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22. Juni 2009

Kinderpornos auf dem PC

Ein Student wurde vom Amtsgericht Kenzingen zu einer Geldstrafe von 3000 Euro verurteilt.

KENZINGEN. Das Amtsgericht Kenzingen hat einen Studenten aus dem Landkreis Emmendingen wegen des Verbreitens von kinderpornographischen Schriften zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 25 Euro verurteilt. Die Strafe von insgesamt 3000 Euro darf er in monatlichen Raten zu je 200 Euro abstottern.

Ein Landeskriminalamt war dem Studenten auf die Datenspur gekommen. Bei der Fahndung in Tauschbörsen des Internets entdeckten sie, dass er am 16. September 2008 einen rund 30 Minuten langen Pornofilm eingestellt hatte, in dem Kinder unter acht Jahren von Erwachsenen sexuell missbraucht werden. Über die IP-Nummer und den Provider kamen sie an Namen und Anschrift. Sein Computer und mehrere externe Festplatten wurden beschlagnahmt und von Spezialisten ausgelesen. Dabei wurde ein Unzahl Pornographie entdeckt. Darunter auch viele Dateien, deren Dateinamen auf Kinderpornogaphie hinwiesen. Der Tatnachweis schien erbracht, der Student bekam deshalb vom Amtsgericht Kenzingen einen Strafbefehl wegen des verbotenen Verbreitens kinderpornographischer Schriften in Höhe von 120 Tagessätzen zu je 30 Euro zugestellt. Er legte Einspruch ein, sein Fall wurde deshalb öffentlich verhandelt.

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Was hat Frischkäse mit Kinderpornodateien gemeinsam? Der Angeklagte versuchte es dem Gericht so zu erklären: Wer einen Frischkäse kauft, könne sich nicht sicher sein, dass er bis zum aufgedruckten Verfallsdatum genießbar ist. Und wer sich eine Datei aus dem Internet runterlade, könne sich nicht sicher sein, dass drin ist, was drauf steht. Mit dieser Erklärung wollte der Angeklagte beweisen, dass er nichts von Kinderpornos auf seinem Rechner gewusst habe. Daraufhin verlas der Staatsanwalt eine Reihe von Dateinamen, die sich in vom Angeklagten selbst erstellten Ordnern befanden. Den Namen nach handelte es sich offensichtlich um sexuelle Handlungen an Kindern unter elf und acht Jahren. Passende Fotos in den Ermittlungsakten belegten den jeweiligen Inhalt der Dateien. Als der Angeklagte erklärte, dass manchmal sogar harmlos klingende Musikdateien Kinderpornographie enthalten, gab er damit zu, von Kinderpornos auf seinem Rechner zu wissen.

Richterin und Staatsanwalt rieten ihm deshalb dazu, seinen Einspruch zurückzuziehen. Der Angeklagte willigte ein, wollte aber den Tagessatz ermäßigt haben. Diesen Gefallen tat die Richterin dem bislang nicht vorbestraften Studenten, als sie ihn um fünf Euro ermäßigte. Da Computer und externe Festplatten als Tatmittel gedient haben, sind sie vom Gericht ersatzlos eingezogen worden.

Autor: Peter Sliwka