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23. April 2010 17:04 Uhr

Risse

Keine Entwarnung in Staufen – der Boden hebt sich weiter

Das Erdreich unter Staufen bewegt sich weiter. Um nur 13 Prozent haben sich die Hebungen verlangsamt – das ist weniger, als sich die Experten erhofft hatten. Der Besuch von Stefan Mappus in der Risse-geplagten Stadt fällt flach.


STAUFEN.
Inzwischen sind sämtliche sieben Erdwärmelöcher hinter dem Rathaus mit Zement abgedichtet, aber nicht bis ganz oben. Bis zur Geländeoberkante zu verpressen, mache laut Clemens Ruch vom Regierungspräsidium keinen Sinn. Außerdem berge es Gefahren. Es könnten neue Wasserwege entstehen und sich Hohlräume im Gipskarst auftun. Als Gipskarst gilt der Untergrund zwischen 20 und 40 Meter Tiefe. Grundwasser aus 140 Meter Tiefe wird aber nach wie vor abgepumpt, über die 2008/09 ausgeführte Erkundungsbohrung. Es könnte jedoch bald ein zweiter Brunnen erforderlich sein. "Diesen müssen wir jetzt planen, wir können damit nicht länger warten", sagte Bürgermeister Michael Benitz bei der gemeinsamen Pressekonferenz am Freitag.

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Weitere Tests und Erkundungen folgen

Dass Grundwasser aus der Tiefe in die zwischen 90 und 60 Meter liegende Anhydritschicht einsickert, ist aufgrund der ergriffenen Gegenmaßnahmen inzwischen wohl auszuschließen. Es kann aber sein, dass es den umgekehrten Weg nimmt – von oben. Ruch kündigte weitere Tests und Erkundungen an, um Klarheit über die Beschaffenheit des Gipskarstes zu erlangen. Auch hier seien noch technische Eingriffe möglich, um den Untergrund zu verfestigen. Ruch verwies darauf, dass über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren Wasser in ein Gebirge eingedrungen sei, das "zuvor staubtrocken war". Das um 13 Prozent geringere Hebungstempo sei "bescheiden", angesichts der Tatsache, dass bereits ein halbes Jahr gegen die Hebungen vorgegangen werde, sagte Benitz. "Wir haben es mit einem sehr trägen System zu tun."

Die Stadt will, dass die Schlichtungsstelle jetzt ihre Arbeit aufnimmt. Die Stadtverwaltung könne sich nicht mehr alleine um die Aufnahme und die Behebung von Schäden kümmern. Jüngst war in einem Haus in der Kirchstraße ein großes Stück Deckenputz abgefallen. "Die Schlichtungsstelle soll arbeiten, aber dazu braucht sie Mittel", unterstrich Benitz. Zwar habe das Land in den Haushalt 2010/11 vier Millionen Euro für Staufen eingestellt, aber allein die Erkundungsbohrung koste 1,1 Millionen Euro mehr als veranschlagt. Auf 40 Millionen Euro wurde der Gesamtschaden vor einiger Zeit einmal geschätzt. Dem Bürgermeister geht es nicht darum, dass die Schlichter diesen Betrag jetzt schon zur Verfügung haben. Aber im Millionenbereich müsse die Ausstattung schon liegen. "Mit zehn Millionen Euro in der Kasse wäre ich erst einmal zufrieden", sagte Benitz.

Mappus kommt nicht

Aus dem Besuch von Ministerpräsident Stefan Mappus in Staufen wird vorerst nichts. Stattdessen kommt Mitte Mai Staatsminister Helmut Rau. Benitz informierte außerdem darüber, dass ein zweiter privater Geschädigter die Stadt verklagt habe, bei einem "vergleichsweise geringen Schaden". "Ich bedauere das."

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Autor: Hans Christof Wagner