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29. Januar 2009

"Feuerherz"

ANTIKRIEGSFILM: Ein einziges Missverständnis

  1. Letekidan Micael Foto: senator

Mit "Feuerherz" hat sich Luigi Falorni keinen Gefallen getan. Der erste fiktionale Stoff des bisherigen Dokumentarfilmers ist so misslungen, dass
es fraglich scheint, ob Falorni sich
nochmal an einem Stoff für das große Publikum versuchen darf. Dabei hätte "Feuerherz" ein Knüller wie "Nirgendwo in Afrika" werden können. Dramatisches Schicksalskino vor exotischer Kulisse.

Als die Produzenten 2005 die Kinorechte an Senait Meharis Kindersoldatenbiographie "Feuerherz" kaufen, ist das Buch ein Bestseller. Doch die Lebenslügengeschichte ist inhaltlich fragwürdig, historisch nicht haltbar. Im Februar 2008 hat "Feuerherz", der Film, auf der Berlinale Premiere. Im April wird "Feuerherz", das Buch, vom Markt genommen. Zu diesem Zeitpunkt gilt bereits folgende Sprachregelung: Mehari habe Falorni inspiriert, er habe aber nie geplant, ihr Buch zu verfilmen.

Glaubwürdig? Fest steht: Gerade die besonders aufwühlenden Szenen des Buchs waren für den Film tabu, da sich an ihnen die Diskussion um die Glaubwürdigkeit entzündet hat. Ob Falorni versucht hat, aus dem Rest das Beste zu machen, oder ob er von Anfang an den Film im Kopf hatte, der jetzt anläuft – das Ergebnis ist trivial. "Feuerherz" betrachtet den Krieg mit den Kulleraugen der zehn Jahre alten Kindersoldatin Awet. Eine Idee, die nicht trägt, weil der Regisseur nicht über die Weltsicht des kleinen Mädchens hinausgeht. Die gleichnishafte Handlung und die Wucht christlicher Symbolik sollen eine zweite Ebene einziehen, bringen statt Tiefe aber nur Pathos. Zu wenig für einen Film, der die universelle Geschichte vom Elend der Kindersoldaten erzählen will.

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Ähnlich "gelungen" ist auch der Soundtrack von "Feuerherz". In dem von Senait Mehari interpretierten Titelsong "One Of Us" ist ein eritreisches Kinderlied eingewoben – dachten die Macher. Tatsächlich handelt es um die Durchhalteschnulze "Weledi" aus den frühen 80ern. Damals führte Eritrea Krieg gegen Äthiopien – und "Weledi" war so populär wie ehedem "Davon geht die Welt nicht unter". "Weledi" ist eine Hymne der Soldaten auf ihre Eltern. Die Helden der Front besingen die Helden des Alltags – und wissen danach wieder, wofür es sich zu kämpfen und zu sterben lohnt. So kommt es, dass in einem Antikriegsfilm
"Feuerherz" ein Propagandaschlager zu hören ist. "Feuerherz" ist ein
einziges Missverständnis. (Läuft in Freiburg)  

Autor: Peter Disch