Urwälder von morgen

Wanderung Taubergießen

Silke Kohlmann

Von Silke Kohlmann

Fr, 07. September 2018

Kappel-Grafenhausen

War da was? Da war doch was! Familienwanderung durch die Auen des Taubergießens .

"Da vorne! Da bewegt sich was im Gras!" Wir zügeln unseren Schritt. "Wo?" Wir treten nur noch behutsam auf. "Ja, stimmt!" Im Nu haben sich die sechs Kinder unserer Wandergruppe um das kleine Lebewesen versammelt. "Vorsicht! Ihr dürft sie nicht erschrecken!" Was die Kinder im hohen Gras erspäht haben, ist eine grasgrüne Zauneidechse. Abwartend duckt sie sich unter ein paar Blättern, rennt auf kleinen Füßchen ein paar hastige Schritte vorwärts, hält nochmal inne – und verschwindet spurlos in der Orchideenwiese.

Wir sind unterwegs in der Wiesenlandschaft "Im G’schleder" im Naturschutzgebiet Taubergießen – bekannt unter anderem für ihre Orchideenvielfalt. Schmetterlinge tanzen über die Gräser. Wie bunte Farbtupfen verteilen sich die Blüten in Lila und Gelb im Grün der Wiese. Wegen dieses Tier- und Pflanzenreichtums wird der Wanderer eindringlich darum gebeten, die Wiesen nicht zu betreten. Schon am Taubergießen-Waldparkplatz, unserem Startpunkt, warnten die ersten Schilder. Nun also sind wir mittendrin in der Auenlandschaft. Nachdem wir die Wiese hinter uns gelassen haben, überqueren wir den Hochwasserdamm und befinden uns im Auenwald. Zwischen den Bäumen erspähen wir immer wieder Tümpel, bis wir einen Rheinarm erreichen, über den ein gepflasterter Damm führt. Zwei Röhren leiten das Wasser unter unseren Füßen hindurch.

"Da können wir Stöcke durchschwimmen lassen." Felix (8) und Marie (7) sind sofort Feuer und Flamme. Die Strömung ist so stark, dass die Kinder eine Riesenfreude haben, alle möglichen Fundstücke zu Booten zu erklären und durch die Röhren zu schicken. Holzstücke, Rinden, Blätter: Was schwimmt am besten? Währenddessen tanzen blaue Libellen um unsere Köpfe. Nach einem kleinen Picknick an diesem luftigen Plätzchen tauchen wir wieder ein in den Auenwald. Feucht und schwer ist die Luft in der Sommerhitze, Mückenschutz haben wir zum Glück im Gepäck.

Der Weg führt uns auf den ehemaligen Baggersee Rhinau zu, wir halten uns links und erreichen die Herrenkopfbrücke, von der aus wir einen wunderschönen Blick auf das offene Wasser haben. Haubentaucher ziehen ihre Bahnen. Altholz wirft bizarre Schatten auf das Wasser. Malerisch neigen sich die Bäume über die spiegelnde Fläche. Wir sind mitten im Naturwaldreservat – den "Urwäldern von morgen". Das Gebiet darf außerhalb der Wege nicht betreten werden, Wissenschaftler untersuchen dort, wie sich die Landschaft ohne menschlichen Einfluss entwickelt.

Wir folgen dem Kormoranweg Richtung Rhein, wandern stromaufwärts nach Süden. Der Kormoranweg soll links abbiegen. Wir suchen und suchen, finden schließlich einen schmalen Weg, der uns... leider nur zu einer verfallenen Brücke führt. Pech gehabt. Wir drehen um und wandern unseren ursprünglichen Weg zurück. In der Mittagshitze sind wir froh um jeden Meter, den wir im Schatten laufen können. Aber die Abkühlung naht: An der Saukopfbrücke sind schon die ersten Schwimmer im Wasser.

Weitere Infos: Die Wanderung: Startpunkt Taubergießen-Waldparkplatz. Von dort geht es über die Saukopfbrücke durch die Wiesenlandschaft "Im G’schleder". Man überquert den Hochwasserdamm, wandert bis zur Herrenkopfbrücke und folgt der Ausschilderung Kormoranweg. Der Rückweg erfolgt über dieselbe Strecke.
Reine Laufzeit: 3 Stunden,
etwa 7 km
Anfahrt: Durch Kappel in Richtung Taubergießen fahren. Links abbiegen Richtung Waldparkplatz.