Zarte Romanze in den verschneiten Weiten Kanadas

Anke Sterneborg

Von Anke Sterneborg

Do, 07. Dezember 2017

Kino

DRAMA: In "Zwischen zwei Leben" von Hany Abu-Assad kommen sich Kate Winslet und Idris Elba nach einem Flugzeugabsturz näher.

Einer jener heftigen Stürme, die es derzeit immer häufiger gibt, bringt den Flugverkehr in Idaho zum Erliegen. Während die meisten Passagiere sich mehr oder weniger murrend mit der Verzögerung arrangieren, steht für Alex (Kate Winslet) und Ben (Idris Elba) mehr auf dem Spiel: Sie will am nächsten Tag heiraten, er als Neurochirurg das Leben eines Menschen retten. "Es sieht so aus, als hätten wir dasselbe Problem", konstatiert sie und schlägt vor, gemeinsam ein kleines Flugzeug mit einem unerschrockenen Piloten (Beau Bridges) zu chartern.

Reisezweckgemeinschaften erweisen sich im Kino meist als tückisch, was dann wahlweise in einer aberwitzigen Komödie mündet oder, wie hier, in einem harschen Überlebensdrama. Gerade als der Pilot die endlose Weite der abgeschiedenen Berglandschaften preist, die sie gerade überfliegen, erliegt er in luftiger Höhe einem Schlaganfall. Als Glück im Unglück erweist sich, dass die Bruchlandung von den Schneemassen abgefedert wird, was andererseits die Überlebensbedingungen drastisch verschärft. Wie gut, dass Ben nicht nur aus den Trümmern des Flugzeugs einen Schutzraum gegen Kälte und Wildtiere bauen, sondern auch als Arzt Verletzungen fachmännisch versorgen kann.

Als nach den ersten Tagen des Überlebens die Hoffnung auf Rettung schwindet, beginnen die beiden, sich einen Weg ins Tal zu bahnen, zu einem See, dessen Eisfläche nachgibt, und zu einer Hütte, die provisorischen Schutz bietet. Der palästinensische Regisseur Hany Abu-Assad, der in "Paradise Now" und "Ein Lied für Nour" die politischen Spannungen seiner Heimat thematisiert hat, bewegt sich mit dieser Verfilmung eines Romans von Charles Martin erstmals auf politisch neutralem Boden. Während sich Flugabsturzdramen meist auf den Überlebenskampf beschränken, geht es hier um die Frage, wie das Leben nach einer so einschneidenden Erfahrung weitergeht. Die Verlagerung vom existenziellen Ringen des Menschen gegen die Natur zu einer zarten Romanze unter extremen Bedingungen bis zur Revision des Lebens wirft den Film jedoch aus der Balance.

Diesem Missverhältnis zum Trotz bezieht "Zwischen zwei Leben" aber auch viel Kraft aus der harschen Schönheit der kanadischen Natur und aus dem Charisma seiner beiden Hauptdarsteller, denen man auch durch dramaturgische Stromschnellen gerne folgt.

"Zwischen zwei Leben" (Regie: Hany Abu-Assad) läuft flächendeckend. (Ab 12)