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13. Juli 2016 12:41 Uhr

Rheintalbahn

Ausbau der Rheintalschiene bahnt sich an

Vermessungsexperten der Bahn bereiten zwischen Offenburg und Kenzingen den Ausbau der Rheintalschiene vor. Es ist die Geburtsstunde eines einzigartigen Großprojektes.

  1. Vermessungstechniker Jan Brunkal bei der Arbeit auf einer Autobahnbrücke zwischen Kenzingen und Rheinhausen – er kontrolliert gerade den GPS-Empfänger. Foto: Patrik Müller

  2. Dieser Marker auf einer Autobahnbrücke hat eine genormte Position. Foto: Patrik Müller

Millimeterarbeit an der frischen Luft: Vermessungstechniker der Bahn sind seit Monaten zwischen Offenburg und Kenzingen unterwegs. Ihre Daten sollen die Grundlage liefern für den Bau der künftigen Trasse – und müssen so genau wie möglich sein. "Je präziser die Messung, desto sicherer und komfortabler ist es später", sagt Ingenieur Klaus Herrmann. "Dem Bahnkunden soll ja nicht der Kaffee auf der Hose landen."

Sie schwitzen in der Sonne, sie fluchen im Regen. Sie müssen kilometerweit laufen, mit schweren Geräten in der Hand, und alle paar Meter stehen bleiben und durch eine Linse gucken. Dann wieder haben sie Zeit und müssen warten, bis genug Satelliten Positionsdaten geliefert haben – das kann auch mal eine halbe Stunde dauern. Im Wagen von Vermessungsingenieurin Lydia Gotz und Vermessungstechniker Jan Brunkal liegen, neben High-Tech-Ausrüstung wie GPS-Rover und Tachymeter, auch zwei Badminton-Schläger und ein paar Federbälle.

Aufgabe: Geodätisches Grundlagennetz erstellen

"Wir erleben die Geburtsstunde eines Großprojektes, wie es in der Republik nicht viele gibt", sagt Sven Adam. Der 39-jährige leitet den Projektabschnitt zwischen Offenburg und Kenzingen. Er erzählt von jahrelangen politischen Diskussionen, von Grundlagendaten und Generalplanerausschreibungen – und von der Entscheidung des Bundestages im Januar, dem Ausbau der Rheintalbahn zuzustimmen. "Jeder denkt, wir hätten eine Planung auf Halde gehabt", sagt er. "Es wird jetzt aber erst einmal eine Ausschreibung geben."

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Aufgabe der Vermessungstrupps ist es, ein sogenanntes geodätisches Grundlagennetz zu erstellen – sie sollen die exakte Lage aller Bauwerke und Gleise im Bereich der künftigen Trasse bestimmen. "Was die Kollegen draußen machen, ist die Basis für alles weitere", sagt Klaus Herrmann, der leitende Vermessungsingenieur. Der 59-Jährige sitzt gemeinsam mit Projektabschnittsleiter Sven Adam in einem Café in Kenzingen, isst Kuchen und erklärt bei einem BZ-Gespräch, wie Vermessungsarbeiten funktionieren.

Die Arbeit hat sich in den letzten Jahren verändert

Wer wissen will, wie hoch eine Erhebung ist, braucht einen Referenzpunkt – einen Punkt, von dem er die exakte Höhe kennt. "Wir haben ein bundesweites Netz mit 8000 Punkten, die vier Kilometer voneinander entfernt sind", sagt er. "Das kann eine harmlose Marke am Boden sein. Ich würde es sehen, Sie würden wahrscheinlich achtlos daran vorbeigehen." Dieses Netz an Punkten soll im Bereich der neuen Rheintaltrasse enger werden – und auf einen Kilometer verdichtet werden. "Wenn die Bauarbeiten erst mal losgehen, wenn die tagtäglich Kleinkram abstecken, wird das noch viel enger", sagt Herrmann.

Die Arbeiten haben sich verändert in den vergangenen Jahren. "Der Vermessungsingenieur wird immer reduziert auf: Er hat dreckige Stiefel, kneift ein Auge zu und guckt wo durch", sagt Herrmann. "Das ist heute eher schönes Beiwerk." Die Trupps arbeiten mit Computern und GPS-Empfängern, später soll das Gebiet der neuen Trasse aus der Luft vermessen werden. "Wir machen das per Heli oder Drohne", sagt Herrmann. "Der Hubschrauber ist schneller, die Drohne fliegt tiefer und ist genauer." Der Vermessungsflug soll im Herbst beginnen, erklärt Herrmann. "Wenn das Laub von den Bäumen runter ist, sieht man mehr."

Nächster großer Schritt ist die erste Ausschreibung

Die Vermesser fahren von Norden nach Süden die geplante Trasse ab – und werden in den kommenden Jahren noch oft in der Region unterwegs sein. "Sie werden immer wieder auftauchen", sagt Ingenieur Herrmann. "Sie werden mal ein Flussufer vermessen, mal eine Autobahnbrücke – es wird noch unendlich viele Arbeiten geben." Der nächste große Schritt wird die erste Ausschreibung sein: Im Spätsommer soll laut Zeitplan die Generalplanung für den Tunnel Offenburg vergeben werden – im Frühjahr dann die für die Autobahnparallele.

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Autor: pam