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08. November 2010 13:12 Uhr
Sara Schneider, Juniorenweltmeisterin im Karatesport
"Der Sport bringt eine Menge Selbstbewusstsein"
Sara Schneider war 8 Jahre alt, als sie sich zum ersten Mal ins Karate-Training wagte. Jetzt ist die Bombacherin 16, vor einigen Tagen holte sie sich in Edinburgh den Junioren-Weltmeister-Titel. Patrik Müller sprach mit ihr – über Selbstverteidigung, Sport und Schule.
KENZINGEN-BOMBACH.
BZ: Du machst dein halbes Leben lang Karate, seit einigen Tagen bist du Junioren-Weltmeisterin. Mal ehrlich: Hast du Angst, wenn dir nachts in einer dunklen Gasse jemand entgegenkommt?
Schneider: Ich sehe Karate als Sport, weniger als Kampfkunst. Kann sein, dass ich weniger Angst hätte als andere – ich würde der Gefahr aber auch nicht entgegenlaufen. Ich bin ganz froh, dass ich noch nie in einer Situation war, in der ich mich wehren musste. Mein Trainer sagt immer: Es ist schön zu wissen, dass man könnte, wenn man wollte.
BZ: Wie viele Ziegelsteine zerschmetterst Du mit einem Handkantenschlag?
Schneider: Das haben wir im Training noch nie gemacht. Das ist Show, das bringt nichts. Außerdem ist die Handkante nicht dafür gemacht, tagtäglich auf Steine einzuschlagen. Ich will meine Finger auch in zehn Jahren noch bewegen können – es wäre schlimm, wenn ich dann nicht mehr Klavierspielen könnte.
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Schneider: Man verletzt sich eigentlich relativ selten. Ich hatte ab und zu mal einen blauen Fleck, das war es aber auch schon. Fußball ist sicher gefährlicher. Beim Karate gibt es ganz klare Regeln. Wenn wir kämpfen, ziehen wir die Schläge und Tritte nie voll durch – wir versuchen, kurz vor dem Körperkontakt zu stoppen. Wir schlagen nur mit den Fäusten, nie mit der Handkante – und tragen drei Zentimeter dicke Schützer.
BZ: Trotzdem ist man vor so einem Kampf aufgeregt, oder?
Schneider: Ja, vor allem am Anfang. Mein erstes Turnier war vor vier Jahren, und da hatte ich vor den Kämpfen richtig starkes Herzklopfen. Das ist nach dem ersten Schlagabtausch aber auch schon vorbei. Dann konzentriert man sich nur noch darauf, wie man Punkte machen kann – und nimmt außer den Kommandos des Trainers eigentlich nichts mehr wahr.
BZ: Wie kamst du zu Karate?
Schneider: Wahrscheinlich so, wie man zu den meisten Hobbys kommt: Meine Mutter meinte, ich soll mal Sport machen. In der Zeitung haben wir dann eine Anzeige gelesen, dass in der Hecklinger Grundschule Karate angeboten wird. Zusammen mit einer Freundin hab ich es dann mal ausprobiert – und es hat richtig Spaß gemacht.
BZ: Wie ging das mit den Turnieren los?
Schneider: Mein Trainer Jochen Wiesler meinte, ich sei schnell, hätte gute Reaktionen und sollte unbedingt mal auf einen Wettkampf gehen. Ich habe mich damals geehrt gefühlt – er hat nicht jeden gefragt. Mein erstes Turnier waren dann die Landesmeisterschaften in Gaildorf. Das Ergebnis war aber nicht so gut. Meine Gegner waren alle schneller. Ich glaube, ich hatte einfach zu wenig Erfahrung.
BZ: Jetzt bist du Weltmeisterin...
Schneider: Meine Ergebnisse wurden immer besser. Im Sommer wurde ich Deutsche Meisterin und habe mich für die WM in Edinburgh qualifiziert. Beim ersten Vorrundenkampf habe ich nicht so gut gekämpft, ich war aufgeregt. Der zweite lief besser. Im Finale war ich unkonzentriert. Meine Gegnerin hat den ersten Punkt gemacht, und ich dachte: Jetzt muss ich mal anfangen, was zu machen. Das hat auch geklappt, am Ende habe ich 4:2 gewonnen. Bei der Siegerehrung habe ich den Titel gar nicht so richtig realisiert: Ich stand auf dem Treppchen, die deutsche Nationalhymne wurde angespielt, dann gab es noch eine Medaille und eine Urkunde.
BZ: Wie geht es jetzt weiter?
Schneider: Ich werde auf jeden Fall weiter auf Wettkämpfe gehen, muss aber schauen, wie das mit der Schule passt. Bis jetzt klappt es ganz gut, das Training ist ein guter Ausgleich zum Lernen. Für die nächste WM bin ich aber nicht automatisch qualifiziert. Ich muss auch erst mal sehen, wo die überhaupt stattfinden – die Reise müssen wir selbst bezahlen.
BZ: Was bringt dir Karate eigentlich, außer Medaillen und Urkunden?
Schneider: Früher war ich nicht so sportlich. Aber seit ich Karate mache, hat sich das gut entwickelt. Wenn wir in der Schule Leichtathletik machen, bin ich eigentlich immer bei den Besten dabei. Im Karate-Training werden einfach alle Körperpartien beansprucht, manchmal habe ich Muskelkater an Stellen, die ich vorher gar nicht kannte. Der Sport bringt aber auch eine Menge Selbstbewusstsein: Schwierigkeiten, vor der Klasse zu sprechen, hatte ich noch nie. Gut: Ich mache schon so lange Karate, dass ich auch nicht sagen kann, wie es sonst wäre.
Autor: pam
