Hilfe für traumatisierte Kinder

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 03. August 2017

Kenzingen

Drei Jahre nach dem Überfall der Terrormiliz IS auf die Jesiden: Verein Zarok setzt sich für Flüchtlingskinder-Projekt im Nordirak ein.

KENZINGEN (BZ). Heute vor drei Jahren überfiel die Terrormiliz IS die jesidischen Dörfer im Nordirak. In Frieden spielen – das konnten Kinder aus der lange umkämpften nordirakischen Stadt Mossul seit fast drei Jahren nicht mehr. Der in Kenzingen ansässige und in der Region aktive Verein Zarok engagiert sich gemeinsam mit einem Partnerverein in der Schweiz für Rückzugsorte für Kinder aus Mossul in zwei Flüchtlingslagern nahe der Stadt. "Child friendly spaces" lautet der Titel des Projekts, bei dem die Vereine auch mit Unicef zusammenarbeiten.

Die Menschen in der Kriegsregion machten und machen Schreckliches durch. Der Terror der islamistischen Eiferer macht auch vor Kindern nicht halt. Manche von ihnen waren als jesidische Flüchtlinge aus dem Sindjargebirge hierher entführt worden, wurden einer Gehirnwäsche unterworfen, geknechtet und misshandelt. Andere mussten vor Ort in ihren Familien die Gewaltherrschaft und Willkür des sogenannten islamischen Staates kennen lernen, wurden auf Schritt und Tritt reglementiert, eingeschüchtert und indoktriniert, schildert der Verein. Noch immer werde vereinzelt in der Stadt gekämpft, ein Teil der Bevölkerung sei aber inzwischen in Flüchtlingslagern in der Nähe untergekommen.

"Die traumatischen Erlebnisse haben die Überlebenden verändert, viele Kinder sind traumatisiert", betont der von Susanne Dorer und Sigrid Leder-Zuther geführte Verein. Oft sei unklar, in welchem Ausmaß sich die unaufhörliche Indoktrination der islamistischen Eiferer in die Köpfe und Herzen der Kinder geschlichen hat. Hier setzt das gemeinsame Projekt von Zarok und einem kleinen gemeinnützigen Verein aus der Schweiz an. In Kooperation mit "Khaima" – der Name bedeutet "schützendes Zelt" – richtet Zarok aktuell in zwei Flüchtlingslagern nahe Mossul kinderfreundliche Rückzugs- und Erholungsorte für geflüchtete Kinder ein.

Schätzen gelernt habe das Team von Zarok die Zusammenarbeit mit Andreas Goerlich von Khaima bereits bei dem Transport von Pflegebetten und medizinischem Bedarf im Dezember 2016. Der vor Ort tätige Gründer von Khaima regelte für den Transport von Zarok eine Vielzahl von organisatorischen Fragen und Problemen rund um Zoll und Grenzformalitäten, so dass die Spenden aus Südbaden schließlich vollständig und unversehrt vom kleinen Krankenhaus in Snuny im Sindjargebirge in Empfang genommen werden konnten. So konnte die medizinische Versorgung der Flüchtlinge im Sindjargebiet deutlich verbessert werden.

Beim aktuellen Kooperationsprojekt werden die Großzelte in den Lagern Fadiliya und Nergezlia nahe Mossul von Unicef überlassen. Die Kosten der Einrichtung zweier Zelte, 4 800 Dollar pro Zelt, übernimmt Zarok. Neben bruchsicheren Tischen und Stühlen sowie verschließbaren Metallkisten für Spielzeug und Hefte ist die Ausstattung der Zelte mit je einem Generator, der nach Bedarf kühlen oder heizen kann, besonders wichtig. Die Kinder können in den Zelten spielen, singen, reden und werden von einem ausgebildeten Team begleitet. Khaima stellt außerdem zwei Psychologen, die individuell auf die Bedürfnisse der Kinder reagieren können. Eltern werden, soweit verfügbar, in die Arbeit einbezogen.

Sowohl Zarok als auch Khaima arbeiten politisch und konfessionell neutral, helfen nach dem Maß der Not und wollen die Selbsthilfe der Flüchtlinge vor Ort stärken. Zarok legt besonderen Wert darauf, Kindern in der schwierigen Situation auf der Flucht Bildungsmöglichkeiten vor Ort zu eröffnen. Der Verein arbeitet bewusst mit ansässigen Organisationen, denn sie können die aktuelle Bedarfslage der Menschen realistisch einschätzen. Zarok vergibt keinerlei Gelder an einzelne Familien oder Privatpersonen.

Der Verein Zarok wurde im Frühsommer 2015 gegründet. Er entstand aus dem ehrenamtlichen Engagement für die von der kurdischstämmigen Dolmetscherin Zeynep Akay organisierten Sachgütertransporte in nordirakische Flüchtlingslager. Zarok will die Menschen unterstützen, die vor der Terrormiliz IS fliehen mussten und jetzt unter schwierigsten Verhältnissen in Flüchtlingslagern und Rohbauten im Nordirak ohne Perspektive leben. 2016 erhielt der Verein den "Zeitstifterpreis" des Sozialen Hilfsfonds im Landkreis Emmendingen.

Laut Internetseite des Vereins zog sich Zeynep Akay im Frühjahr aus dem Vorstandsteam zurück. Seit März ist Susanne Dorer erste Vorsitzende, Sigrid Leder-Zuther fungiert als ihre Stellvertreterin. Ende September werden sich beide wieder auf den Weg in den Nordirak machen und die Flüchtlingslager besuchen. Sie rechnen damit, dass weitere Mittel für die Unterstützung der Kinder gebraucht werden und freuen sich über jede Unterstützung.

Spendenkonto bei der Sparkasse Freiburg/ Nördlicher Breisgau, IBAN DE48 6805 0101 0013 069155, Verwendungszweck: Spende Flüchtlinge


Weitere Infos zum Projekt unter http://www.zarok.de und http://www.khaima.ch