Kenzingen

200 begeisterte Zuschauer bei der Premiere von Mario Kanzingers Film„Planwagabunden“

Benedikt Sommer

Von Benedikt Sommer

Do, 08. Dezember 2016

Kenzingen

200 begeisterte Zuschauer bei der Premiere von Mario Kanzingers Film "Planwagabunden".

KENZINGEN. Nahezu ausverkauft war die Premiere von Mario Kanzingers erstem großen Dokumentarfilm "Planwagabunden" am vergangenen Sonntag. Mit langanhaltendem Applaus feierten die knapp 200 Zuschauer Regisseur und Darsteller.

Dass viele Zuschauer selbst nach einer knappen Stunde nach Vorführungsende das Kino nicht verlassen, weil sie das Gespräch mit dem Regisseur und den Protagonisten fortsetzen möchten, kommt bei Filmpremieren nicht allzu oft vor. "Toll", "ich bin ganz bewegt", "da würde ich sofort auch mitgehen", so und ähnlich lautete ihr Urteil über den Film, dem sie fast 90 Minuten mit Spannung gefolgt waren.

Dabei passiert in "Planwagabunden" wenig Spektakuläres. Eine Gruppe Menschen bricht mit dem Pferdewagen auf und zieht über Land. Ein Road-Movie, dessen dramatische Höhepunkte sich auf die Überquerung des Bodensees mit einer Fähre oder das Überwinden einer zu schmalen Brücke beschränken. Aber Filmemacher Mario Kanzinger sieht genau hin, nimmt sich die Zeit und findet die richtigen Bilder. Und so entwickelt der ruhige Gang des Films eine Sogwirkung, die erstaunlich ist. Dass dies funktioniert, liegt natürlich auch an den Protagonisten. Man sieht ihnen gerne zu, diesen Schweizern mittleren Alters, mit ihren kleinen und größeren Kindern, die auf Schwyzerdütsch erzählen. Man spürt ihre Aufregung beim Aufbruch, begreift den Stolz, wenn sie das ausgeklügelte Packsystem erklären, nimmt Anteil an ihrer Erleichterung über den ersten Lagerplatz nach strapaziösem, langem Marsch, verspürt den Appetit bei der Zubereitung des ganz normalen, aber plötzlich köstlich wirkenden Essens. Und freut sich mit den Kindern, die den Sommertag genießen, die Natur entdecken und sich wohlfühlen.

Dabei klammern die Bilder die moderne Welt nicht aus. Die Planwagabunden wandern durch die Schweiz Richtung Bodensee, müssen Gewerbegebiete und Ausfallstraßen bewältigen. In kürzester Zeit habe aber die Gruppe, so erzählt ein Teilnehmer, mit ihrem Reisetempo ein eigenes Raum- und Zeitgefühl entwickelt und daher den Kontakt mit der Zivilisation weniger als einen Konflikt erlebt.

Als dann erste Teilnehmer (und Sympathieträger) im Film die Gruppe verlassen, verspürt der Zuschauer zwar die Trauer über den Abschied, versteht aber auch, dass diese wandernde Einheit sich einfach nur umbildet, weiterentwickelt. Tag für Tag, Kilometer für Kilometer.

Zu dieser suggestiven Wirkung des Films trägt auch die ruhige, fast schon meditative Musik bei. Sie ist so gut, dass sie erst spät überhaupt auffällt. Aus der Not geboren (um Gema-Gebühren zu sparen), sind die persisch-indisch anmutenden Klänge, die die Protagonisten auf einem Hang (einem, in der Schweiz erfundenen, am ehesten an eine ungeheuer melodiöse Steeldrum erinnernden Musikinstrument), Piano und diversen anderen Instrumenten beisteuerten, ein Glücksfall für den Film, der am Ende sogar über einen bewegenden, emotionalen Höhepunkt verfügt. Für die alte Schäferhündin von Anna, der Initiatorin des Abenteuers, ist es die letzte Reise. Am Vorabend des letzten Tages stirbt das Tier.

Die größte Freude der Reise sei es gewesen, erzählte Anna nach der Vorstellung, so viele "menschliche" Menschen zu treffen. Einen guten Teil dieser Freude gibt dieser Film weiter. Mario Kanzinger ist ein im besten Sinne einfacher, schöner und bewegender Film gelungen.