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20. März 2017 19:47 Uhr

NSU-Ausschuss

Kiesewetter-Mord: Waren doch Geheimdienste am Tatort in Heilbronn?

Spekulationen, wonach ausländische Geheimdienste am Todestag der Polizistin Michèle Kiesewetter am Tatort in Heilbronn waren, haben Nahrung erhalten. Grund ist die Aussage einer Anwältin im NSU-Untersuchungsausschuss des Stuttgarter Landtages.

  1. Prall gefüllte Ordner: Der Ausschuss, der das mögliche Versagen der Sicherheitsbehörden im Zusammenhang mit den NSU-Morden untersucht, hat viel zu tun. Foto: dpa

Der Mord an der Polizeibeamtin wird bisher der mutmaßlich rechtsterroristischen Gruppe NSU zugeordnet, deren Taten derzeit im Münchner Prozess gegen Beate Zschäpe verhandelt werden. Nun erklärte eine Rechtsanwältin vor dem Untersuchungsausschuss, eine Kontaktperson habe ihr erklärt, es sei am 25. April 2007 auf der Theresienwiese in Heilbronn um ein Waffengeschäft gegangen. Die Anwältin, die früher ein Mitglied der islamistischen Sauerland-Terrorgruppe verteidigt hatte, meldete sich selbst als Zeugin beim NSU-Ausschuss.

Mitarbeiter des türkischen Geheimdiensts als auch der CIA

Nach Angaben ihrer Kontaktperson sei am Tag der Ermordung Kiesewetters ein Türke in Heilbronn gewesen, der sowohl für den türkischen Geheimdienst MIT als auch für den amerikanischen Geheimdienst CIA gearbeitet haben soll. Letzterer sei auch selbst vor Ort gewesen. Die Anwältin erklärte, sie habe aus diesen Angaben geschlossen, dass es sich bei dem Türken um Mevlüt K. gehandelt habe. Er soll der Sauerlandgruppe Zünder geliefert haben. Zuletzt war der Ausschuss nach diversen Zeugenbefragungen davon ausgegangen, dass Mevlüt K. am 25. April 2007 nicht in Heilbronn gewesen sein konnte.

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Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass die Rechtsterroristen des "Nationalsozialistischen Untergrundes" (NSU) für zehn Morde zwischen 2000 und 2007 verantwortlich sind, auch an der Polizistin Kiesewetter. Amerikanische und deutsche Behörden hatten beteuert, es habe keinen Einsatz gegen Islamisten am Tattag in Heilbronn gegeben.

Zuvor hatte der Ausschuss versucht, durch die Befragung früherer Mitglieder der rechten Musikszene Hinweise auf mögliche Helfer der Rechtsterroristen zu bekommen. Eine frühere rechte Liedermacherin beteuerte, vom "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) erst aus den Medien nach ihrem Ausstieg aus dem Rechtsextremismus etwas gehört zu haben. Die 48-Jährige gab den Abgeordneten dennoch einige interessante Einblicke in die Szene. Die Bekenner-DVD des NSU war mit einem Lied der Rechtsrock-Band Noie Werte unterlegt, die aus dem Südwesten stammt.

52 Personen identifiziert, die direkten Kontakt hatten

Mit der Band Noie Werte hatte die frühere Liedermacherin Annett M. 2004 eine Maxi-CD aufgenommen. 2004/2005 trat die gebürtige Brandenburgerin, die zeitweise Mitglied der rechtsextremen NPD war, bei Konzerten etwa von rechten Kameradschaften im Südwesten auf – auch im Raum Heilbronn und Ludwigsburg. Später trat Annett M. mithilfe eines niedersächsischen Programmes aus den rechtsextremen Kreisen aus.

Eine Ermittlungsgruppe des Landeskriminalamtes hatte 52 Personen identifiziert, die direkten Kontakt zum NSU oder zu dessen Kontaktpersonen gehabt haben. Hinweise auf ein Unterstützernetzwerk sahen die Ermittler aber nicht.

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Autor: dpa