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10. Juli 2012

Keine Angst vorm Automaten

Das Seniorenwerk Waldshut macht ältere Menschen mit der Handhabe des Fahrkartencomputers bekannt.

  1. Senioren scheuen oft den Weg zum Fahrkartenautomaten. Foto: DAPD

WALDSHUT-TIENGEN (skd). Wer reist, kann bekanntlich was erzählen. Für viele Reisende ist der Fahrkartenautomat schon Gesprächsstoff genug. Ältere Menschen haben Mühe, die Fahrkarten zu kaufen. Das zeigte auch ein Praxistest von Senioren auf dem Waldshuter Bahnhof.

Maria Gröber (80) steht vorm Fahrkartenautomaten auf dem Waldshuter Bahnhof. Sie will nach Friedrichshafen. Doch schon, als sie versucht, das Ziel auf dem Bildschirm des Automaten einzugeben, stößt sie auf die erste Hürde. Sie tippt auf den Buchstaben F, doch es erscheint ein D. Sie wagt einen neuen Versuch. Vorsichtig führt sie ihren Finger auf den Touchscreen. Dieses Mal funktioniert es. Sie berührt das F, das R, das I – Friedrichshafen erscheint auf der Anzeige. Schritt für Schritt arbeitet sie sich voran, doch der Touchscreen bereitet ihr immer wieder Probleme.

Wie Maria Gröber geht es vielen. Sie fühlen sich von den Automaten der Deutschen Bahn überfordert. Wer an den Fahrscheinautomaten ein Ticket kaufen will, muss viele Fragen beantworten: Erste oder zweite Klasse? Verbundtarif oder Fernverkehr? Abfahrtszeiten? Mit oder ohne Bahncard? Und für jede Frage muss der richtige Menüpunkt auf dem Touchscreen gefunden werden. Hinzu kommt der Zeitdruck, weil der Zug in wenigen Minuten fährt. "Da kann man schon mal in Panik geraten und dann ist alles vorbei", sagt Maria Gröber.

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Damit dies nicht mehr passiert, hat das katholische Seniorenwerk Waldshut einen Kurs für Senioren angeboten, in dem Experte Harry Zipfel erklärte, wie die Automaten funktionieren. Zipfel, einst Mitarbeiter der Bahn und Mitglied im Pfarrgemeinderat, erklärte, wie man eine Fahrplanauskunft erhält und Fahrkarten löst. Jeder, der wollte, konnte sich an dem Automaten seine Wunschstrecke aussuchen und mit Harry Zipfel Schritt für Schritt die Buchung durchgehen.

Während des Kurses stießen immer wieder ein paar Passanten zu der Gruppe, die Fragen stellten – darunter auch jüngere Menschen, die ebenfalls Probleme mit dem Automaten haben.

"Mir hat die Einführung sehr geholfen. Ich bin bisher immer mit dem Auto unterwegs gewesen. Mittlerweile bin ich in einem Alter, in dem ich lieber Zug fahren will", sagt Konrad Ruf (78) aus Tiengen. "Jetzt kann ich mir zumindest eine Fahrkarte von Tiengen nach Waldshut lösen." Melitta Bader aus Waldshut weiß jetzt, dass es einen Mitarbeiterrabatt gibt, mit dem sie günstiger reisen kann. "Mein Mann hat lange bei der Bahn gearbeitet, doch bisher wusste ich nicht, wie ich mir am Automaten ein Ticket mit der Vergünstigung kaufen kann."

Weil das Angebot des Seniorenwerkes so gut angekommen ist, soll der Kurs wiederholt werden. "Wir haben gesehen, dass das Interesse groß ist. Wir wollen auf die Anliegen der Senioren individuell eingehen und uns Zeit lassen", sagt Detlef Kaleja, Leiter des katholischen Seniorenwerks. Je öfter die Senioren am Automaten üben könnten, desto sicherer fühlten sie sich, wenn sie allein ein Ticket kaufen müssen. .

Fahrkartenkurs: Interessierte können sich bei Detlef Kaleja oder Harry Zipfel melden, Telefon 0 7751/4110 oder 0 7751/910672. Die Bahn bietet ebenfalls Automatenschulungen vor Ort an. Anfragen an: automatenschulungen-b.w@deutschebahn.com

Autor: bz