Re-Design

Katholische Akademie will sich stärker bemerkbar machen

Bettina Schulte

Von Bettina Schulte

Fr, 07. Dezember 2018 um 17:35 Uhr

Literatur & Vorträge

Ein überarbeitetes Erscheinungsbild soll der Katholische Akademie Freiburg mehr Aufmerksamkeit bescheren – und damit auch ihrem neuen, jetzt vorgestellten Programm.

Die Katholische Akademie der Erzdiözese Freiburg will – wie das heute so schön heißt – sichtbarer werden, damit sie von der Öffentlichkeit besser wahrgenommen wird. Dazu kann auch ein neues Outfit dienen: Fotos auf den Plakaten, Fotos im Programm, Leitfarben für die verschiedenen Angebote, ein farbig gestalteter Flyer. Den – gemäßigten – optischen Relaunch hat die Agentur designconcepts zu verantworten, die auch das 900-Jahr-Jubiläum der Zähringerstadt begleitet. Das Logo der Akademie – ein kleines gelbes, verloren aussehendes Haus über einem kräftigen gebogenen schwarzen Tuschestrich – wurde allerdings nicht angetastet.

Dass die Ideenschmiede der Diözese etwas tun muss, um sich stärker bemerkbar zu machen: Davon zeigte sich auch Akademie-Leiter Karsten Kreutzer bei einem Pressegespräch überzeugt. Vor allem jüngere Menschen finden den Weg in die Wintererstraße 1 oft nur schwer – auch wenn, so sein Stellvertreter Norbert Schwab, das auch immer von der Veranstaltung abhänge. Gleichviel: Das Publikum der Akademie ist eher jenseits der Lebensmitte zu finden – und das ist schade, denn die dort verhandelten Themen haben viel mit der Zukunft unserer Gesellschaft zu tun.

So etwa in der gemeinsam mit der Universität und dem Theater konzipierten Reihe "Konturen der nächsten Gesellschaft", die im kommenden Halbjahr mit mehreren soziologischen Vorträgen überwiegend in der Akademie fortgeführt wird. Es geht unter anderem über globale Ungleichheiten, Smart Citys, den digitalen Kapitalismus und die postheroische Gesellschaft. Zwei prominente Redner sind angekündigt: Der Linken-Politiker Gregor Gysi macht sich Gedanken über die "verunsicherte Demokratie", die evangelische Theologin Margot Käßmann spricht über das Älterwerden. In der Akademie wird außerdem über den "Sozialstaat 4.0" – sprich das bedingungslose Grundeinkommen und – in der zweiten Zukunftswerkstatt Europa – über "Regionen, Nationen, Europa" diskutiert. Fortschrittlich, wie sie ist, gibt die Akademie auch dem Feminismus eine Plattform: Die Journalistin und Autorin Christiane Florin macht sich Gedanken über "Frauen und die Machtfrage in der katholischen Kirche", ein Studientag unter der Leitung der Freiburger Soziologin Nina Degele beschäftigt sich mit dem Gendern in der Kirche und dem – auch jenseits dieser Institution schwierigen – Umgang mit geschlechtergerechter Sprache.

Das sich von Januar bis Juli erstreckende Programm steht unter dem Motto "Wahrheiten" – ein Begriff, der angesichts des zunehmenden Hantierens mit Fake News und Verschwörungstheorien in den Chatrooms alarmierter Zeitgenossen und der lügnerischen Behauptungen von Potentaten aller Couleur verstärkt Konjunktur hat. Dass es "die" eine Wahrheit nicht gibt, sollte sich zumindest in einer Demokratie wie der bundesdeutschen inzwischen herumgesprochen haben. Die Akademie fragt nach dem "Götzen Wahrheit" in den Religionen und will mit einem Vortrag des Schweizer Philosophen Michael Hampe einen Beitrag zur "notwendigen Klärung zu Meinungsfreiheit und Toleranz" leisten. Auch auf klassischen kulturellen Feldern ist die Katholische Akademie weiter unterwegs: mit Kunstausstellungen in ihren Räumen und der Fortsetzung der Reihe "Gespräche über aktuelle Inszenierungen".