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10. August 2012

Kein Ansturm auf die vier Wände

Von einer Flucht in Immobilienanlagen ist in Titisee-Neustart nicht die Rede / Altbauten und leere Läden drücken die Eigentümer.

  1. Im leeren Schaufenster eines Ladens an der Salzstraße in Neustadt spiegelt sich der Leerstand auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Foto: Thomas Winckelmann

  2. Mehrere Altbauten, wie dieses Haus an der Scheuerlenstraße, werden in Neustadt zum Verkauf angeboten. Foto: Thomas Winckelmann

  3. In einem Schaufenster an der Hauptstraße hängt eine ungewöhnliche Erfolgsmeldung. Foto: Thomas Winckelmann

TITISEE-NEUSTADT. Die Eurokrise ist in aller Munde und damit auch die Angst, dass das Ersparte bald nichts mehr wert sein könnte. Mancher legt daher sein Vermögen in Immobilien an mit der Folge, dass die Preise für Eigentumswohnungen oder Häuser steigen. In der Wälderstadt ist im Gegensatz zum Freiburger Umland allerdings von einem Run auf die eigenen vier Wände noch nichts zu spüren, bestätigen Immobilienmakler im Gespräch mit der Badischen Zeitung. Ein Problem sind die zahlreichen sanierungsbedürftigen Altbauen und leer stehenden Läden in Neustadt.

Während Mietwohnungen immer noch gefragt sind, neue Bauprojekte unter anderem vom Bauverein und der Familienheim angelaufen oder geplant sind, liegen Gewerbeimmobilien ihren Besitzern wie Blei im Bestand. 28 gewerbliche Einheiten, wie Büros, Praxisräume und Läden stehen derzeit in der Innenstadt leer. Nachgezählt hat das Erich Meister, der mit seiner UiS Bauträgerfirma bereits seit langem nach einem neuen Pächter für seinen Friseursalon am Pfauenstich sucht. "Es ist vergebliche Liebesmüh", meint Meister und befürchtet sogar angesichts des großen Leerstandes "Neustadt stirbt". Er überlegt, das Geschäft eventuell in Wohnungen umzubauen.

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Altbau ist ein schwieriger Markt bestätigt Willi Sutter, einer der drei Geschäftsführer der Sutter3 KG, die sich vor allem mit der Sanierung von historischen Altbauten und denkmalgeschützten Gebäuden beschäftigt und in ganz Südbaden private Besitzer, aber auch Kommunen und Institutionen berät und neue Konzepte für eine zeitgemäße Nutzung derartiger Anwesen erarbeitet. Ein Problem sieht er vor allem daran, dass in Neustadt angesichts des Leerstandes die Mieten für gewerbliche genutzte Flächen immer mehr sinken und diese die notwendigen Investitionen und Instandhaltungsmaßnahmen in einem Altbau nicht mehr tragen. Zu versuchen, leer stehende Geschäfte zu Dumpingpreisen zu vermieten, sieht er als falschen Weg. Sutter: "Drei bis vier Euro pro Quadratmeter im gewerblichen Bereich machen den Markt kaputt". Eine Lösung, um Altbauten in der Wälderstadt und gewerbliche Immobilien für Investoren wieder interessant zu machen, sieht er darin, die Stadt attraktiv zu halten. Sutter: "Wir brauchen ein attraktives Angebot und der Gastronomie und auch im Ladenbereich." Hier sieht er vor allem die Politik in der Pflicht, bestätigt aber gleichzeitig, dass Stadt und Gemeinderat intensiv bemüht sind, dafür die richtigen Weichen zu stellen.

Eigentumswohnungen sind gefragt

Einen Erfolg konnte Sutter, der auch für die Wohnbaugenossenschaft "bogenständig" verantwortlich zeichnet, für den ehemaligen Zeemann-Laden neben der Adler Post in Neustadt verbuchen. Für den Laden konnten langfristige Verträge mit einer Bank abgeschlossen werden, die hier eine Filiale einrichten will.

Anders ist die Situation auf dem Wohnungsmarkt. Leer stehende Häuser und Wohnungen gebe es kaum, meint Immobilienmakler Reimar Heger aus Titisee-Neustadt, der unter anderem auch die Immobilienangebote der Sparkasse Hochschwarzwald betreut. Mehrfamilienhäuser seien kaum gefragt, gesucht würden eher Ein- bis Zweifamilienhäuser. Das treffe auch auf das Umland von Neustadt zu. Es könne zwar sein, dass Häuser oder Wohnungen sechs Monate leerstehen, das sei aber dann nur eine Übergangsphase und kein Dauerzustand, bis ein neuer Mieter gefunden ist. Eigentumswohnungen würden in Neustadt ab 30 000 Euro aufwärts angeboten. Doch die Nachfrage gehe eher Richtung Dreizimmerwohnung mit 80 bis 85 Quadratmetern. Die gebe es ab 80 000 Euro bis zu 140 000 Euro je nach Ausstattung und Lage. Die Zinsen sind momentan günstig, "wer heute nicht kauft, der ist eigentlich selber schuld", meint Heger. Ob das Baugeld noch lange so billig zu haben ist, sei allerdings ungewiss.

Auf dem Berg sind noch Plätze frei

Ein verstärktes Interesse an Investitionen in Sachwerten registriert man in der Stadtverwaltung Titisee-Neustadt, wie Grundbuchratsschreiber Ottmar Thalmann auf Anfrage bestätigt. In der Stadt gebe es eine "gute Nachfrage" nach Baugrundstücken, sagt Anke Weichert von der Liegenschaftsabteilung im Neustädter Rathaus, allerdings sei dies nicht vergleichbar mit Freiburg oder Kirchzarten, die buchstäblich von Anfragen überrannt würden. Im ersten Bauabschnitt an der Fehrn gebe es nur noch acht Grundstücke, im zweiten Bauabschnitt, mit dem 2013 begonnen werden soll, seien bereits drei Bauplätze reserviert. Auch im Neubaugebiet Rieslehof in Titisee seien nur noch vier Grundstücke frei. Dies und auch die vermehrten Anfragen und Gespräche in den vergangenen Tagen zeigten, ebenso wie verschiedene private Bauprojekte und die Neubauvorhaben von Bauverein und Familienheim, dass auch in Titisee-Neustadt der Immobilienmarkt in Bewegung ist.

Schon seit dem Krisenjahr 2008 sei festzustellen, dass Immobilien als Sachwertanlage wieder interessanter werden, meint der Geschäftsführer der Baugenossenschaft Familienheim Hochschwarzwald, Erhard Pfaff. Einen Trend zu einem Ansturm auf Wohnungen und Häuser kann er allerdings nicht feststellen. Die Familienheim investiert seit Jahren hohe Summen in die Sanierung ihrer Mietwohnungen und plant den Bau von Eigentumswohnungen in der Genterstraße in Neustadt. Im ersten Anlauf gab es allerdings keine Baugenehmigung für das Projekt, über eine Änderung des Bebauungsplanes sollen hier nun die Voraussetzungen für das Vorhaben geschaffen werden. An Eigentumswohnungen gebe es durchaus Interesse, erklärt Pfaff, "die Qualität muss stimmen". Gefragt seien heute vor allem gehobene Ausstattung und Wohnqualität. Dies schlage sich allerdings dann auch im Preis nieder.

Der Bedarf an altersgerechten Wohnungen wächst

Für Bewegung im Immobilienmarkt wird auch die demographische Entwicklung sorgen. Neustadts Bevölkerung wird immer älter, damit werden voraussichtlich in den kommenden Jahren zahlreiche Einfamilienhäuser an Dennenberg und Fullberg zum Verkauf angeboten werden, bestätigen mehrere Immobilienfachleute im Rahmen der BZ-Umfrage. Damit wächst andererseits der Bedarf an altersgerechten Wohnungen in der Nähe des Stadtzentrums. Und damit schließt sich auch der Kreis zum Ladenangebot und dem derzeit noch bestehenden gewerblichen Leerstand in der Innenstadt, denn mit dem reinen Wohnungsbau ist es nicht getan. Altbausanierer Sutter: "Die älteren Leute müssen auch in der Stadt einkaufen können".

AUGEN AUF BEIM HAUSKAUF

Wer beim Kauf eines gebrauchten Hauses nur aufs Äußere schaut, geht ein hohes Risiko ein, sagt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Unterstützung für Immobilienkäufer bietet die Neuauflage des Ratgebers "Kauf eines gebrauchten Hauses" der Verbraucherzentrale. Expertenwissen rund um Häuser aus zweiter Hand, Informationen zu den Mängeln bei Objekten bestimmter Baujahre sowie Checklisten helfen dabei, das Traumhaus genau unter die Lupe zu nehmen und den Sanierungsbedarf einzuschätzen.
http://www.vz-bw.de/ratgeber

 

Autor: twi

Autor: Thomas Winckelmann


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