Kernspintomographie als Thema

Joel Perin

Von Joel Perin

Sa, 12. November 2016

Elzach

BZ-INTERVIEW mit Alexander Ruh, soeben Doktor der Physik geworden / Ab Februar 2017 forscht er für zwei Jahre in Chicago.

ELZACH. Elzach hat jetzt einen promovierten Physiker: Alexander Ruh schloss sein Promotionsstudium an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg ab. Über sein Promotionsthema und seine berufliche Zukunft unterhielt sich mit ihm BZ-Mitarbeiter Joel Perin.

BZ: Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zur Verleihung des Doktorgrades. Wie fühlt es sich an?
Ruh: Dankeschön. Na ja, eigentlich nicht viel anders als zuvor. Das Ganze kam jetzt ja auch nicht von heute auf morgen, sondern ich hab’ die letzten fünfeinhalb Jahre darauf hingearbeitet und dann im Juli meine Arbeit abgegeben. Das war dann schon eine Erleichterung, als das geschafft war. Jetzt im September war schließlich noch die mündliche Prüfung, bei der dann eigentlich nichts mehr schief gehen konnte.

BZ: Ihre Promotion fand im Fachbereich Physik statt. Was genau haben Sie in Ihrer Arbeit untersucht?
Ruh: Genau, meine Promotion war an der Fakultät für Mathematik und Physik, aber meine Forschung habe ich am Universitätsklinikum durchgeführt. Dort war ich Teil der Abteilung Medizinphysik, die sich mit der Erforschung und Entwicklung neuer Techniken der Magnetresonanztomographie (MRT) oder auch Kernspintomographie beschäftigt. Ein entscheidender Punkt bei MRT-Bildern ist, dass die erreichbare Auflösung bei Aufnahmen am Menschen im Millimeterbereich liegt, es aber im Körper Gewebe- und Zellstrukturen gibt, die wesentlich kleiner sind und worüber man auch gerne Informationen erhalten würde. Diese Problematik ist ein großer Bereich aktueller Forschung mit unterschiedlichen Ansätzen, wo sich auch die Frage stellt, welche Informationen über diese Substruktur mit indirekten Methoden überhaupt gewonnen werden können. In meiner Arbeit mit dem Titel "Mesoscopic structure through the prism of transverse relaxation" habe ich nun auf Grundlagenebene untersucht und gezeigt, dass man aus dem aufgenommenen MRT-Signal Rückschlüsse auf die statistische Organisation der zugrundeliegenden Zellstrukturen treffen kann.

BZ: Im Februar kehren Sie Elzach für einige Zeit den Rücken. Wie kommt’s?
Ruh: Das hat sich irgendwie so ergeben. Eigentlich wollte ich erst nicht weiter in der Forschung bleiben, aber etwas Konkretes, was ich stattdessen nach der Promotion machen will, hatte ich auch nicht im Kopf. So wurde ich dann aufmerksam, als ich im Frühjahr zufällig mitbekam, dass eine mir nicht ganz unbekannte Arbeitsgruppe in Chicago Postdocs sucht. Der dortige Professor war zuvor hier in Freiburg an der Uniklinik. So kam eins zum andern und ich hatte schnell das Angebot, dort anzufangen. Schwieriger war dann eher der Prozess, mir nochmal genau zu überlegen, ob ich wirklich diesen Schritt gehen will. Aber wenn nicht jetzt, wann dann? So bin ich eben für die nächsten zwei Jahre in Chicago.

BZ: Wissen sie schon, was Sie dort genau machen werden?
Ruh: Ich arbeite dort als Postdoc, also als wissenschaftlicher Mitarbeiter mit Doktortitel und werde mich weiterhin mit MRT beschäftigen. Allerdings nun im Bereich kardiovaskulärer Bildgebung, was dann auch wesentlich angewandtere Forschung als jetzt mit direktem klinischen Bezug beinhaltet. Hier gibt es für mich zwar zunächst erst mal viel Neues zu lernen, aber darauf freue ich mich auch, nachdem ich immerhin über fünf Jahre am gleichen Thema gearbeitet habe.

BZ: Wann geht es los?
Ruh: Wenn es mit dem Visum keine Verzögerungen gibt, fange ich am 1. Februar dort an, also nach dem Narrentreffen, aber vor der Fasnet, wo ich dann wohl leider das erste Mal nicht da sein werde.

BZ: In Elzach sind Sie vor allem als Vorsitzender der Stadtmusik bekannt. Wie wird diese weitergeführt?
Ruh: "Das zeigt sich in den nächsten Wochen. Wir haben im Januar sowieso turnusmäßig Vorstands-Neuwahlen, wo ich dann eben nach acht Jahren als Vorstand nicht mehr kandidiere. Die Gespräche in der Stadtmusik laufen, um eine Vorstandschaft zusammenzustellen, die dann auch einen neuen Vorsitzenden haben wird."

BZ: Mit welchem Gefühl gehen Sie nun im Februar in die USA mit einem Präsidenten Donald Trump?
Ruh: Schon ein seltsames Gefühl, jetzt die nächsten zwei Jahre in einem Amerika mit Donald Trump als Präsident zu leben. Seine Äußerungen im Wahlkampf waren schon extrem, da können wir uns als Weltgemeinschft sicher auf Einiges gefasst machen, wobei man auch abwarten muss, wie er sich jetzt wirklich verhalten wird. Zwar sehe ich für mich keine direkten Auswirkungen, aber irgendwie bin ich schon froh, dass Chicago im demokratischen Illinois liegt und die Mehrheit dort sich nicht von Trump hat beeinflussen lassen. Über das ganze Land hinweg ist die Gesellschaft jedoch sehr gespalten, was schon beunruhigend ist, aber auch mit einer Präsidentin Clinton so wäre.

Alexander Ruh, 33, wohnt in Elzach und Freiburg. Er beendete eben sein Promotionsstudium und darf seit Mittwoch offiziell den akademischen Grad "Doktor" führen. Ab Februar geht er für zwei Jahre in die USA.