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21. Januar 2009
Zaun schützt vor Kindern
Anwohner eines Spielplatzes zwingt wegen Lärm und Müll Gemeinde zum Bau eines Zaunes.
KAPPEL-GRAFENHAUSEN. Der Kinderspielplatz im Ortsteil Grafenhausen gegenüber der Ferdinand-Ruska-Schule wird eingezäunt. Das hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Montagabend im Rathaus Kappel bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung beschlossen. 10 571 Euro kostet der 1,80 Meter hohe Zaun sowie zwei Tore, die eine Firma aus Offenburg liefern und der Bauhof einbauen soll. Im Haushalt 2009 sind dafür 19 000 Euro eingestellt worden.
Im vergangenen Jahr seien vermehrt Beschwerden von Anwohnern des Spielplatzes und des danebenliegenden Bolzplatzes bei der Verwaltung eingegangen, berichtete Hauptamtsleiter Volker Hirsch auf Anfrage. Die Anwohner hätten sich über massiven Lärm, besonders in den Schulferien und an Wochenenden, bis nach Mitternacht beklagt. Außerdem sollen zerbrochene Bierflaschen und weiterer Müll herumgelegen sein. Es seien auch Klagen über Kinder und Jugendliche eingegangen, die kurz nach Ablauf der Öffnungszeiten die Plätze noch nutzten, so der Hauptamtsleiter weiter.Die Öffnungszeiten, die bislang auf einem Schild bekanntgemacht werden, lauten von März bis September von 9 bis 19 Uhr und von Oktober bis Februar von 9 bis 17 Uhr. Der Spielplatz ist nur für Kinder von drei bis zwölf Jahren zugelassen, heißt es dort.
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Die Spielplatzbesucher störten einige Anwohner schon seit vielen Jahren, sagte Volker Hirsch. Die Anwohner hätten sich gegen den Lärm, der vom Spielplatz ausgehe, gerichtlich gewehrt und bereits 1991 vor dem Verwaltungsgerichtshof in Mannheim Recht bekommen. Das Gelände müsse eingezäunt werden, wenn die Gemeinde nicht in der Lage sei, dort dauerhaft für Ruhe zu sorgen, habe das Urteil gelautet.
Nachdem sich ein Anwohner immer noch durch den Lärm belästigt fühle, habe dieser über seinen Anwalt mitteilen lassen: Entweder kümmere sich die Gemeinde darum, einen Zaun zu bauen, oder er werde den Bau in Auftrag geben und die Kosten der Gemeinde in Rechnung stellen.
Die Räte waren sich in der Sitzung einig, dass es ein Unding sei, die Kinder hinter einem 1,80 Meter hohen Zaun "einzusperren". Zwei ebenfalls 1,80 Meter hohe Tore sollen den Zugang von der Schwarzwaldstraße und vom Tramweg her gewähren. Dies sei nicht der Wille der Verwaltung. "Der Zaun ist keine Lösung, sondern eine Maßnahme”, sagte Bürgermeister Jochen Paleit zerknirscht. Die Gemeinde werde leider von dritter Seite dazu getrieben.
Die Frage von Brunhilde Gündner, ob tatsächlich ein Gemeindemitarbeiter jeden Morgen auf- und jeden Abend zusperren müsse, bejahte Paleit. Walter Batt brachte ein Beispiel: Man müsse sich vorstellen, dass dieser Mitarbeiter dann die spielenden Kinder und ihre Eltern im Sommer um 19 Uhr auffordern müsste, den Platz zu verlassen, notfalls müsse die Polizei eingeschaltet werden.
Dem Beschluss, einen Doppelstabmaschenzaun, ähnlich dem am Bauhof, zu bestellen, stimmte die Mehrheit schließlich zu. Walter Batt, Thomas Anselm und Clemens Sedler votierten dagegen, Helga Burger enthielt sich. "Wir müssen gesellschaftlich etwas ändern, wenn es erlaubt ist, mit dem Rasenmäher Krach zu machen, aber Kinder nicht draußen spielen dürfen", sagte Sedler.
Autor: Erika Sieberts
