Audimax

Die Stummfilm-Komödie "The General" mit Live-Musik

Fabian Ober

Von Fabian Ober

Di, 06. Juni 2017 um 00:01 Uhr

Kino

Krach, boing, plumps! Tollpatsch Johnnie Grey sitzt wieder auf dem Hosenboden. Von der Action ist aber kein Mucks zu hören: Es ist Stummfilm-Zeit beim aka-Filmclub der Uni Freiburg.

Auf der Leinwand des gut besuchten Audimax’ flackert die Komödie "The General" aus dem Jahr 1926, von und mit Stummfilm-Ikone Buster Keaton. Bei den Zeitgenossen gefloppt, von der Nachwelt als Meilenstein des Genres verehrt – und bei der Vorführung an diesem Abend gibt’s sogar ohne Tonspur etwas auf die Ohren. Frisch komponierte Live-Musik im Stil sinfonischer Filmmusik nämlich: Dirigent Lukas Grimm schrieb sie eigens dafür. Unter seiner Leitung liefert die Camerata Academica Freiburg den Sound zum Klassiker über den historischen "Andrews-Überfall" im amerikanischen Bürgerkrieg.

Keaton, neben Charlie Chaplin der größte Star dieser Ära, gibt dabei den Lokomotivführer Johnnie: ewig glücklos, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Der Südstaatler ohne Eignung zum Soldaten muss in den Wirren des Kriegs seine beiden Geliebten retten: die Lok namens "General" und die schöne Annabelle Lee, beide entführt von "bösen" Unionssoldaten. Bei den Verfolgungsjagden, erst als Jäger, dann als Gejagter, wird kein Gag-Fettnäpfchen ausgelassen. Die Slapstick-Dichte: enorm. Ein absurd lustiges Stück schwarz-weißer Filmgeschichte, das mit seinen vielen Kamerafahrten damals auch technisch Maßstäbe setzte.

Grimms abwechslungsreiche Musik unterstreicht die aberwitzige Handlung eingängig: eine gute Handvoll ausdrucksstarker Motive für die Figuren und Situationen, augenzwinkernd, melancholisch, pathetisch. Darunter auch: der weltweit bekannte Südstaaten-Song "When Johnny Comes Marching Home". Die Motive zerstückelt und dehnt Grimm, verknüpft sie harmonisch und stilistisch ständig neu. Besonders eindrücklich etwa, als sich kurz vor der Flucht zurück in die Heimat – mit der "General" freilich – die Südstaaten-Fanfare ganz allmählich in den Vordergrund manövriert. Die Verarbeitungen sind erzählende Stimmungsbilder, dazwischen gesellt sich atmosphärisches Effektmaterial für die Dramatik. Der ohnehin kurzweilige Film gewinnt durch die Epik der Musik ungemein an Dynamik, gerade weil das Kammerorchester meist sauber intoniert und vor allem präzise agiert. Genauigkeit ist oberstes Gebot im Zusammenspiel beider Medien. Celluloid verzeiht nicht, der Film läuft gnadenlos weiter, und schwups: Der Effekt ist futsch. Das passiert der Camerata lobenswert selten.
Stummfilme mit Live-Musik haben in Freiburg Konjunktur, wie auch Kooperationen zwischen Kommunalem Kino und dem Theater Freiburg der letzten Jahre belegen. Wenn Musik und Film so wunderbar harmonieren wie bei "The General", ist diese Entwicklung sehr begrüßenswert. Das meint auch das begeisterte Publikum.

Weitere Vorführung: 25. Juli 2017 im Augustinum in Freiburg. Uhrzeit noch offen.