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25. Januar 2012
"Clooney hat etwas Altmodisches"
TICKET-INTERVIEW: Regisseur Alexander Payne über seinen neuen Film und dessen Hauptdarsteller.
Mit Filmen wie "About Schmidt" und "Sideways" hat sich Alexander Payne (50) einen Namen als Arthaus-Regisseur gemacht. Immer häufiger klopfen auch Hollywoodstars an seine Tür. George Clooney durfte jetzt in eine für ihn ungewöhnliche Rolle schlüpfen. In "The Descendants" (Die Nachkommenschaft) spielt er einen verzweifelten Vater, dessen Frau im Koma liegt. Dafür bekam er einen Golden Globe, die gleiche Auszeichnung ging an den Film als Bestes Drama. Ein weiterer Gewinn für Payne, den Markus Tschiedert in Berlin traf.
Ticket: George Clooney hat man auf der Leinwand so noch nie gesehen. Wie kam es zu Ihrer Zusammenarbeit?Alexander Payne: Wenn man mal einen Film machen will, fühlt man sich bei der Besetzung der Hauptrollen wie ein Gefangener. Gewöhnlich hat man fürs Casting sechs Monate, und es geht auch darum, wer berühmt genug ist. Glücklicherweise ist Clooney einer der wenigen Stars in Hollywood, die ich wirklich mag. Er hat etwas Altmodisches und ist dabei sehr wandlungsfähig. Die meisten Zuschauer nehmen ihn als coolen und glatten Typen mit einer gewissen Gleichgültigkeit wahr. So wird Clooney auch in "The Descendants" eingeführt, doch ich fand es spannend, wie sich dieser Typ durch die Umstände wandelt, sensibler und verletzbarer wird.
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Payne: Nun, man vergleicht ihn nicht von ungefähr gern mit Clark Gable, James Stewart oder Cary Grant, weil man sich Clooney in alten Filmen wie "Leoparden küsst man nicht" oder "Das Fenster zum Hof" wirklich vorstellen kann. Er hat aber auch die Vielseitigkeit und die Wärme eines Marcello Mastroianni, und diesen Teil von ihm wollte ich in "The Descendants" besonders hervorbringen.
Ticket: Ein Star wie Clooney muss aber stets auch auf seine Beliebtheit achten. Als Regisseur darf man ihn also nicht zu unsympathisch erscheinen lassen...
Payne: Ich kann mich nicht um solche Zusammenhänge kümmern, mein Job ist es, was zwischen Anfang und Ende passieren muss. Ich fragte mich aber tatsächlich, wen ich früher besetzt hätte, als es Clooney noch gar nicht gab. Da kam ich auf William Holden, der wäre auch perfekt für die Rolle gewesen.
Ticket: Nun erlebt Clooney den schlimmsten Alptraum, den ein Mann haben kann. Was faszinierte Sie persönlich an dieser Story?
Payne: Sicher gab es schon viele Filme über distanzierte Väter, die zu viel arbeiten. Das sind Elemente, die in "The Descendants" ebenso aufkommen, aber wir gehen schon ein Stück weiter. Denn Clooney ist gezwungen, tatsächlich einen Schlussstrich zu ziehen. Seine Frau liegt im Sterben, und trotz aller Schuld muss er sich aussöhnen und sich verabschieden. Und das alles passiert auf Hawaii – ein Schauplatz, wie ich ihn definitiv so noch nie im Kino gesehen habe.
Ticket: In dieser Hinsicht hat der Film auch komische Momente...
Payne: Wer will schon ständig heulende Menschen sehen? Ich habe furchtbare Angst davor, einen übersentimentalen Hollywoodfilm zu drehen, weshalb ich stets eine gewisse Distanz halte. So dramatisch die Ereignisse im Film sind, gedreht wurde er von einem Regisseur, der sich eher auf Komödien versteht.
Ticket: Woher kommt Ihre Angst?
Payne: Damit wir uns richtig verstehen: Ich mag es schon, emotional zu werden, um den Zuschauern die Gefühle zu vermitteln, die man selbst hat. Aber wer will ein schmalziges Rührstück sehen? Ich nicht.
Ticket: Sie gehören im US-Filmgeschäft zu den wenigen Regisseuren, die den Final Cut haben, das heißt, kein Studio oder Produzent darf an Ihrer Version herumschnippeln...
Payne: Das habe ich auch gelesen. Ich habe bei "About Schmidt" darum gebeten, und man gewährte es mir. Ich weiß nicht, ob das immer noch so ist, weil ich mich nie wieder darum gekümmert habe. Meine Erfahrung ist aber, dass sich Studios eher scheuen, sich in die Arbeit eines Regisseurs einzumischen, um nicht als Knülche dazustehen. Nun versuche ich auch, die Kosten meiner Filme im Rahmen zu halten, was mir kreative Freiheit lässt, weil es nicht so wichtig ist, wie hoch der Profit ist, wenn die Produktionskosten nicht so hoch waren.
THE DESCENDANTS
Regie: Alexander Payne
Mit George Clooney, Shailene Woodley, Robert Forster und anderen
110 Minuten, frei ab sechs Jahren
Die Story
Mitten im Verkauf eines Landstücks wird Geschäftsmann Matt King (George Clooney) von einem Schicksalsschlag getroffen. Seine Frau liegt nach einem schweren Bootsunfall im Koma. Es gibt nur noch wenig Hoffnung, und Matt muss nun die gemeinsamen Töchter damit konfrontieren. Erst jetzt bemerkt er, dass er sich schon längst von ihnen entfremdet hat. Und noch eine Tatsache kommt auf den Tisch: Seine Frau hatte einen Liebhaber...
Autor: bz
Autor: tsc
