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18. November 2010

So schön, diese Palästinenser!

NAHOST-DRAMA: "Miral".

  1. Freida Pinto Foto: prokino

Julian Schnabel, Sohn amerikanischer Juden, verfilmte ein Drehbuch seiner Lebenspartnerin Rula Jebreal, einer palästinensischen Journalistin. Da stellt sich sofort die Frage, wie sich die unterschiedlichen Sozialisationen und die vermutlich auseinanderdriftenden politischen Prägungen von Regisseur und Drehbuchautorin bemerkbar machen werden. Die erste Überraschung besteht denn auch darin, dass "Miral" auf eine jüdische Perspektive verzichtet und komplett aus der Sicht palästinensischer Frauen erzählt ist.

Die erzählerische Klammer bildet die wahre Geschichte der willensstarken Hind Husseini (Hiam Abbass), die 1948, dem Jahr der israelischen Unabhängigkeitserklärung, in Jerusalem ein Waisenhaus für arabische Mädchen gründet. Hier landet dreißig Jahre später auch die siebenjährige Miral, nachdem ihre psychisch labile Mutter Nadia, deren leidensvolle Geschichte zuvor erzählt wurde, die Familie verlassen hat. Mirals Geschichte nimmt fast die gesamte zweite Hälfte des Films ein und schildert ihre Entwicklung zu einer politisch engagierten jungen Frau und Journalistin.

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Nach seiner Uraufführung bei den Filmfestspielen in Venedig wurde "Miral" von Kritikern als palästinensischer Propagandafilm bezeichnet, in dem israelische Juden ausschließlich in Form brutaler Militärs oder rassistischer Richter vorkämen. Dieser Vorwurf ist gleichermaßen nichtssagend und absurd: Der Film scheitert im Gegenteil an seiner politischen Verzagtheit und einer biederen Inszenierung, die politisch eingefärbte Emotionalisierungen scheut und fortwährend versucht, das Anliegen der Palästinenser für ein breites Publikum speziell in Amerika goutierbar zu machen.

In Schnabels Palästina trägt keine Frau ein Kopftuch, die Menschen sind durchweg von hollywoodtauglicher Schönheit (Miral wird bezeichnenderweise von der Inderin Freida Pinto gespielt), und die Araber sprechen selbst untereinander in fließendem Englisch. Die Ressentiments durch rassistische Juden und die israelische Armee stehen eher symbolisch für den großen Konflikt zwischen den Völkern, und in regelmäßigen Abständen darf ein PLO-Aktivist die Bedeutung des gewaltlosen Widerstands und die Sinnhaftigkeit einer Zwei-Staaten-Lösung betonen. (Läuft in Freiburg)

Autor: Kai Mihm