Blutbäder und Ballereien

ick

Von ick

Do, 17. Mai 2018

Kino

ACTION: "Deadpool 2".

Im weit gefächerten Arsenal der Marvel-Helden spielt Deadpool die Rolle des ungezogenen Jungen, der keine Tischmanieren hat und alles tut, um die Gäste zu vergraulen: Fluchen, schlechte Witze und jede Menge Blutbäder. "Ob Sie es glauben oder nicht: ‚Deadpool 2‘ ist ein Familienfilm", behauptet der Protagonist aus dem Off zu Beginn der Fortsetzung. Zu dem Zeitpunkt hat Deadpool (Ryan Reynolds) mit seinen beiden Samuraischwertern schon eine Heerschar chinesischer Mafiosi niedergemetzelt. Abgetrennte Köpfe und Gliedmaßen sind durch die Luft geflogen, während die Blutfontänen malerisch aus den Restkörpern sprudelten.

Nach getaner Arbeit wartet zu Hause schon die schöne Freundin Vanessa (Morena Baccarin) mit klar formuliertem Kinderwunsch, aber bevor es an die Familiengründung gehen kann, wird die Geliebte von einer Kugel des asiatischen Oberbösewichts tödlich getroffen. Vom Verlust schwer traumatisiert, verfällt Deadpool in Selbstmitleid und Pessimismus – bis er die Aufgabe bekommt, den jungen, pyromanischen Mutanten Russell (Julian Dennison) zu retten.

Aus der Zukunft ist in bester Terminator-Manier ein Mann namens Cable (Josh Brolin) angereist, der den jungen Feuerteufel umbringen will, weil er weiß, dass Russell in ein paar Jahren zu einem veritablen Bösewicht heranreifen wird. Dem Sequel merkt man deutlich an, dass "Deadpool" nicht unbedingt als Franchise-Unternehmen geplant war.

Etwas konzeptlos wird hier mit einer eher kryptischen Story einfach weiter geballert und gewitzelt. Lastwagenweise werden Insiderscherze aus dem Marvel-Universum angefahren, was auf Dauer genauso ermüdend wirkt wie der sarkastische Off-Kommentar des Superhelden.

Immerhin verhilft Josh Brolin als Arnold-Schwarzenegger-Wiedergänger dem Unternehmen punktuell zu unverhoffter Klasse, und Zazie Beetz als Mutantin Domino bringt ein wenig frischen Wind ins Wilde-Kerle-Spektakel. Der Schluss legt die Vermutung nahe, dass sich Deadpool in Zukunft auf der Leinwand innerhalb des X-Men-Kollektivs vergnügen wird. Das wäre eine kluge Entscheidung, denn dieses Sequel zeigt deutlich, dass die Figur einfach zu wenig für eine Trilogie hergibt. (Läuft flächendeckend, ab 16)