Foto-Künstler

Gelungene Doku über Cecil Beaton: Ein Multitalent im Dienste der Schönheit

Charlotte Janz

Von Charlotte Janz

Do, 12. Juli 2018 um 14:44 Uhr

Kino

Er kleidete Audrey Hepburn und fotografierte die Queen: Im Kino läuft derzeit der überzeugende Dokumentarfilm "Love, Cecil" über den britischen Fotografen Cecil Beaton.

Man muss kein Modefan sein, um "Love, Cecil" zu mögen. Nur Schönheit sollte man wertschätzen können. Ihr widmete Cecil Beaton (1904–1980) sein Leben. Lisa Immordino Vreeland hat 2011 bereits eine hochgelobte Doku über die Modeexpertin Diana Vreeland gedreht, die Großmutter ihres Mannes. 2015 folgte eine über die Kunstsammlerin Peggy Guggenheim. Mit ihrem neuen Dokumentarfilm betritt die Regisseurin also kein Neuland, auch wenn Beaton sich schwer einordnen lässt: Der Brite war einer der wichtigsten Fotografen des 20. Jahrhunderts, ein Dandy und Ästhet, Illustrator, Bühnenbildner, Kostümdesigner, Kriegsreporter und fanatischer Tagebuchschreiber.

"Love, Cecil" beginnt mit der ikonischen Ascot-Szene aus dem Musicalfilm "My Fair Lady". Die Damen der Upper Class tragen schwarz-weiße Roben, wagenradgroße Hüte und spitzenbesetzte Sonnenschirme. Für Kostümdesign und Szenenbild bekam Beaton 1965 zwei Oscars. Nach diesem geschickten Intro geht die Doku daran, uns zu erinnern, dass seine Talente weit darüber hinausgingen, Audrey Hepburn fabelhaft zu kleiden.

Im Ankleidezimmer der Mutter verwandelte sich sein Vorstadt-Leben in Kunst

Der Sohn eines Holzhändlers aus Hampstead schlich sich jung ins Boudoir der Mutter, um mit ihren Kleidern seinem Leben Kunst einzuhauchen. Für erste Fotoprojekte setzte er seine Schwestern in Szene, "hässliche kleine Schulmädchen". Als Student in Cambridge besuchte er nicht eine einzige Vorlesung, sondern gründete eine Theatergruppe und feierte mit der aristokratischen Boheme, den "Bright Young Things", elaborierte Kostümfeste. Beaton wurde Modefotograf für die Vogue in New York – und verlor wegen einer antisemitischen Skizze den Job. Ausgerechnet die Queen ermöglichte ihm ein Comeback: Beaton wurde Hoffotograf. Im Zweiten Weltkrieg reiste er als Kriegsfotograf um die Welt, später hatte er halb Hollywood vor der Linse.

Seine Tagebücher sind ein wichtiger Teil des Films. Aus dem Off scheint Beaton (gesprochen von Rupert Everett) mit uns in seiner Vergangenheit zu stöbern. Die Passagen zeichnen das Bild eines scharfzüngigen Beobachters – auch seiner selbst. Beaton fotografierte sich auch gerne – ein Glücksfall für die Doku –, oft mit blasiertem Blick. Seine faszinierenden Porträts, Mode- und Hollywood-Shootings zeigen oft scheinbar natürliche Posen, sind mit einer Neo-Edwardianischen Ästhetik aber genau inszeniert.

Wie Beaton der Dekadenz des Fin de Siècle nachtrauerte, sehnt man sich als Zuschauer nach der Zeit, als Adiletten noch nicht als Fashion durchgingen, sondern Mode das war, was bei einer Landpartie auf Ashcombe House getragen wurde, Beatons Herrenhaus von märchenhaftem Reiz.

Bis zum Schluss war Beaton innerlich zerrissen

Der Film wirft einen liebevollen, aber unsentimentalen Blick auf Cecil Beaton und zeigt auch seine Schwächen und Widersprüche. Sein Leben lang haderte er mit seiner Mittelstands-Herkunft, war süchtig nach Anerkennung der Schönen und Reichen. Er kultivierte Feindschaften, hatte Affären mit Männern und Frauen, doch seine große Liebe blieb unerwidert. Bis zum Schluss war Beaton rastlos und innerlich zerrissen. Wäre ich erfolgreicher gewesen, hätte ich mich auf eine Kunst beschränkt und die vertieft? Das fragte er sich. Die Angst, an der Oberfläche geblieben zu sein, muss Immordino Vreeland jedenfalls nicht haben. Ihr Dokumentarfilm ist ein vielschichtiges Porträt über ein Multi-Talent – sehr sehenswert.

"Love, Cecil" (Regie: Lisa Immordino Vreeland) läuft in Freiburg. Ohne Alterslimit.