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21. April 2017

Der Alleskönner mit dem Haifischlächeln

Bösewicht, Frauenversteher, älterer Herr: Der US-amerikanische Schauspieler Jack Nicholson wird am Samstag 80 Jahre alt.

  1. Jack Nicholson Foto: dpa

Anfang des Jahres machte eine Nachricht in den Medien die Runde: Jack Nicholson wolle doch noch einmal vor der Kamera stehen: in einem Remake der deutschen Komödie "Toni Erdmann". Laut Guardian war Nicholson von Maren Ades Film so begeistert, dass er sich für eine Neuverfilmung starkmacht. Toni will er demnach natürlich selbst spielen – die Rolle als aufmüpfiger Alter mit wilder Mimik und schlechtem Benehmen würde zu Jack Nicholson passen. Schräge Typen sind seine Spezialität, das legendäre Haifischgrinsen wurde früh sein Markenzeichen. Am Samstag wird er 80 Jahre alt.

Er kam 1937 in New York auf die Welt, als John Joseph Nicholson. Dass seine 17 Jahre ältere "Schwester" June in Wirklichkeit seine Mutter und seine "Mutter" Ethel seine Großmutter war, erfuhr er zufällig im Jahr 1974. Wer sein Vater war, weiß er bis heute nicht. Schon als Jugendlicher träumte Nicholson vom Film, ging nach Hollywood, nahm Schauspielunterricht. Seine Karriere begann bei Roger Corman, dem König der B-Movies, mit kleinen Rollen in Horrorkomödien wie "The Little Shop of Horrors" (1960).

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Der Durchbruch kam 1969 mit dem Roadmovie "Easy Rider", das zum Kult wurde. Drei Biker – Peter Fonda, Dennis Hopper und Nicholson – touren durchs ländliche Amerika auf der Suche nach Freiheit, Drogen und Sex. Bis sie am bitterbösen Ende im Straßengraben landen, abgeknallt von bigotten Typen in einem Truck. Die Rolle als betrunkener Anwalt in "Easy Rider" prägte Nicholsons Repertoire. Er spielte oft unangepasste, abgründige Typen, wie den Kleinkriminellen R. P. Murphy in Milos Formans "Einer flog über das Kuckucksnest", jenem aberwitzigen Psychiatrie-Film, der 1975 den Nerv der Hippie-Generation traf. Er brachte Nicholson den ersten Oscar ein. In Roman Polanskis Thriller "Chinatown" aus dem Jahr 1974 legt Nicholson sich als Privatdetektiv Jake Gittes schmerzhaft mit den Reichen und Mächtigen an, steckt lauter Niederlagen ein – und grinst. Seine Partnerin ist Faye Dunaway. Der Typ "coole Blondine" wurde Nicholson öfter an die Seite gestellt, Kathleen Turner etwa in der Mafia-Komödie "Die Ehre der Prizzis".

Nicholson hat in vielen Genres brilliert, ob in Western ("Duell am Missouri"), Militärfilmen ("Eine Frage der Ehre"), Comics ("Batman") oder Romanzen wie "Zeit der Zärtlichkeit" (1983), für die er seinen zweiten Oscar erhielt. Er führte aber auch Regie, etwa bei der beachtlichen "Chinatown"-Fortsetzung "The Two Jakes". In Stanley Kubricks Horror-Klassiker "The Shining" aus dem Jahr 1980 spielt er einen Schriftsteller, der langsam in den Wahn abgleitet und seine Frau und den kleinen Sohn in Todesangst versetzt. Das hinterhältig-dämonische Grinsen im Gesicht dieses Jack Torrance vergisst man nicht so leicht.

Nicholsons Talent für das Komische wie das Tragische lässt sich an manchen seiner Altersrollen bewundern. In "Besser geht’s nicht", seinem dritten Oscar-Erfolg, ist er ein knurriger Großstadt-Sonderling. In "Was das Herz begehrt" spielt er 2003 einen eitlen alternden Playboy, der sich widerstrebend in eine Liebesgeschichte mit einer etwa gleichaltrigen – also "uralten" – Frau verwickelt sieht, hinreißend gespielt von Diane Keaton. Der Effekt verstärkt sich durch Nicholsons Frauenheld-Image im wirklichen Leben: Er lebt allein, pflegt aber zu den vier Müttern seiner fünf Kinder freundschaftliche Beziehungen, wie er sagt.

Mit einem berührend melancholischen Touch kommt der Schauspieler in "About Schmidt" (2002) daher, nach dem Roman von Louis Begley. Frisch verwitwet und in Rente zieht Warren Schmidt mit einem Wohnmobil ruhelos durchs Land und ist nirgendwo willkommen. Nicholson geht die Rolle ohne die üblichen Manierismen an – er ist einfach nur ein älterer Mann mit schütterem Haar und Bauchansatz, dem der neue Status "Rentner" ein unbehagliches Gefühl vermittelt. "Dass ich heute einen besseren Charakter habe, liegt am Älterwerden und am Nachlassen der Kraft", witzelte Nicholson vor einer Weile. "Es ist eine Frage der Balance. Man muss sich nur dran gewöhnen."

Autor: Bettina Thienhaus (epd)