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14. Juli 2010

Von der Steinzeit in die Zukunft

Zum 100. Geburtstag des amerikanischen Animationskünstlers William Hanna, der die Familie Feuerstein und Tom und Jerry erfand.

  1. Joseph Barbera (links), William Hanna und ihre Geschöpfe Foto: dpa

Manche Cartoon-Fans sind bis heute überzeugt, dass "Yubbadubbadoo" eines der wichtigsten Wörter in der Steinzeit war. Womöglich glauben sie auch, dass Steinzeitmenschen in Autos fuhren, die sie mit ihren eigenen Füßen antrieben. So wie es der amerikanische Animationskünstler William Hanna in seinen Geschichten über die Familie Feuerstein erzählt hat. Dabei würde man es ihm, der heute 100 Jahre alt geworden wäre, so gerne glauben...

Hannas Zeichentrickserie mit Fred Feuerstein, dem Steinzeitmenschen und ewigen Verlierer, dessen Höhlenkumpel Barney, ihren Frauen Betty und Wilma und den Keulen schwingenden Kleinen ging in die Fernsehgeschichte ein. Sie lief in 60 Ländern in 22 Sprachen seit der Erstausstrahlung vor 50 Jahren bis heute.

Aber die Feuersteins sind nur ein kleiner Teil der Zeichentrickfamilie von William Hanna. Mit seinem Partner Joseph Barbera erschuf er mit den Jetsons auch den futuristischen Gegenpart zur Steinzeitfamilie, die tollpatschige Riesendogge Scooby-Doo und das wohl berühmteste Katze-Maus-Duo der Welt: Tom und Jerry.

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Mit den streitlustigen Tieren kam für Hanna und Barbera der Ruhm. Hanna, Ingenieur aus Melrose, New Mexico, hatte als Trickfilmzeichner begonnen, 1936 erstmals Regie geführt und ein Jahr später Barbera getroffen. Damals arbeiteten beide bei Metro-Goldwyn-Mayer (MGM), der Filmproduktionsfirma mit dem brüllenden Löwen im Trailer. Nach ihren Erfolgen mit Tom und Jerry – vor allem der ersten Oscar-Nominierung – entwickelten sie die Serie weiter und mischten selbst Schauspieler wie Gene Kelly und Esther Williams unter die Comicfiguren. 1957 machten sie sich unter dem Namen Hanna-Barbera selbständig und brachten mehr als 3000 Fließband-Filme ins Kino und ins Fernsehen.

Ihre Serie mit dem blauen Hund, Huckleberry Hound, schauten 1960 einer Studie zufolge mehrheitlich Erwachsene zu. Daraufhin schufen Hanna und Barbera mit der Familie Feuerstein, den Flintstones, bewusst ein Programm für die beste Fernsehzeit am Abend. Die Serie, mit einer typisch-amerikanische Familie im Mittelpunkt – nur eben gezeichnet – lief sechs Jahre auf dem Sender ABC. Fred Feuersteins "Yubbadubbadoo" wurde ein gängiger Jubelschrei. Die Jetsons folgten 1962 ihren steinzeitlichen Vorgängern. Hanna selbst fand die Serie nicht besonders "brillant". Sein Partner sagte 1987 auf der Party zum 25. Geburtstag ihres Werks: "Irgendwer hat uns gefragt: Was gibt es als nächstes? Da haben wir eben aus der Steinzeit die Zukunft gemacht. Wir haben uns viele Spielereien ausgedacht – und es hat funktioniert." Mit ihren Cartoons gewannen Hanna und Barbera sieben Oscars und acht Emmys.

Hanna starb im März 2000 im Alter von 90 Jahren in seinem Haus in Hollywood. Dort hatte er mit seiner Frau Violet, mit der er 65 Jahre lang verheiratet war, einem Sohn und einer Tochter gelebt. Der Kritiker Leonard Maltin schrieb in einem Buch über den Zeichentrickfilm in Amerika, Hanna habe den Figuren Wärme und Attraktivität gegeben, während Barbera für die Gags zuständig gewesen sei. "Ich war nie ein guter Künstler", spielte Hanna seine Arbeit herunter. Durch Barberas Fähigkeit, jeden Ausdruck und jede Stimmung mit ein paar Strichen zu Blatt zu bringen, sei das aber nicht so aufgefallen. Fishing for compliments nennt man das wohl.

Autor: Sarah Nagel