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14. September 2017

Eine Reflexion über die Liebe

LIEBESDRAMA: Gabe Klinger zeigt in "Porto" viele Details.

Gabe Klingers Spielfilmdebüt Porto ist ein seltsamer Hybrid von einem Film. Eine Mischung aus Experiment und Erzählung; eine überdeutliche Hommage an filmische Vorbilder und doch etwas Eigenes; ein kurzer Film über eine flüchtige Affäre und zugleich eine Reflexion über das "epische" Gefühl der Liebe. Zwei Ausländer treffen in der portugiesischen Küstenstadt Porto aufeinander, der jungen Amerikaner Jake (Anton Yelchin) und die Französin Mati (zauberhaft: die Newcomerin Lucie Lucas).

Wir erfahren in Rückblicken, dass sie einen One-Night-Stand hatten. In Jake setzt diese Nacht unerwartet starke Gefühle frei, und auch für Mati scheint die intensive Begegnung mehr als nur schneller Sex zu sein. Aber ein Paar, so viel weiß man von Beginn an, sind sie trotzdem nicht geworden. Klinger erzählt diese Geschichte einer Nacht nicht linear, sondern verschachtelt und fragmentarisch, als beobachte man Erinnerungsfetzen der beiden Protagonisten.

Kein großes Gespür für den Spielort

Auch die experimentelle Arbeit mit unterschiedlichem Formaten für die Zeit- und Handlungsebenen suggeriert eine Orientierung, die man immer wieder verliert. In seinen stärksten Momenten hat Porto etwas vom Traum eines anderen Menschen, den man beobachten kann und dessen Zusammenhänge sich erst ganz allmählich erschließen.

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Den Höhepunkt bildet eine längere Sexszene, deren ganz und gar natürlich wirkende Sinnlichkeit ihresgleichen sucht. In anderen Szenen dagegen hat das Bemühen um Sinnlichkeit und formale Komplexität etwas Bemühtes. Aber trotz dieser etwas akademischen Anmutung und obwohl Klinger kein großes Gespür für den Spielort seiner Geschichte hat (wir könnten auch in Marseille oder Neapel sein), wirkt Porto dank der Summe seiner schönen Details am Ende doch überraschend berührend. Gerade durch die nicht immer ganz sicher gesetzten Brüche in der Linearität, durch das Sprunghafte und enervierend Mäandernde der Regie entwickelt sich ein Gefühl für die Unmöglichkeit der Liebe zwischen Jake und Mati, für diese diffuse Melancholie, kurz bevor der richtige Kummer einsetzt. (Läuft in Freiburg. Ab 6)

Autor: Kai Mihm