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11. Januar 2017 15:13 Uhr

Friesenheim

Keine Sternsinger in Oberschopfheim – aus Boykott wegen Abschaffung der "zweiten Kasse"?

In Oberschopfheim ist in diesem Jahr die Haus-zu-Haus-Aktion ersatzlos gestrichen worden. Die Sternsinger wollen angeblich Pfarrer Jelic boykottieren – und die Abschaffung einer zweiten, persönlichen Kasse.

  1. Sternsinger in Riedlingen (Symbolbild) Foto: dpa

Dieses Jahr sind keine Sternsinger durch Oberschopfheim gezogen. Das Pfarrbüro Oberschopfheim erklärt das damit, dass zu wenige Kinder bereit waren, mitzumachen. Der tiefere Grund für die Absage liegt wohl in der Sternsinger-Vorschrift der Bischofskonferenz, die Pfarrer Steffen Jelic in der Kirchengemeinde Friesenheim beherzigt sehen will.

Sternsinger wollen sich "zweite Kasse" angeblich nicht verbieten lassen

Das örtliche Seelsorgeteam, das im Dorf den seelsorgerischen Draht zu den Gläubigen hält, ließ in einer Pressemitteilung wissen, dass sich zu wenig Kinder gemeldet haben. Pfarrer Steffen Jelic bestätigt das in einer Pressemitteilung auf Anfrage der BZ: "Zur Sternsingeraktion in Oberschopfheim hatten sich insgesamt neun Kinder gemeldet, knapp ein Drittel der letzten Jahre. Um das ganze Dorf an einem Tag ansprechen zu können, wären etwa 30 Kinder nötig gewesen", so der Pfarrer in einer Mitteilung. Das Gemeindeteam Oberschopfheim habe daraufhin beschlossen, die Aktion abzublasen. "Man fürchtete", so Jelic, "Verärgerung in der Gemeinde, wenn nicht alle Straßen abgegangen werden. Davon wurde ich in Kenntnis gesetzt."

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Der Personalmangel sei ein Boykott gegen Pfarrer Jelic, meint eine Person, die Einblick hat, aber nicht genannt werden will. Die Sternsinger und die Verantwortlichen würden damit zeigen, dass sie sich die Praxis der "zweiten Kasse" nicht verbieten lassen wollen. Bisher sammelten die Sternsinger in der einen Kasse Spenden für arme Kinder, in einer persönlichen Kasse Geld für sich.

"Mir liegt daran, dass für alle die gleichen Regeln gelten."Pfarrer Steffen Jelic
Wie und wann der Brauch entstand, ist unklar. Fest steht jedoch, dass Pfarrer Jelic ihn nicht gutheißt. Er weist auf die "Ordnung der Sternsingeraktion" der Deutschen Bischofskonferenz von 2014 hin: "Die Sammlung erfolgt ausschließlich für die Aktion Dreikönigssingen. Es ist nicht zulässig, weitere Zwecke mit der Sammlung zu verbinden." Daraus folgert der Pfarrer: "Die Grundordnung sieht und erlaubt demnach keine zweite Sammlung während der Sternsingeraktion."

Vor der Sammlung 2016 habe er dieses Vorgehen in der Kirchengemeinde den allgemein geltenden Regeln angepasst, so der Pfarrer zur BZ: "Im Pfarrbrief habe ich dafür um Verständnis geworben. Dies wurde allgemein aufgenommen, in Oberschopfheim jedoch von einigen mit Unverständnis. Die bewährte und bundesweit geltende Ordnung wurden schon bisher in den anderen Pfarreien praktiziert und ist sicher richtig. Mir liegt daran, dass in der Kirchengemeinde Friesenheim für alle die gleichen Regeln gelten", betont der Pfarrer.

"Große Geldsummen" für die private Tasche?

Zwar hat er Verständnis für den Wunsch, den Kindern und Jugendlichen neben Süßigkeiten für ihren Einsatz mit Geld zu danken. Auch honoriere er, dass die Sternsinger in den vergangenen Jahren die Hälfte ihrer Geldgeschenke an die Sternsingeraktion gespendet haben. Dennoch seien "große Geldsummen" für die private Tasche zusammengekommen. Konkrete Zahlen nannte er nicht.

Seinen Kompromissvorschlag für die diesjährige Sternsingeraktion griffen die Oberschopfheimer nicht auf. Der Pfarrer bedauert das. Er hatte vorgeschlagen, die neun Sternsinger in ausgelosten Straßen laufen zu lassen, "damit die Kinder, die sich gemeldet haben, nicht überlastet, aber auch nicht enttäuscht werden."

"Niemand muss den Sternsingern etwas für die private Kasse geben." Susanne Stahl
In Schuttern, wo es neben Oberschopfheim bis vor Kurzem auch eine "zweite Kasse" gab, hat man sie auf Bitten des Pfarrers 2016 abgeschafft. In anderen Pfarreien, wie der Seelsorgeeinheit "An der Schutter" (Lahr und Schuttertal) ist eine Praxis der zweiten Kassen unbekannt. Befürworter der persönlichen Kasse argumentieren, dass jeder selber entscheidet könne, in welche Kasse er wie viel wirft. Auch Susanne Stahl aus der Nachbarpfarrei sieht das so: "Niemand muss den Sternsingern etwas für die private Kasse geben. Und die Sammlung ist ja trotzdem gut gelaufen", sagt die Ortschaftsrätin aus Oberweier, die sich 30 Jahre lang bei den Sternsingern in ihrem Dorf engagiert hat. Innerhalb der Kirchengemeinde ist Oberschopfheim sammelstärkster Ort. 2016 kamen 4930 Euro zusammen. Im Kernort Friesenheim waren es 1780 Euro.

2018 soll es wieder Sternsinger geben

Nächstes Jahr soll es in Oberschopfheim wieder Sternsinger geben, so Pfarrer Jelic: "Für das kommende Jahr werden wir für die Sternsinger eine angemessene Lösung finden. Das Gemeindeteam hat von sich aus das Prinzip Anmeldung ins Spiel gebracht, das in vielen Ortschaften in der Region praktiziert wird."

In die selbe Richtung gehen die Überlegungen von Annerose Lauer aus Oberweier. Für 2018 sei eine Anmeldeliste für die Sternsinger geplant. Die Wege seien lang und nicht jeder, bei dem die Sternsinger klingeln, könne mit dem Brauch etwas anfangen und öffne die Tür. Die Kinder würden viel Kraft beim vergeblichen Warten verlieren. Im Kernort Friesenheim werde diese Praxis mit Erfolg betrieben.

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Autor: Ulrike Derndinger