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14. April 2009 16:02 Uhr

Handbiking als Leidenschaft und Therapie

Eine von Steffen Ghani initiierte Hilfsaktion soll die Anschaffung einer behindertengerechten Rennmaschine für den querschnittsgelähmten Kenzinger ermöglichen.

  1. Das alte Handbike taugt nur noch als Hometrainer. Foto: Michael Haberer

KENZINGEN. "Handbiking bedeutet Leben." Auf diese kurze Formel bringt der querschnittsgelähmte Hans-Theo Wendland sein Faible für das Handbike oder Liegerad. Doch derzeit kann er mit seinem Liegerad nicht mehr über die Kenzinger Wege sausen. Es taugt nur noch als Hometrainer. Deshalb haben sich Marianne Tießler vom Kenzinger Hilfsfonds und die Radsportler von Herbolzheim aufgemacht, um das Geld für ein neues Handbike zusammen zu bekommen.

Der 55-jährige Wendland lebt im betreuten Wohnen des Kreisseniorenzentrums in Kenzingen. Seit 1980 sind beide Beine des früheren Unternehmers gelähmt. Wendland erinnert sich an die Zeit davor. Als Kraftfahrer habe er gearbeitet und da schwer schleppen müssen, erzählt der gebürtige Hesse. Das sei auf die Bandscheiben gegangen.

Irgendwann hieß es, Schmerzen und Knochenverschleiß hinzunehmen oder eine riskante Operation zu wagen. Wendland entschied sich für die Operation. "Die OP war negativ", erklärt er. Danach waren beide Beine gelähmt, der Kreislauf litt und er brauchte ständig Schmerzmittel. Trotzdem hat er bis 2004 gearbeitet. Er zog dann nach Südbaden, weil hier Verwandte lebten. Im Mai 2006 mietete Wendland eine Wohnung im Maximilian-Kolbe. "Ich war ständig auf der Suche und habe mich gefragt: Was kann ich machen?", blickt Wendland zurück. Auf der Rehacare 2006 in Düsseldorf habe er das Handbiken entdeckt, so Wendland. Für eineinhalb Tausend Euro habe er sich ein Liegerad gekauft, angefangen zu trainieren und dann Marathons zu fahren. In Luxemburg oder um die Müritz in Mecklenburg-Vorpommern hat er an Rennen teilgenommen, die meist an Läufermarathons gekoppelt sind.

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Erst hat er in Müllheim trainiert und seit dem vergangenen Jahr beim Radsportverein Herbolzheim. "Mein erster Marathon war ein Highlight", erzählt Wendland. "Danach wollte ich ständig mehr Leistung und dachte immer, da ist noch mehr drin", so Wendland. Inzwischen hat er an neun Marathons teilgenommen. Einmal wurde er Dritter über 90 Kilometer.

Der Nebeneffekt der sportlichen Leistung ist, dass Wendland inzwischen ganz auf Schmerzmittel verzichten kann. Doch im vergangenen Jahr machte sein gebrauchtes Handbike die Leistungssteigerung nicht mehr mit. Nachdem es ihn zum zweiten Mal aus einer Kenzinger Kurve gehauen hat und er mit einem Auto kollidiert war, machte er Schluss. Jetzt dient es als Hometrainer und er fährt täglich 50 bis 80 Kilometer virtuell über Berg und Tal.

Das sei aber kein Vergleich zum realen Training auf der Straße, betont Wendland. Er hat gedacht, in drei oder vier Jahren habe er die vielleicht 4000 Euro für ein gebrauchtes Bike zusammen. Solche Liegeräder werden "nach Gewicht und Wehwehchen angepasst, damit Du auch richtig Leistung bringst", erklärt Wendland. Bei einer richtigen Rennmaschine passe kaum noch eine Hand zwischen Gestell und Boden, so Wendland. Dafür müsse man aber 6000 Euro hinlegen, weiß er.

Doch irgendwie geht es nicht vorwärts mit dem Sparen und auch das zwischendurch versuchte Sammeln von Kupfer brachte nicht den großen Gewinn. Deshalb rührte sein Arzt Steffen Ghani die Werbetrommel, um Spender oder Sponsoren für ein Liegerad zu finden, damit Wendland wieder mit Tempo auf die Straße kann. "Er hat Gott und die Welt in Bewegung gesetzt und ich wusste gar nicht wie mir geschieht", kommentiert Wendland das Engagement Ghanis. Dieser wandte sich an Bürgermeister Matthias Guderjan, der ihn an Marianne Tießler vom Sozialfonds weiter reichte. Inzwischen ist daraus eine Spendenaktion unter der Schirmherrschaft des Radsportvereins Herbolzheim, des Sozialfonds sowie der Städte Kenzingen und Herbolzheim geworden. Am Mittwochabend stellen sie das Projekt im Kreisseniorenzentrum der Öffentlichkeit vor.

Spendenkonto: RSV Herbolzheim, KtNr: 57000104, Voba Lahr (68290000), Spendenzweck: H-T-W

Autor: Michael Haberer