Keine Ermittlung gegen Amt

Sarah Trinler

Von Sarah Trinler

So, 31. Dezember 2017

Kreis Waldshut

Der Sonntag Getötetes Baby in Laufenburg: Bislang keine Anhaltspunkte für Amtsversagen.

Der tragische Tod eines Säuglings am ersten Weihnachtsfeiertag in Laufenburg (Kreis Waldshut) wirft viele Fragen auf: Stand der Vater, der das drei Monate alte Baby getötet haben soll, unter Drogeneinfluss? Hätte das Jugendamt Waldshut, das die Eltern seit Geburt des Kindes unterstützt, die Tat verhindern können? Landratsamt und Staatsanwaltschaft halten sich bedeckt, es gebe bislang keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten von Mitarbeitern des Jugendamtes.

Die vorläufige Obduktion habe eine mehrfache Gewalteinwirkung gegen den Kopf des Kindes ergeben. "Todesursache war ein stumpfes Schädel-Hirn-Trauma", sagte Iris Janke, Leitende Oberstaatsanwältin der Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen, auf Anfrage des Sonntag . Dass der Kopf des Kindes, wie der Schwarzwälder Bote berichtete, gegen eine Wand geschlagen wurde, sei bislang noch nicht geklärt und "reine Spekulation". Anhaltspunkte für ein Schütteltrauma sowie Spuren früherer Gewalt konnten nicht festgestellt werden.

Ob der 36-jährige Vater des Kindes bereits des Öfteren mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist und ein Drogenproblem hat, wollte die Leitende Oberstaatsanwältin nicht bestätigen. "Das Motiv und der Gesundheitszustand des Tatverdächtigen sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen, weshalb ich hierzu derzeit keine näheren Angaben machen kann", sagte Janke. Der mutmaßliche Täter hatte laut Polizeibericht am Montag um kurz nach 11 Uhr bei der Polizei angerufen und gesagt, dass er ein Kind umgebracht habe. Die kurz darauf in der Wohnung im Laufenburger Ortsteil Rhina eintreffenden Polizeibeamten fanden ein lebloses Kind vor. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod des Säuglings feststellen. Der Mann habe offensichtlich unter Medikamenteneinwirkung gestanden und sei selbst verletzt gewesen. Ob die Verletzungen auf einen Suizidversuch zurückzuführen seien, wurde nicht offiziell bestätigt. Seit Dienstag sitzt er in U-Haft.

Allerdings soll der Vater laut Polizei gesagt haben, dass er mit der Betreuung des Säuglings überfordert gewesen sei. Die Mutter war zum Zeitpunkt der Tat außer Haus, sie wird derzeit psychologisch betreut. Weder gegen sie noch gegen das Jugendamt Waldshut wird derzeit ermittelt. "Dazu bräuchten wir einen konkreten Tatverdacht", sagte Janke und fügte hinzu, dass das Jugendamt Waldshut jedoch "Teil der gesamten Abklärung" des Falls sei.

Wie das Landratsamt Waldshut mitteilte, habe die Familie das Jugendamt bereits während der Schwangerschaft um Hilfe gebeten. Ab dem Zeitpunkt der Geburt hätten zwei Fachleute mit sozialpädagogischer Ausbildung wöchentlich zwölf Stunden bei der Familie verbracht, "um die Eltern in ihrer Betreuungs- und Erziehungsaufgabe" zu unterstützen. Der letzte Hausbesuch vor der Tat habe am 21. Dezember stattgefunden.

Doch warum die Familie überhaupt Unterstützung vom Jugendamt gebraucht hat, wollte das Landratsamt nicht mitteilen. "Wir möchten es bei den herausgegebenen Informationen belassen", so ein Sprecher auf Anfrage des Sonntag . Während der Dauer der Hilfe habe es keine Anhaltspunkte für eine mögliche akute Kindeswohlgefährdung gegeben, die Familie sei "auf einem guten Weg" gewesen. "Solch eine schreckliche Gewalttat war für uns nicht vorhersehbar", schreibt das Landratsamt.

Der Fall weckt Erinnerungen an den dreijährigen Alessio aus Lenzkirch, der 2015 von seinem Stiefvater zu Tode geprügelt wurde. Dem Jugendamt wurde eine Mitschuld zugesprochen: Ein Sachbearbeiter wurde zu einer Geldstrafe wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen verurteilt.Sarah Trinler