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19. März 2011
"Keine Zulassung für zweite Praxis"
BZ-INTERVIEW mit Bürgermeister Rudolf Schuler über die Schwierigkeiten, in St. Peter die Ärzteversorgung zu verbessern.
ST. PETER. In St. Peter im Schwarzwald wohnen rund 2500 Einwohner, verteilt auf Innerort und weit verzweigtes Gebiet zwischen Kandel und Thurner. Zur allgemeinärztlichen Versorgung beantwortete Bürgermeister Rudolf Schuler die Fragen von BZ-Mitarbeiterin Monika Rombach.
BZ: Wie sieht die aktuelle allgemeinärztliche Versorgung in St. Peter aus?Schuler: In St. Peter hatten wir vor Jahren noch drei Praxen mit praktizierenden Ärzten. Seit 1. Juli des letzten Jahres bis Montag dieser Woche war nur noch eine Praxis für Allgemeinmedizin ansässig. Ich sage "war", weil in St. Peter, und dafür bin ich auch wirklich dankbar, eine neue Praxis in der Bürgerschaft eröffnet hat.
BZ: Anderthalb Jahre konnte trotz intensiver Suche des vorherigen Arztes kein Nachfolger gefunden werden. Ist die Behandlung in beiden St. Petermer Praxen nun allen Patienten zugänglich?
Schuler: Leider nein, die neu eröffnete Praxis kann nur Privatpatienten zugänglich sein. Eine sehr engagierte Hausärztepraxis aus dem Nachbardorf Stegen hat hier in St. Peter ihre privatärztliche Zweigstelle eröffnet.
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BZ: Bei einem Einwohnerstand von 1800 praktizierten hier drei "Hausärzte", mit wachsender Einwohnerzahl nur einer mit Kassenzulassung, wie ist das möglich?
Schuler: Das frage ich mich auch. Auf der einen Seite versucht man, auch durch ein neu aufgelegtes Zehn-Punkte-Programm "Landärzte" der Landesregierung Baden-Württemberg junge Ärzte aufs Land zu holen, auf der anderen Seite aber vergibt der Ausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung keine Zulassung für eine zweite Praxis hier in St. Peter. Da früher drei Ärzte im Ort praktizierten und – unabhängig von der Angestelltenzahl in einer Praxis – nicht alle Bürgerinnen und Bürger in die gleiche Praxis wollen, wäre eine, auch pflichtversicherten Patienten zugängliche, zweite Praxis für unseren Ort äußerst willkommen. So sehen dies auch viele Bürgerinnen und Bürger die mich auf das Defizit ansprechen.
BZ: Gibt es Möglichkeiten, dies zu ändern?
Schuler: Eine ausreichende Ärzteversorgung ist heute ein Standortfaktor. Wenn Ärzte gehen und keine Nachfolger kommen oder kommen dürfen, kann dies weitere negative Auswirkungen für die Bevölkerung haben. Darum habe ich den Präsidenten des Gemeindetages Baden-Württemberg zum 10-Punkte-Programm angeschrieben, um die Situation vor Ort zu klären. Denn hier klaffen Theorie und Praxis auseinander.
BZ: Wäre nicht auch der Aufbau einer Vernetzungs- und Kooperationsstruktur auf dem Land für künftige Ärzte wichtig?
Schuler: Das war in der neuen Praxis angedacht, vor allem angesichts des hohen Frauenanteils unter den Medizinstudenten. Bislang scheitert die Schaffung solch familienfreundlicher Arbeitsplätze hier mit der Zulassungsablehnung durch die Kassenärztliche Vereinigung.
Autor: ro


