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21. März 2017

Kino

16 Jahre nach der Kifferkomödie "Lammbock" folgt "Lommbock"

NEU IM KINO: 16 Jahre nach der Komödie "Lammbock" legt Christian Zübert mit "Lommbock" nach.

  1. Keine Macht den Drogen? Kai (Moritz Bleibtreu) sieht das nach wie vor nicht so eng. Foto: Wild Bunch

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Hier soll nicht der Cannabiskonsum verherrlicht werden. Nach einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rauchte 2014 rund ein Viertel der 18- bis 25-Jährigen zumindest gelegentlich eine Tüte, geschätzte zwei bis vier Millionen Deutsche tun es regelmäßig, Tendenz steigend. Wie sehr sie damit ihrer Gesundheit schaden, wollen wir nicht diskutieren, halten aber für alle Fälle fest: Kiffen ist nicht lustig. Dieser Film hingegen ist extrem lustig.

Im Jahr 2001 gelang dem jungen Würzburger Christian Zübert mit seinem Spielfilmdebüt "Lammbock" gleich ein großer Coup. Fast eine Million Menschen sahen und liebten die Komödie um die Freunde Kai und Stefan (Moritz Bleibtreu, Lucas Gregorowicz) und ihren Pizzabringdienst der besonderen Art: Ihre Spezialität, die heiß begehrte "Pizza Gourmet", trug unter der mittleren Salamischeibe Cannabisprodukte aus eigenem Anbau.

Seither hat sich viel Hanf in Rauch aufgelöst, nein: mehr denn je (siehe oben). Was also liegt näher, als dass Zübert, der längst einen Namen hat als anspruchsvoller Regisseur ("Dreiviertelmond", "Hin und Weg", "Ein Atem"), sich den Spaß macht und im Kino noch einmal eine Tüte dreht? Schließlich hat auch Danny Boyle gerade zu seiner Drogen-Groteske "Trainspotting" nach 20 Jahren den Nachschlag geliefert. Und wie dort ist das Sequel vor allem ein Wiedersehen mit den Figuren des Kultfilms, allen voran Ewan McGregor in "T 2" beziehungsweise Moritz Bleibtreu in "Lommbock". Bleibtreu spielt seine Figur mit soviel Lust am Hirnriss, dass es eine Wonne ist. Kai hat es nicht rausgeschafft aus seiner Heimatstadt Würzburg, aber macht nix, er betreibt jetzt einen Asia-Imbiss. Kunden hat er keine, (im ganzen Film kommt nicht einer) – kein Wunder, die Räume sind noch die alten, halt nur heruntergekommen, und das "a" im einstigen "Lammbock" an der Fassade hat er notdürftig mit einem "o" überpinselt, weil er findet, "Lommbock" klinge irgendwie asiatisch. Dagegen scheint Stefan richtig Karriere gemacht zu haben: Der Anwalt lebt in Dubai und ist mit der schönen und toughen Yasemin (Melanie Winiger) verlobt.

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Sie faseln in fremder Sprache,

aber verstehen sich bestens

Für die Hochzeit fehlen noch ein paar Papiere, deshalb fliegt Stefan nach Deutschland, wo ihn Kai strahlend empfängt – und zu einem Tütchen überredet. Wer hätte das gedacht: Es bleibt nicht bei dem einen… Schon erstaunlich, dass ein so wenig origineller Plot so viel Vergnügen bereiten kann, selbst wenn man "Lammbock" gar nicht oder nur noch sehr nebulös vor Augen hat. Es ist nicht nur der ansteckenden Spielfreude der Darsteller (darunter auch Wotan Wilke Möhring als Tourette-Frank) zu verdanken, sondern auch einigen netten Ideen in Christian Züberts Drehbuch.

So sprechen die Bekifften – nicht nur Stefan und Kai – polnisch; sie haben es nie gelernt, aber sie können es plötzlich: Ein hübsches Bild dafür, dass man im Drogennebel unverständliches Zeug wie in fremden Sprachen faselt, aber das sichere Gefühl hat, sich bestens zu verstehen.

Anfangs denken die Freunde, sie würden jetzt definitiv in unterschiedlichen Welten leben, aber Stefan musste nicht nur zusehen, wie sein Traum von einer Bar in der Karibik auf eine Strandbar im repressiven Dubai einschrumpfte, sondern ist auch auf das Taschengeld seines schwerreichen Schwiegervaters in spe angewiesen. Und bei Kai ist auch längst nicht alles so easy wie behauptet. Er hat Dauerstress mit seiner Sabine (Mavie Hörbiger), und deren pubertierender Sohn Jonathan (Louis Hofmann) scheint auf die schiefe Bahn zu geraten. Kai sieht ihn schon als Salafisten, aber Dealer ist halt auch keine Zukunftsperspektive.

Wie die Buddys versuchen, ihre Krisen wegzukiffen, anschließend aber umso tiefer im Schlamassel stecken, das ist bei aller Erwartbarkeit höchst unterhaltsam. Etwa wenn Stefan in Dubai zum Drogentest muss und Kai ihm mit einem Umschnall-Dildo zur sauberen Urinprobe verhilft: komplett albern, aber erzkomisch! Am Ende sieht es freilich so aus, als hätten sich die leicht ergrauten Jungs doch arg verzockt. Ob und wie sie da wieder rauskommen, könnte ein dritter Film erzählen, vielleicht mit dem Titel "Lummbock". Wir würden ihn wahrscheinlich auch angucken. Zumindest, wenn Moritz Bleibtreu wieder aufspielt wie – sorry, das ist jetzt die falsche Droge – frisch gekokst.

"Lommbock" (Regie: Christian Zübert) kommt am Donnerstag in die Kinos. (Ab 12)

Autor: Gabriele Schoder