Notgeile Senioren

Martin Schwickert

Von Martin Schwickert

Do, 14. Juni 2018

Kino

KOMÖDIE: "... erst der Anfang".

Dass Hollywood mit zahllosen Teenagerkomödien tapfer an der Verblödung der Weltjugend arbeitet, ist hinlänglich bekannt. Eine ähnliche Entertainmentstrategie scheint sich jetzt in Bezug auf die Zielgruppe älterer Mitbürger zu etablieren. Belanglose Lustspielware für die ergraute, zahlungskräftige Baby-Boomer-Generation läuft in der Filmfabrik nun gehäuft vom Band. Ron Sheltons "Das ist erst der Anfang" lockt wie die meisten Werke dieses Genres mit einer erstklassigen Besetzung: In Tommy Lee Jones, Morgan Freeman und Rene Russo treten hier erfahrene Hollywood-Veteranen an, die sich als zuverlässige Publikumsmagneten bewährt haben. Aber das beste Ensemble nutzt nichts, wenn das Drehbuch den Akteuren keine Angebote macht.

Shelton hat seine übersichtliche Story in einer luxuriösen Seniorenresidenz in Palm Beach angesiedelt, wo es sich Duke (Freeman) als Objektmanager besonders gut gehen lässt. Regelmäßig bedient er sich aus der Portokasse, regelmäßig erfreut er sich an den sexuellen Zuwendungen einer allzeit willigen Witwenschar. Konkurrenz bekommt der Geronto-Casanova durch Neuankömmling Leo (Jones), der ihm am Pokertisch, beim Golf und in der Damenwelt die lange Nase zeigt. Vor allem buhlen die beiden um die Aufmerksamkeit der unnahbaren Suzie (Russo), die sich jedoch als Controllerin des Mutterkonzerns outet und dem korrupten Residenzleiter das Handwerk legen soll.

Es ist schon ziemlich armselig, Charakterdarsteller dieses Kalibers in die Rolle von notgeilen Senioren zu stecken. Dabei geben die jüngsten Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gegen Morgan Feeeman manchen Szenen einen zusätzlich bitteren Beigeschmack. Erschreckender sind jedoch die abgrundtiefe Banalität des Drehbuchs, die flachen Pointen und ein hanebüchener Actionplot, der im letzten Filmdrittel sinnfrei eingeflochten wird. Wer seiner Zielgruppe einen solch faden Brei serviert, muss sich über die Verachtung des unterschätzten Publikums nicht wundern. In den USA spielte die Rentnerkomödie nicht einmal ein Drittel ihrer Produktionskosten ein. Gut so. (Läuft flächendeckend, ab 6)