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12. Juni 2013 00:00 Uhr

Doku

"Fuck for Forest": Grün getönter Sex

Neu im Kino: Der Dokumentarfilm "Fuck for Forest" porträtiert die gleichnamige Initiative, die den Regenwald mit Pornographie retten will.

  1. Kino: Fuck for Forest. Foto: Neue Visionen Foto: Neue Visionen

Zu den obskuren Errungenschaften der Subkultur im Internet gehört eine Website der Initiative "Fuck for Forest", die gegen eine Abo-Gebühr erotische Fotografien und selbst gedrehte Pornovideos anbietet. Von dem Erlös werden Projekte für die Rettung des Regenwaldes finanziert. Nach eigenen Angaben haben die Öko-Porno-Aktivisten seit 2004 fast 250 000 Euro erwirtschaftet.

Der polnische Dokumentarfilmer Michal Marczak versucht sich nun an einem Porträt der norwegisch-schwedischen Nicht-Regierungsorganisation, die sich ins Berliner Exil begeben hat. Dabei nimmt er scheinbar die Haltung eines stillen Beobachters ein, folgt den jungen Aktivisten durch das Berliner Nachtleben, wo sie mit mediokren Musikeinlagen ihren Lebensunterhalt verdienen, und in die enge Wohnung, die als Hauptquartier und Lebensmittelpunkt der Kommune dient, die in hippiesker Tradition von freier Liebe und der Wiedervereinigung von Mensch und Natur träumt.

Dass viele Mitglieder der Gruppe aus desolaten familiären Verhältnissen kommen, sich hinter dem verschwiemelten Gerede von freier Sexualität und Planetenrettung handfeste psychische Probleme verbergen und nicht nur der Regenwald Hilfe braucht, spart der Film nicht aus. Aber Marczak entwickelt zu wenig Nachforschungselan, um daraus tiefer gehende Analysen abzuleiten. "Fuck for Forest" ist ein Film, der keine Fragen stellt, sondern seinen Protagonisten mit wackeliger Handkamera hinterher eiert und darauf wartet, dass etwas passiert. Dabei strapaziert Marczak mit der ausufernden Dokumentation der Gruppendynamik, die in stets schlecht beleuchteten Räumen vor sich hin gärt, die Geduld des Publikums über Gebühr.

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Wenn die Späthippies schließlich in den Amazonas aufbrechen, um in den Tiefen des Regenwaldes festzustellen, dass die Bewohner die Hilfe der Freaks aus Europa nicht annehmen wollen, freut sich die Kamera sichtlich, beim Gruppenkollaps dabei sein zu können. Aber auch dieser hämische Höhepunkt kann nicht über die Konzeptionslosigkeit einer Dokumentation hinweg täuschen, die über 86 quälende Kinominuten ein originelles Thema auf sterbenslangweilige Weise zerfilmt hat. – "Fuck for Forest" (Regie: Michal Marczak) ist jetzt ab Donnerstag dieser Woche im Freiburger Kino Friedrichsbau zu sehen. (Frei ab 16)

Die Internet-Seite der Aktivisten:      http://www.fuckforforest.com

Autor: Martin Schwickert