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28. April 2010
"Mit Jim Carey zu küssen war schön"
TICKET-INTERVIEW: Schauspieler Ewan McGregor über seine neue Filmrolle, über Familie und Karriere.
Lange Zeit war es ruhig um Ewan McGregor (39), doch jetzt vergeht kaum ein Monat ohne einen Film mit ihm. Nach Roman Polanski "Der Ghostwriter", einem Nebenauftritt in "Eine zauberhafte Nanny 2" und der Komödie "Männer, die auf Ziegen starren" erlebt man den schottischen Schauspieler in der Rolle eines Homosexuellen. "I Love You Phillip Morris" flüstert ihn ausgerechnet Jim Carrey zu. Markus Tschiedert hat sich mit Ewan McGregor unterhalten.
Ticket: Hat es Sie Überwindung gekostet, in "I Love You Phillip Morris" einen Schwulen zu spielen?Ewan McGregor: Es war ja nicht das erste Mal für mich. Homosexuelle Männer spielte ich bereits in "Velvet Goldmine" und "Scences Of A Sexual Nature". Als Schauspieler gehört es nun mal dazu, in andere Rollen zu schlüpfen. Aber es scheint immer noch ein Thema zu sein, wenn man Schwule spielt. Dabei geht es in "I Love You Phillip Morris" doch in erster Linie um eine romantische Liebe.
Ticket: Okay, wie gut kann Ihr Filmpartner Jim Carrey küssen?
McGregor: Ich glaube, es gibt keine Frage, die mir in diesem Zusammenhang häufiger gestellt wurde. Es hatte etwas Schönes, mit Jim zu küssen. Wir tanzen und küssen, und wenn man das auf der Leinwand sieht, wirkt es sehr emotional. Ich bin stolz drauf, dass wir beide es so romantisch hingekriegt haben.
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McGregor: Zwischen 2002 und 2007 war ich einfach mit anderen Dingen beschäftigt. Ich machte zwei lange Touren durch etliche Länder mit dem Motorrad und spielte viel auf Theaterbühnen. Das war eine interessante Phase für mich, in der ich viel dazulernen konnte.
Ticket: Was denn?
McGregor: Wenn man mit dem Motorrad durch fremde Kontinente unterwegs ist, kommt man in ganz andere Situationen und sieht die Welt plötzlich mit anderen Augen. In Europa und Amerika geht immer alles seinen gewohnten Weg, man denkt gar nicht erst darüber nach, wie es in Sibirien, Kasachstan oder inmitten von Afrika zugeht. Es ist so faszinierend, Menschen zu treffen, die sich mit völlig anderen Problemen auseinandersetzen müssen als wir.
Ticket: Sie haben wilde Zeiten hinter sich. Sind Sie auch innerlich ruhiger geworden?
McGregor: Ich bin nicht besonders gut darin, auf der Couch zu sitzen und nichts zu tun. Aber wenn ich mal einen Tag frei habe, kann ich mir nichts Schöneres vorstellen, als nach Hause zu meiner Frau und den Kindern zu kommen und ein normales Familienleben zu führen. Bei drei Kindern kann aber generell nicht einfach mal faulenzen?
Ticket: Welche Herausforderung möchten Sie als nächstes?
McGregor: Bei Dreharbeiten zu einem Film in New York gab es so viel Pausen, dass ich zu schreiben anfing. Ich saß am Laptop und begann eine Geschichte. Ich hatte so viel Spaß, dass daraus ein ganzes Drehbuch geworden ist. Vielleicht sollte ich mal darüber nachdenken, es selbst zu verfilmen. Regie führen – das wäre auf jeden Fall eine neue Herausforderung für mich.
Ticket: Ihren größten Erfolg hatten Sie mit "Star Wars", obwohl Ihnen das Spielen vor leeren Kulissen nur wenig Spaß bereitet haben soll. Würden Sie mal wieder in so einem trickreichen Abenteuer einsteigen?
McGregor: Das käme auf das Projekt an. Es hat sich seitdem ja noch sehr viel mehr getan – wenn man etwa an Filme wie "Avatar" denkt, wo man als Schauspieler mit neuester Technik total verfremdet wird. Ich würde nicht um jeden Preis dabei sein wollen: Letztendlich ist es immer die Story, auf die es ankommt.
Ticket: Sie waren auch mal als neuer James Bond im Gespräch. Wären Sie daran immer noch interessiert?
McGregor: Daniel Craig macht als neuer Bond einfach einen guten Job, seinen Vorgänger Pierce Brosnan fand ich aber auch sehr gut. Es ist schon toll, wie jeder Schauspieler der Rolle seine eigene Marke verpassen kann. Ich mag Bond-Filme, wüsste aber nicht, ob das wirklich etwas für mich wäre. Man ist wirklich festgelegt, und es bleibt kaum noch Zeit für andere Sachen. Aber genau das will ich: noch viele neue Dinge ausprobieren.
I LOVE YOU, PHILLIP MORRIS
Regie: Glenn Ficarra & John Requa
Mit Jim Carrey, Ewan McGregor, Leslie Mann, Rodrigo Santoro und andere
97 Minuten, frei ab 16 Jahren
Die Story
Steve Russell (Jim Carrey) liegt im Sterben und lässt sein leben noch einmal Revue passieren. Einst war er ein vorbildlicher Polizist und Christ, heiratete eine schöne Frau (Leslie Mann) und gründete eine Familie. Doch dann bricht das wahre Ich aus ihm heraus. Steve lässt alle gesellschaftlichen Tugenden hinter sich, zieht nach Miami und entdeckt, dass in ihm kriminelle Energien schlummern und er in Wirklichkeit auf Männer steht. Seine Betrügereien bringen ihn schließlich hinter Gitter, wo er zum ersten Mal echte Liebe empfindet. Der Auserwählte ist Phillip Morris (Ewan McGregor).
Autor: bz
Autor: tsc
