheit am Hauptwehr Gerstheim. Die Energie zum Bewegen der Mechanik am Bauwerk wird übrigens nicht über Turbinen vor Ort gewonnen (Projektleiter Harald Klumpp: "Nicht effizient und nicht wirtschaftlich") sondern über eine normale Stromversorgung von Kappel aus.

Parallel zum Projekt Einlassbauwerk wird sei Juni Hochwasserdamm VI, der alte Tulla-Damm, saniert. Dabei wurden beispielsweise acht Bunkeranlagen zwischen der L 103 (Straße von Kappel zur Fähre Rhinau) unter Wittenweier neu gesichert. Saniert und verdichtet wird derzeit auch der Dammverteidigungsweg. Im Hochwasserfall garantiert er die ständige Kontrolle des Rheindamms. Bis Mitte des Jahres soll diese Ertüchtigung abgeschlossen sein.

Noch in diesem Sommer, so der verantwortliche Ingenieur Philipp Schäfer, werde mit den Schutzbauten im Ort Kappel begonnen. Stichworte: Brunnengalerie, Einlassbauwerk in die Elz. Bis Ende 2018 soll diese Arbeiten abgeschlossen sein.

Autor: Klaus Fischer