Ein Ort, an dem die Trauer ein Ende hat

Erika Sieberts

Von Erika Sieberts

Di, 07. November 2017

Kappel-Grafenhausen

Bei "Lyrix@Church" ist der Song "Tears in Heaven" analysiert worden / 150 Besucher in der Kirche St. Cyprian und Justina in Kappel.

KAPPEL-GRAFENHAUSEN. Die Ballade "Tears in Heaven" von Eric Clapton stand am Sonntagabend im Mittelpunkt des Wortgottesdienstes in der Kirche St. Cyprian und Justina im Ortsteil Kappel. Einen bekannten Rocksong anhören, den Text auf sich wirken lassen, eine Brücke zur Heiligen Schrift schlagen und ein gemeinsames Gebet, das ist die Reihe "Lyrix@Church", auf Deutsch: Liedtexte in der Kirche. Dieses Format bietet die Seelsorgeeinheit Rust mit den Gemeinden Ringsheim und Kappel-Grafenhausen an. Elisabeth Henn, Andreas Bachmann und Alexander Sandhaas vom Pfarrgemeinderat Kappel und Rust sowie der Gospelchor aus Rheinhausen haben den Gottesdienst gestaltet.

Die Kirche war am Sonntagabend mit etwa 150 Besuchern gut gefüllt. Im Altarraum hatten sich die Gospel Singers aufgestellt und präsentierten die melancholische Ballade von Eric Clapton "Tears in Heaven". Der 1945 in England geborene Ausnahmegitarrist hat den Song 1992 veröffentlicht, in dem er die Trauer um seinen Sohn verarbeitete. Dieser war mit vier Jahren aus dem 53. Stock eines Hochhauses in New York City gefallen. Clapton fragt, wie es wäre, wenn sie sich im Himmel sehen würden und ermahnt sich selbst immer wieder, hier zu bleiben und durchzuhalten, weil seine Zeit noch nicht gekommen sei.

Nach Gesang und Übersetzung gab Lektorin Elisabeth Henn Gedanken zum Thema Trauer und Tod. Jeder ändere sich im Lauf seines Lebens, so auch mit dem Tod von geliebten Menschen. Eric Clapton ermahne sich selbst weiterzuleben und stelle Fragen, die alle Trauernde bewegten, sagte Elisabeth Henn. Alle trage der Wunsch, es möge einen Ort geben, wo die Trauer ein Ende hat, den Himmel, wo es keine Tränen gibt. "Aber auf Erden ist weinen wichtig", sagte die Lektorin. "Tränen können etwas lösen. Der Schmerz fließt mit ihnen heraus." Die Aussicht, sich im Himmel wieder zu sehen, sei etwas tröstliches. Dabei sei das englische "heaven" nicht nur der Himmel, sondern der Ort, wo die Seelen ihre Heimat haben.

Alexander Sandhaas stellte Claptons Songtext eine Stelle aus Paulus’ erstem Brief an die Korinther gegenüber. Dort vergleiche Paulus das Sterben und Auferstehen mit der Saat und dem Aufkeimen von Samen. Das Leben auf Erden sei armselig, das im Himmel erfüllt. Was hier noch schwach sei, werde im Jenseits kraftvoll. Nach diesen Worten standen alle auf und beteten das Vaterunser, und nach einem weiteren besinnlichen Gospel-Beitrag verabschiedeten sich die Besucher nach einer Stunde Besinnung in den Abend.

Die Reihe "Lyrix@Church" geht weiter am 14. Januar, wieder um 19 Uhr in der Pfarrkirche St. Cyprian und Justina. Die Gospel Singers geben ein eigenes, abendfüllendes Konzert in der Kirche St. Cyprian und Justina am Samstag, 11. November, 19 Uhr.