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11. August 2012

Gastro im Kino

Französische Doku zeigt das Leben einer Koch-Familie

"Entre les Bras – 3 Sterne. 2 Generationen. 1 Küche" ist mehr als nur das Porträt des Drei-Sterne-Kochs Michel Bras und seiner Familie.

  1. Versuchslabor Küche: Michel Bras (links) und sein Sohn Sébastien Foto: dpa

So ähnlich wird es wohl aussehen, wenn ein Maler beginnt, die Leinwand mit Farbe zu füllen. Den Pinsel routiniert geführt, mit eleganter Bewegung die einzelnen Farbtöne aufgetragen, dünne Striche, dicke Striche. Und aus der Fülle der für sich gesehen abstrakten Elemente formt sich allmählich das Produkt heraus – will heißen: Aus der Summe der Striche und Flächen ergibt sich das Kunstwerk. Nur dass es im sich zu beschreibenden Fall um kein Bild handelt, sondern um einen Vorspeisenteller, eine extravagante, impressionistische Bildkomposition, an der der Blick unwillkürlich hängen bleibt.

Wahrscheinlich würde ein anderer Sinn noch mehr angesprochen werden – der olfaktorische. Doch die Nase muss pausieren, Gerüche liefert Paul Lacostes Dokumentarfilm nun eben nicht mit. Vielleicht würden sie "Entre les Bras – 3 Sterne. 2 Generationen. 1 Küche" auf die Dauer gar unerträglich machen; schließlich gibt es auch keine nach Speisen duftenden Kochbücher. Um Missverständnisse auszuschließen: "Entre les Bras" ist kein Film für Häferlgucker, kein Kochstudio oder -kurs und auch keine Küchenschlacht. Obwohl letzteres Lacostes Intention am ehesten berührt, wenn auch in einem anderen Sinn.

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Worum geht es? Vordergründig um das Porträt des renommierten Drei-Sterne-Kochs Michel Bras, Jahrgang 1946, und seiner Familie. Insbesondere seines Sohns Sébastien, Jahrgang 1971, dem der Vater im Jahre 2009 nach 15 Jahren gemeinsamen Kochens sein Restaurant in Laguiole übergibt. Diesen Prozess des Übergangs begleitet die Kamera (Yvan Quéhec, Romain Carcanade) als stummer Beobachter und setzt ihn in Korrespondenz mit einem anderen ganz natürlichen Wechsel: dem der Jahreszeiten. Die intensive Beziehung der Familie Bras zu ihrer Heimat, dem kargen Bergland des Aubrac im Südwesten Frankreichs, lässt sich schon auf deren Homepage miterleben.

Die Trennung vom Beruf bedeutet ein Stück Sterben

Im Film begleitet man die drei Generationen auf Spaziergängen, etwa beim Flusskrebse fangen: "Zeig uns, dass Du keine Pariserin mehr bist", stachelt Michel seine Schwiegertochter Véronique an, und schließlich hält sie das Tier in Händen. Erstmals… Und dann ist da im Kontrast dazu die "Maison Bras", das mit seiner futuristisch aus dem Gebäude herausgezogenen Veranda ganz französisch-avantgardistisch anmutende Restaurant der Familie. Wenn Sébastien sich allein in die Küche zurückzieht, um neue Rezepte zu kreieren, wenn der Vater dazustößt und kritische Anmerkungen macht, dann bekommt die Arbeit der Köche vollends Laborcharakter. Keine Spur von Naturromantik und Nostalgie.

"Entre les Bras" – der Titel ist Programm: Wir befinden uns sozusagen "unter den Brasens", inmitten einer Familie im Schwebezustand. Was auch für das Lebenswerk des Vaters gilt. Man spürt es. Bei allem Vertrauen in den Sohn ("Warum soll ich alles zerstören, um es neu aufzubauen?"), bei allem Stolz auf die Familie – Michel ist nicht frei von Zweifeln. Auch gegen sich selbst: "Bin ich nicht mehr in der Küche und auf den Märkten", sagt er einmal, "bin ich tot." Die Trennung vom Beruf, das bedeutet dem Vater seine Lebensweisheit, ist ein Stück Sterben. Zumal wenn dieser das Leben war.

In solchen Momenten ist es wohltuend, dass der Dokumentarfilm ganz auf Kommentare aus dem Off verzichtet. Generell freilich muss gesagt werden, vertrüge dieses derzeit so beliebte Format eine ästhetische und formale Auffrischung. Die Kamera als stummer Begleiter – das kennen wir nun schon seit etlichen Jahren. Mitunter aber möchte man als Zuschauer dramaturgisch auch etwas an die Hand genommen werden. Oder an les bras – die Arme.
– "Entre les Bras" (Regie: Paul Lacoste) läuft in Freiburg in der Harmonie.

Autor: Alexander Dick


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