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15. Januar 2016

Klimaverträgliche Fahrzeuge

Kein Steuergeld für E-Autos

Die Deutschen kaufen lieber dicke Schlitten mit vielen PS als halbwegs umweltschonende kleine Elektroautos. Deswegen denkt die Bundesregierung über finanzielle Anreize für den Kauf von E-Autos nach. Das ist aber der falsche Weg.

3,2 Millionen Personenwagen sind 2015 in Deutschland neu zugelassen worden. Davon hatten genau 12 363 einen Elektromotor. Das ist seit Jahren so und zeigt, dass das Ziel der Bundesregierung, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen, unerreichbar ist. Vergünstigungen wie die Befreiung von der Kraftfahrzeugsteuer haben nichts gefruchtet.

Zudem sinkt der Ausstoß des Klimagiftes Kohlendioxid im Verkehr nicht. In der Stromversorgung spielen erneuerbare Energien eine wachsende Rolle, Gebäude werden gedämmt, die Landwirtschaft verringert ihre Emissionen – nur im Verkehr fressen hoch motorisierte, schwere Modelle alle Fortschritte auf, die neue, leichte Werkstoffe und moderne Motorentechnik bringen. Hinzu kommt der unentwegt wachsende Lastwagenverkehr.

Dass man dem PS- und SUV-Wahn mit einem Tempolimit, mit schärferen Grenzwerten (und realistischen Tests) zu Leibe rücken könnte, dass man den Lastwagenverkehr ein Stück weit auf die Schiene verlagert, solche Gedanken kann man im Autoland Deutschland getrost vergessen. In ihrer Ratlosigkeit denkt die Bundesregierung daher wieder an Zuschüsse für den Kauf von Elektroautos.

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Aber warum sollte man Käufern einer bestimmten Motorentechnik Steuergeld schenken? Wer daran denkt, ein neues Auto zu kaufen, hat derzeit gute Gründe, kein Modell mit elektrischem Antrieb zu wählen. Die Wagen sind viel teurer als vergleichbare Benzin- oder Dieselmodelle, und weit kommt man mit ihnen auch nicht. Lastwagen wird man in überschaubarer Zeit überhaupt nicht mit Elektroantrieb betreiben können. Es ist eine teure Technik mit beschränktem Nutzen. Warum sich die Politik – nicht nur hier in Deutschland – so auf diese eine Technik kapriziert und Alternativen ausblendet, ist schleierhaft.

Dabei gibt es solche Alternativen: Wer die Schadstoff- und Kohlendioxid-Emissionen der Autos schnell senken will, kann Erd- und Flüssiggas als Treibstoff nutzen. Beide Stoffe sind ausreichend vorhanden, und Autos mit gängigen Verbrennungsmotoren lassen sich nach einer Umrüstung damit betreiben. Auf längere Sicht könnten Brennstoffzellen die nötige Energie fürs Fahren liefern.

Es besteht also kein Grund, sich auf eine einzelne Technik zu beschränken. Wenn die Regierung meint, sie müsse die Anschaffung besonders schadstoffarmer und klimaverträglicher Fahrzeuge fördern, sollte sie wenigstens wie beim Erneuerbare-Energien-Gesetz die Subventionen so gestalten, dass verschiedene technische Lösungen möglich sind.

Autor: Jörg Buteweg