Nur das Nötigste und davon täglich nur ein Stück

epd

Von epd

Do, 06. Dezember 2018

Kino

KOMÖDIE: Florian David Fitz holt mit "100 Dinge" den Stoff eines Dokumentarfilm-Selbstexperiments in den Mainstream.

Die Wegwerfgesellschaft und ihre Folgen: Was bisher vor allem Thema diverser Umwelt- und Nachhaltigkeitsdokumentationen oder Selbstversuchsprotokolle war, schwappt mit "100 Dinge" nun erstmals in Form einer Komödie auch in den Mainstream. Was wäre, wenn man mal ganz ohne jeden Besitz auskommen müsste, fragen sich Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer, die sich hier nach "Der geilste Tag" (2016) zum zweiten Mal für ein Filmprojekt zusammentun, Fitz als Autor und Regisseur, Schweighöfer als Produzent und beide als Hauptdarsteller.

Die Idee haben sie dem dokumentarischen Selbstexperiment "My Stuff" des finnischen Regisseurs Petri Luukkainen aus dem Jahr 2013 entlehnt, dabei aber die Fallhöhe gesteigert, indem sie aus dem Solo-Selbstversuch ein Duett für zwei junge Unternehmer machen. In einem hippen Berliner Start-up-Unternehmen sind Paul und Toni gerade dabei, Millionen mit einer App zu verdienen, die die Bedürfnisse potenzieller Kunden noch lückenloser analysiert. Am Ende der feuchtfröhlichen Firmenfeier steht dann plötzlich eine Wette: Die beiden wollen sich gegenseitig beweisen, dass sie auch ohne Besitz und Konsum können. Wer zuerst aufgibt, überschreibt dem anderen die Hälfte der Firmenanteile.

Am nächsten Morgen wachen sie verkatert und nackt in ihrem leergeräumten Superloft auf – was den Film vor allem ermöglicht, die properen Körper der beiden Stars ins Bild zu rücken. Jeden Tag dürfen sie nur einen einzigen Gegenstand zurück ins Leben holen. Aber was ist wirklich wichtig? Tag für Tag müssen Prioritäten gesetzt werden, und bald stellt sich heraus, dass mit den minimalistischen Mitteln sogar ein Date gelingen kann.

Der Film hinterfragt zwar durchaus ernsthaft die Dinge des Lebens, aber ohne irgendjemandem wehtun zu wollen. Die Helden manövrieren mal mit, mal ohne Kleider durch erlesen dekorierte Szenerien in bunt gestylten Hipsterbüros und malerisch leeren Lofts. Man wünscht sich sehnlich, es wäre alles ein bisschen bissiger, wilder, gefährlicher, radikaler.

"100 Dinge" (Regie: Florian David Fitz) läuft flächendeckend. Ab 6. Am Sonntag, 9. Dezember, stellen Fitz und Schweighöfer ihren Film im Offenburger Forum-Kino vor.