Kurzweilig, informativ, gesellig

Klaus Fischer

Von Klaus Fischer

Sa, 13. Januar 2018

Kappel-Grafenhausen

Neujahrsempfang der Gemeinde Kappel-Grafenhausen mit lockerer Gesprächsrunde und einem Vortrag von Bettina Saier.

KAPPEL-GRAFENHAUSEN. Eine knapp gehaltene Rückschau auf 2017 des Bürgermeisters, eine Gesprächsrunde mit Vertretern von Versorgungs- und Entsorgungsdienstleistern und ein Gastvortrag mit beeindruckenden Naturbildern aus Kanada, das Ganze garniert mit Musik vom Saxophon-Sextett der Musikkapelle Grafenhausen – dann war er auch schon rum, der kurzweilige Neujahrsempfang der Gemeinde Kappel-Grafenhausen. Danach hat die Gemeinde zu einem Umtrunk mit Gebäck eingeladen, den die Bürgerinnen und Bürger in der voll besetzten Festhalle in Grafenhausen zu angeregten Gesprächen nutzten.

Der von Bürgermeister Jochen Paleit gestaltete Teil des Neujahrsempfangs war auf Kontraste angelegt. So erinnerte er mit einem auf eine Leinwand projizierten Stich und zur Schau gestellten eisernen Kanonenkugeln und Musketengeschossen – alles Fundstücke auf Gemarkung Kappel – an die Schlacht bei Wittenweier (1638) vor den Toren Kappels während des 30-jährigen Krieges, um diesem Blick in die Vergangenheit sogleich die Powerpoint-Präsentation von Telekom-Manager Christopher Beußel zur anstehenden Versorgung mit schnellem Internet folgen zu lassen. Auf eine von ihm angesprochene und um die Jahreswende öffentlich gemachte Studie zur Gemütslage der Deutschen, die zwar im Überfluss lebten und dennoch unzufrieden mit ihrer Lebenssituation seien, ließ der Kappeler Rathauschef die Feststellung folgen: "Uns geht es gut. Wir bauen an der Zukunft und können es uns leisten, die Gemeinde nachhaltig für kommende Aufgaben fit zu machen".

Letzteres untermauerte er mit Beispielen entscheidender Weichenstellungen für eine verbesserte Infrastruktur und mehr Lebensqualität im vergangenen Jahr. Paleit nannte den Umbau eines Teiles der Taubergießenschule zum Kindergarten, den Beschluss zum Neubau eines weiteren Kindergartens, die Erweiterung der Gemeinschaftsschule für den Ganztagesbetrieb in einer Größenordnung von 1,8 Millionen Euro oder das gut gefüllte Ökopunktekonto.

Naturschutzprojekt ist auch Geschäftsmodell

Letzteres sei ein Ergebnis des Naturschutzprojektes Wilde Weiden, durch das die Gemeinde 5,6 Millionen Ökopunkte buchen durfte. 130 000 Punkte davon für ebenso viele Euro hat sie gerade dem Land zum Ausgleich für durch Bauprojekte des Landes neu versiegelte Flächen verkaufen können. Paleit: "So wird unser Naturschutzprojekt sogar zu einem Geschäftsmodell".

Noch mehr Informationen zur Verbesserung der Infrastruktur gab es dann in einer Talkrunde mit "Versorgern" und "Entsorgern". Zwei Aussagen ließen die rund 250 Gäste ganz besonders aufmerksam zuhören. Im Dialog mit Bürgermeister Paleit versprach Telekom-Manager Christopher Beußel schon bis zum März 2019 die Doppel-Gemeinde mit schnellem Internet versorgt zu haben. Noch in diesem Frühjahr werde das Kommunikationsunternehmen mit dem Bau der Versorgung mit Glasfaserkabel beginnen. Das Glasfaserkabel werde parallel zum bestehenden Kupferkabel verlegt und die Gemeinde einem Spinnenetz gleich überdecken. An mehreren Stellen in der Gemeinde würden Anschlusspunkte hergestellt, von wo aus dann die Haushalte versorgt werden könnten.

Auch die Dauerbaustelle Grafenhausener Hauptstraße werde bis Ende des Frühjahrs Geschichte sein, nach dann dreieinhalbjähriger Bauzeit, erklärte Ralph Leibold vom Freiburger Ingenieurbüro Unger, das die Projektleitung hatte. Vier Kilometer Trinkwasserleitungen und einige Hundert Meter Kanalisationsleitungen seien dann erneuert worden. Über letztere werden die Abwasser zum Klärwerk transportiert, dessen Kapazität im vergangenen Jahr um ein viertes Klärbecken erweitert und dessen Technik auf den modernen Stand gebracht worden war, erläuterte Betriebsleiter Manfred Vogt. 6,5 Millionen Euro hat der Abwasserzweckverband, zu dem auch die Gemeinde Kappel-Grafenhausen zählt, in das Projekt bisher investiert, noch einmal zwei Millionen steckt der Verband in diesem Jahr in die Modernisierung der Technik.

Nach so viel Information aus der Talkrunde ließ Bettina Saier beeindruckende Naturbilder sprechen. Erst seit wenigen Tagen ist die 49-jährige Biologin Geschäftsführerin für das Naturschutzgebiet Taubergießen. Fast zehn Jahre hat sie im Naturschutz für den World Wide Fund for Nature (WWF) in Kanada gearbeitet und geforscht.

Saier nutzte den Neujahrsempfang, um sich den Kappelern und Grafenhausenern vorzustellen und nahm diese mit auf eine Bilderreise an die kanadische West- und Ostküste, wo die gebürtige Freiburgerin und promovierte Meeresbiologin nicht nur das Leben der Wale erforschte, sondern auch das Lebensumfeld der Ureinwohner, von Fischern und herrliche Landschaften für sich erschloss – und die Besucher des Neujahrsempfangs in Wort und Bild teilhaben ließ.