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20. Dezember 2011
Kinderstube für die Käfer
Die Naturschutzjugend hat im Möslepark eine Hirschkäfer-Pyramide gebaut.
WALDSEE. Vor kurzem wurde der Hirschkäfer (siehe Info-Box) zum Insekt des Jahres 2012 gekürt. Passend dazu haben Kinder und Jugendliche der Freiburger Naturschutzjugend (Naju) am Samstag eine Hirschkäfer-Pyramide im Möslepark gebaut. Dabei handelt es sich um eine künstlich angelegte Brutstätte, in der fortan zahlreiche Larven dieser bedrohten Art heranwachsen können. Da geeignete Kinderstuben rar sind, bleibt der Käfernachwuchs nämlich vielfach auf der Strecke. Die Stadt lobt die jungen Naturschützer für ihre originelle Initiative.
"Es ist immer schade, wenn ein Tier ausstirbt", sagt Rhea Pöter. Damit dem Hirschkäfer dieses Schicksal erspart bleibt, hat die 14-jährige Schülerin aus der Wiehre beim Bau der Hirschkäfer-Pyramide mitgeholfen und eine 30 Zentimeter tiefe Grube neben einem Eichenstumpf ausgehoben. In dieses Fundament wurden anschließend mit vereinten Kräften mehrere Eichenholz-Stücke aufeinandergetürmt, die ein Mitarbeiter des Garten- und Tiefbauamts tags zuvor von einem abgebrochenen Ast eigens für das Projekt kleingesägt hatte.Werbung
Zunächst rückte Naju-Gruppenleiter Robin Burck (19) aus Zähringen die großen Holzstücke in der Grube zurecht. Anschließend durften seine Schützlinge Eichensägemehl und Blätter in die Zwischenräume schütten, wobei auch die Kleinsten mit großer Begeisterung dabei waren. "Mir macht das Spaß, ich helfe dem Hirschkäfer gerne", meinte beispielsweise der achtjährige Otis Gallenmüller aus Littenweiler. Zum Abschluss der dreistündigen Aktion wurde das pyramidenförmige Gebilde mit etwas Erde ummantelt.
"Der Hirschkäfer ist in erster Linie deshalb bedroht, weil es ihm an Entwicklungsstätten für seine Larven mangelt", erläutert die Chefin der Freiburger Naju, Gisela Friederich. Als solche kämen vor allem alte Eichenwurzelstöcke in Frage. "Die findet man jedoch selten", sagt die pensionierte Biologielehrerin. Die neue Hirschkäfer-Pyramide solle daher als zusätzliches Angebot fungieren. "Der Geruch des Holzes lockt die Käfer an, und in das Eichenmehl können die Weibchen nach der Paarung ihre Eier ablegen", erklärt Friederich. Die Naturschützerin ist zuversichtlich, dass die Pyramide angenommen wird: Da die Käfer mehrere Kilometer weit fliegen können, seien sogar "Zuzüge" aus dem Mooswald möglich. Das Naju-Projekt stößt auch bei der Stadt auf Anerkennung. "Wir begrüßen diese Artenschutzmaßnahme ausdrücklich", sagt Berthold Vath vom Umweltschutzamt. Sie sei auch im Sinne des 2010 erarbeiteten Konzepts zur Erhaltung, Entwicklung und Pflege des Mösleparks.
HIRSCHKÄFER
Hirschkäfer (wissenschaftlich: Lucanus cervus) erreichen eine Größe von bis zu neun Zentimetern. Der Name spielt auf die geweihartigen Oberkiefer an, die vor allem bei den Männchen kräftig ausgebildet sind. Sie werden bei Kämpfen zwischen Rivalen sowie zum Festhalten bei der Paarung eingesetzt. Die Käfer fliegen im Juni und Juli. Dann versammeln sie sich auch gerne an alten Eichen, deren Saft sie lecken. Nach der Begattung legen die Weibchen ihre Eier unter der Erde an den Wurzelstöcken alter Eichen ab. Die anschließende Entwicklung der Larven im morschen Holz dauert fünf bis acht Jahre. Nach erfolgter Verpuppung schlüpfen die neuen Käfer im Frühjahr aus dem Boden, danach leben sie nur noch wenige Wochen. In Freiburg kommt der geschützte Hirschkäfer vor allem im Mooswald vor, einzelne Exemplare findet man hin und wieder auch im Mösle- und Konrad-Guenther-Park.
Autor: abr
Autor: Andreas Braun


