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22. Februar 2016

"Ein besonderer Ortsverein"

70 Jahre SPD Kenzingen: Feierstunde mit ehemaligen und aktuellen Abgeordneten.

  1. Ehrungen beim SPD-Ortsverein Kenzingen: Der Ortsverein feierte 70 Jahre Bestehen und ehrte bei der Feier zur Erinnerung an die Wiedergründung 1946 fünf Mitglieder für bis zu 40 Jahre in der Partei. Foto: Ilona Hüge

KENZINGEN. Der SPD-Ortsverein Kenzingen hat am Freitag in einer Feierstunde sein 70-jähriges Bestehen gewürdigt. Die Partei wurde am 24. Februar 1946 im "Salmen" wieder gegründet. Die Festrede hielt der frühere Bundestagsabgeordnete Peter Dreßen, die Landtagsabgeordnete Sabine Wölfle ehrte am Abend langjährige Mitglieder.

Elke Curdts-Müller, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Kenzingen, hatte am Freitagabend zur Feier im Kaminzimmer des AWO-Heims Abgeordnete und frühere Vertreter der SPD in Bund, Land und EU-Parlament eingeladen. Dazu kamen Gemeinde- und Ortschaftsräte sowie Nachbarn aus den Ortsvereinen Hecklingen und Herbolzheim. Die Sozialdemokratie entstand vor rund 150 Jahren, kämpfte für Gleichberechtigung und Solidarität. "Unser Ziel ist es, mit unserer Politik Chancengleichheit herzustellen", spannte Curdts-Müller den Bogen von den Anfängen bis heute.

Die Festrede hielt Peter Dreßen. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete war viele Jahr Unterbezirkssekretär und betreute in diesem Amt auch Kenzingen. "Dieser Ortsverein hat Höhen und Tiefen erlebt", sagte er zu den 70 Jahren seit der Wiedergründung. Vor allem die ersten Jahre waren "sehr turbulent", sagte er. Bei den Wahlen schlug sich das nicht nieder: Die SPD hatte in dieser Zeit immer mehr als 30 Prozent. Dreßen packte viele Informationen in seine kurzweilige Rede und erinnerte an die Vorsitzenden des Ortsvereins von Josef Guski über Roland Zoelle und Otto Däschner zu Thea Blattmann, Oswald Wagner und Thomas Lange. Nach einem Tiefpunkt im Ortsverein 1974 gab es wieder Aufwind: 1979 wählten die Kenzinger Claus Kopinski, einen Ortsfremden mit sozialdemokratischem Parteibuch zum Bürgermeister. Zu seinen Zeiten hatte auch Dreßens Vorgängerin Ruth Zutt ein Büro in Kenzingen. "Ich hoffe, dass die SPD auch die nächsten 70 Jahre gut übersteht", wünschte Dreßen.

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Gastredner würdigen politische Arbeit vor Ort

Der derzeitige Bundestagsabgeordnete Johannes Fechner gratulierte einem "ganz besonderen Ortsverein". Seit Jahrzehnten prägen und gestalten in Kenzingen viele Originale die sozialdemokratische Politik, sagte er. Er nahm seinen Glückwunsch zum Anlass, daran zu erinnern, wie wichtig es sei, dass sich die Bürger in den demokratischen Parteien organisieren und an den Wahlen teilnehmen.

Dietrich Elchlepp, ehemals Vertreter der SPD im EU-Parlament, würdigte die Kenzinger SPD als lebendigen Ortsverein, in dem prägende Veranstaltungen für den ganzen Landkreis stattfanden – unter anderem die Geburtsstunde zur Gründung der Wirtschaftsfördergesellschaft.

Ein weiteres Grußwort kam von Wilma Mall, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Herbolzheim. So richtig gut habe die Zusammenarbeit nicht geklappt, gestand sie mit Blick auf die Vergangenheit. Erst in den letzten Jahren wurde aber doch einiges gemeinsam geschafft, stellte sie fest. Einen Höhepunkt sah sie in der 150-Jahr-Feier mit Reinhold Gall. An die erinnerte sich sogar der damalige Festredner noch beim diesjährigen Aschermittwoch, erzählte Mall.

Die Ehrungen überreichte die Landtagsabgeordnete Sabine Wölfle. Für 40 Jahre in der SPD wurden Margitta Lange und Dieter Schulze geehrt. Lange engagierte sich als Personalrätin. Ihr Motto: "Man muss sich einmischen, wenn Schwächere herabgewürdigt werden." Schulz ist seit 32 Jahren Schriftführer im SPD-Ortsverein und gehöre zu denjenigen, die der Partei ein Gesicht geben, sagte Wölfle. Seit 25 Jahren sind Elisabeth Beha und Ralf Wolter Sozialdemokraten. Beha zog als erste Frau in den damals "tiefschwarzen" Bombacher Ortschaftsrat ein, und sie war auch die erste Frau in Südbaden, die Vorsitzende eines Fußballvereins wurde, sagte Wölfle. Heute ist sie Gemeinde- und Ortschaftsrätin. Ralf Wolter, Pianist bei der Feierstunde, ist der Erste in seiner Familie, der einen künstlerischen Beruf ergreifen konnte. "Ohne die sozialdemokratische Bildungspolitik wäre sein Leben anders verlaufen", hieß es in der Laudatio. Für zehn Jahre wurde Jan Kaukerat geehrt. Er zog vor einiger Zeit von Freiburg nach Nordweil und bringt Erfahrungen als Vorsitzender des SPD-Ortsvereins im "Stühlinger" mit.

Autor: Ilona Hüge